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Dacia Sandero: Level up!

Wer sich fragt, warum man etwa für deutsche Premiummarken einen ungehörig saftigen Aufschlag im Vergleich zu „normalen“ Autos zahlt, darf sich in Zukunft auch den Kopf darüber zerbrechen, wie der Dacia Sandero nur so günstig sein kann. Denn die dritte Generation levelt in allen Belangen so deutlich auf, dass einem alles Andere wie Preistreiberei erscheint.

Fotos: Dacia/Christian Houdek

Lasst uns mal kurz Realtalk spitten, um im modernen Sprech zu bleiben. Der Dacia Sandero war bisher für das ganz kleine Budget ein super Angebot, aber man hat schon auch ganz genau gespürt, woher der Preis kam. Das war natürlich nur fair, aber das wirklich komfortable Fahrerlebnis hat anders ausgesehen. Doch mit der neuen Generation rüstet Dacia seinen Kleinen so intensiv auf, dass ein ganz anderes Feeling in der Fahrgastzelle aufkommt. Und nur, damit wir uns hier verstehen: Wir sprechen hier immer noch von Preisen, die bei irrwitzigen 8.790 Euro beginnen und in lachhaften 17.540 Euro beim komplett vollgestopften Stepway mit Automatik, bunter Außenlackierung und neuen Felgen gipfeln. Andere Autos kann man um das Doppelte bis Dreifache mit Extras ausstatten. Hier darf man wirklich von unterschiedlichen Welten sprechen.


Und dennoch vermisst man spätestens ab dieser neuen Generation einen Mangel, der den Diskontpreis des Sandero rechtfertigt. Ja, weder als Kleinwagen noch als Mini-SUV Stepway ist der Sandero ein Ausbund der ungezügelten Fahrfreude. Aber mit dem getesteten 91 PS starken, einen Liter kleinen Dreizylinder geht schon ordentlich was weiter. Ja, von 100 auf 130 dauert es schon ein bisserl, aber in der Stadt saust der Sandero bei entsprechender Gasfußhaltung sehr frech davon. Das gilt übrigens nicht nur für den Handschalter mit sechs Gängen (auch keine Selbstverständlichkeit mehr bei der höherpreisigen Konkurrenz), sondern auch das optionale CVT-Getriebe spielt brav mit und hat recht gut simulierte Schaltstufen. Unser Liebling wird CVT nie werden, aber da haben wir schon deutlich grausigere Exemplare dieser Gattung erlebt.

In der Kurve krallt sich der Sandero jetzt nicht fest wie ein Wilder, aber er schwimmt auch nicht blind herum und liegt doch satter auf der Straße als noch vor dem Generationenwechsel. Wunder darf man sich bei dem Preis keine erwarten, aber solide Qualität ist schon da. Wer haatzen gehen will, muss sich sowieso ein anderes Auto kaufen.

Selbiges gilt auch für das Interieur, in dem einige Schalter aus den Renault-Cockpits Einzug halten. So passt die Verarbeitung hier auch und es kommt kein Ostblock-Feeling auf. Beim Drumherum behilft sich Dacia eines Tricks: Eine quer über Armaturenbrett verlaufende Bahn aus gemustertem Stoff lockert den Innenraum gekonnt auf, so dass das in Massen auftretende Hartplastik ein wenig unter der Wahrnehmungsgrenze verschwindet. Wer drauf achtet, stellt aber fest: Quasi jede Fläche besteht aus dem ungeliebten Kunststoff. Ein Zugeständnis an den Preis, ganz klar. Aber es schlägt sich eben nicht in der Funktionalität nieder, und das ist schlussendlich am wichtigsten. In der Comfort-Ausstattung gibt es im Stepway sogar bronzefarbene Zierelemente, beim flachen Sandero kommen die in dezentem Chrom daher. Ein bisschen Flair darf also durchaus sein.

Extratechnisch spielt der Sandero auch allerhand Stückel. Diverse Kameras und Sensoren umsorgen die Insassen aus allen Richtungen, sofern man dies wünscht. Und der Infotainmenttouchscreen kann auch alles, was man sich heutzutage so erwartet. Hinzu kommen unter anderem noch Sandero-Premieren wie eine elektrische Servolenkung, eine elektronische Schlüsselkarte, eine Berganfahrhilfe und ein automatischer Licht- und Regensensor. Alles Extras, die man früher sicher nicht mit dem kleinen Dacia in Verbindung gebracht hätte.

Kurz gesagt: Der Sandero und Sandero Stepway haben in allen Belangen massiv aufgerüstet. Egal ob Sicherheit, Komfort oder Praktikabilität – hier ist wirklich viel weitergegangen. Und dennoch bleibt der Sandero ein Auto, dass man sich auch als Neuwagen leisten kann. Wenn andere Marken von Fahrzeugen als ideal für junge Menschen sprechen, die dann 30.000 plus kosten, fühlt man sich derzeit eigentlich eh nur mehr verarscht. Und weil Dacia auch weiß, dass bei allem Preisvorteil auch die Verpackung wichtig ist, tritt der Sandero sehr gefällig und modern auf.

Ja, der Dacia Sandero kann nicht alles so gut wie die teureren Kollegen. Aber es gibt auch fast nichts, das er gar nicht kann. Wer also mit dem einen oder anderen Abstrich leben kann, findet hier wirklich eine ernstzunehmende Alternative, die nicht nur einfach neu aufgelegt wurde, sondern tatsächlich mit viel Hirn ein kräftiges Level-up erfahren hat.

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Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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