Dicke Hose

Abarth 695 Rivale: Anti-Aging

Wenn der Kleine rotzt und furzt wie ein Großer, dann könnte es schnell einmal peinlich werden. Wird’s aber nicht, weil man sich lieber am frechen Abarth 695 Rivale erfreut und so jung fühlt, wie selten.

Text: Maximilian Barcelli

Autofetischisten kennen den Moment: Irgendwo ortet man ein motorisches Donnergrollen, einen herrlichen Sound, der das Herz höher hüpfen lässt. Die Suche läuft, der Kopf dreht sich Uhu-like in alle Richtungen. Ist das ein M? Ein RS (von welcher Marke auch immer)? Oder vielleicht was ganz Großes? Leider folgt dann oft die Ernüchterung in Form eines Golfs mit einem Loch im Schalldämpfer. Oder eines Abarths. Der sorgt allerdings auch schon mit serienmäßiger Auspuffanlage für verdrehte Köpfe. Klar, ist ja auch von Akrapovic. Also große Klappe nichts dahinter? Von wegen.

Zugegeben, erstmal klingen 180 PS ja nicht besonders sportlich. Zumindest so ganz ohne Kontext. Der da wäre: Der Cinquecento ist ein Kleinstwagen, ein Cityflitzer. Also vergleichbar mit Toyota Aygo, Renault Twingo und natürlich dem VW up!. Von den beiden letzten gibt es sogar eine Sportvariante, der Franzose wartet als GT mit 110 Pferdchen auf, der Deutsche up! GTi hat fünf mehr zu bieten. Genau. Kontext, baby!

Ja, so ein Kleinstwagen wiegt halt quasi nix. Deshalb schnalzt man auch mit nur 180 Pferdchen, die der zwangsbeatmete Vierzylinder aus seinen rund 1,4 Litern Hubraum quetscht, innerhalb von 6,7 Sekunden auf Landstraßentempo. Viel wichtiger allerdings, als wie schnell der Abarth 695 Rivale den Paradesprint absolviert, ist wie er das tut. Denn er tut es nicht leise, sondern mit einem herrlichen Krach. Und nicht nur der sorgt für ein breites Grinsen. Ebenso schön ist die Länge des ersten Ganges, er wirkt schier endlos. Erinnerungen an Zeiten, in denen Hochdrehzahlmotoren in Mittelklasselimousinen eingebaut wurden, kommen hoch. Es waren schöne.

Wir schweifen ab. Also zurück zum Motor des Abarth 695 Rivale, dessen Kraft – eh klar – an die Vorderräder geleitet wird. Die ringen im ersten Gang etwa bei 3.000, 4.000 Touren, wenn der Turbolader reinkickt, um Traktion. Spaß am Fahren nimmt das aber bei Gott keinen.

Ein echter Hingucker ist auch das Interieur. Dass dieses an eine Yacht angelehnt ist, lässt sich klar erkennen. Dafür sorgen großartig aussehende Holzapplikationen sowie drei Knöpfe an der Mittelkonsole (Warnblinkanlage, Nebelscheinwerfer und Sportmodus. Der ist übrigens Pflicht, der Cinquecento auf Koks lässt sich dann viel präziser und direkter Lenken und die Klangkulisse ist noch mal ein bisserl rotziger.), die mit Chrom umrahmt sind. Lediglich der untere Teil der Mittelkonsole, auf dem die Bedienung zum Klima wandeln befindet, sticht unschön aus dem sonst sehr schönen Innenraum heraus.

Fazit? Klar, der Abarth 695C Rivale macht schon auf eine dickere Hose, als er eigentlich anhat. Nichtsdestotrotz brachte er in graue Wintertage ordentlich viel Sonne mit. Der Italiener sieht Innen wie Außen elegant aus und lässt beim Fahren Mundwinkel nach oben springen. Und vor allem: Er verjüngt den Fahrer. Nur der Preis gestaltet sich beim – in dem Bereich – sonst so fairen FCA-Konzern als harter Brocken – denn knapp mehr als 32.000 Euro Einstieg ist für ein Auto von dem Format, das kann man drehen und wenden wie man will, schon recht selbstbewusst.