• Crossover für Cowboys

    Der neue Nissan Navara

Von wegen Western von Gestern. Zwar haben Pick-Ups den rustikalen Charme eines motorisierten Planwagens für ewig gestrige Freizeit-Cowboys. Doch wenn Nissan jetzt zur IAA die neue Generation des Navara nach Frankfurt bringt, wollen die Japaner beweisen, dass die Lastenträger durchaus zukunftsfähig sind.

Text: Thomas Geiger

Denn die mittlerweile zwölfte Generation des seit 1935 schon über 14 Millionen Mal gebauten Dauerbrenners ist nicht nur so fortschrittlich gezeichnet wie ein moderner CrossOver im Stil von Qashqai oder X-Trail. Sondern wer nur genügend Kreuzchen auf der Optionsliste macht, der bekommt auch fast so viele Extras.

Das beste Beispiel dafür ist der in dieser Klasse einzigartige Round-View-Monitor, der das Bild von vier Außenkameras zu einer Ansicht aus der Vogelperspektive kombiniert und das Rangieren selbst mit so einem riesigen Auto zum Kinderspiel machen soll. Dazu gibt es – zum Teil sogar serienmäßig – einen Notbremsassistenten, einen Tempomaten oder ein schlüsselloses Zugangssystem und ein Ambiente im Cockpit, das gewöhnlichen Geländewagen zumindest auf den ersten Blick in nichts nachsteht.

Auch unter der wuchtigen Haube feiert Nissan eine Hightech-Premiere und montiert dort einen 2,3 Liter großen Diesel-Motor, den es erstmals im Segment auch als Doppelturbo gibt. Damit steigt die Leistung von 160 auf 190 PS. Gleichzeitig geht der Verbrauch gegenüber dem Vorgänger um 24 Prozent zurück. Kombiniert wird der Motor mit einem sechsstufigen Schaltgetriebe oder eine Automatik, die sieben Gänge hat.

So fortschrittlich sich der Navara bei Ausstattung und Antrieb gibt, so wenig Kompromisse machen die Japaner bei der Arbeitsleistung des Pick-Ups. Im Gegenteil. Nach wie vor auf einem schier unverwüstlichen Leiterrahmen aufgebaut, schleppt der Pritschenwagen auch künftig rund eine Tonne und kann je nach Aufbau mit Einzel- oder Doppelkabine jetzt sogar bis zu 3,5 Tonnen an den Haken nehmen. Und falls das Terrain mal etwas schwieriger wird, gibt es selbstredend wieder einen zuschaltbaren Allradantrieb.

… So fortschrittlich sich der Navara bei Ausstattung und Antrieb gibt, so wenig Kompromisse machen die Japaner bei der Arbeitsleistung des Pick-Ups. Im Gegenteil …

Trotzdem hält auch unter dem Blech die Neuzeit Einzug: Denn die betagte Starrachse mit Blattfedern weicht bei der zivilen Doppelkabine einer modernen Multilinkaufhängung, die nicht nur 20 Kilo leichter, sondern vor allem deutlich komfortabler ist.

Zwar spricht Nissan mit dem NP300 wahrscheinlich wirklich auch ein paar Freizeit-Cowboys und Privatkunden an. Doch normalerweise wäre so ein Pick-Up auf einer Messe wie der IAA trotzdem nur ein Außenseiter. Diesmal allerdings könnte das durchaus ein bisschen anders laufen und der Pritschenwagen sehr wohl in den Blickpunkt rücken. Schließlich haben die Japaner den ersten Großkunden bereits gefunden und eine nennenswerte Charge des Navara an Kooperationspartner Daimler verkauft. Der macht daraus – wahrscheinlich schon zur IAA 2017 – seinen ersten eigenen Pick-Up und wird dafür sorgen, dass die Pritsche bald sogar im Premium-Segment salonfähig wird.

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