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Jeep Compass 4xe: Free Spirit an der Leine?

Jeep. Das bedeutet: Fahr wohin du willst und wodurch du willst, so beschreiben es die Amerikaner zumindest selbst gerne. So richtig Free Spirit-mäßig eben. Doch auch Jeep legt seine Modellpalette inzwischen vor allem für Europa an die Leine. Kann der Compass als Plug-in-Hybrid 4xe noch die große Freiheit symbolisieren?

Fotos: Eryk Kepski

„Groß“ ist beim Jeep Compass allerdings relativ. Denn der erst seit Kurzem (dank des Avengers) nicht mehr Kleinste in der Familie ist mit rund 4,4 Metern für einen Jeep fast schon ein Zwerg. Für Europa aber eignet er sich mit diesem Format perfekt, schließlich sind Kompakt-SUVs das neue Opium fürs Volk … oder so. Insofern war der Compass, den es ja auch erst seit 2007 gibt, von vornherein schon ein bisschen anders als die Gladiators und Grand Cherokees dieser Welt. Das Image der Marke baut aber weiterhin auf Abenteuer auf – und zwar nicht auf jenem der Ladesäulensuche.

Bei einem Plug-in spielt das elektrische Fahren aber ohnehin nur die zweite Geige. Knapp 50 Kilometer sind in der 11,4 kWh-Batterie idealerweise drin, in der Praxis werden es gute 30. Kein Grund zur Aufregung, so kennt man das von allen Einsteck-Hybriden gleichermaßen. Wobei, vielleicht ist genau das eigentlich ein Grund zur Aufregung … aber das tut jetzt nichts zur Sache des Jeep Compass 4xe. Inzwischen zählt sein Akku im Segment schön langsam zu den kleineren und dementsprechend ist auch die elektrische Reichweite so oder so nicht berauschend. Mit 240 PS Systemleistung (samt obligatorischem Allradantrieb) ist er aber nicht nur der stärkste aller Compass, sondern enteilt auch manchem Konkurrenten in puncto Leistung. Allzu dynamisch fährt sich das Paket aus 1,3 Vierzylinderbenziner und E-Motor allerdings nicht. 7,1 Sekunden auf 100 km/h gehen zwar voll in Ordnung, aber der Compass gleitet offensichtlich deutlich lieber, als er hetzt. Oder er rumpelt eben über Stock und Stein, das kann er als Jeep natürlich auch, Stecker hin oder her.

Generell merkt man dem Jeep Compass 4xe eine gewisse Robustheit deutlich an. Das liegt einerseits am deutlich für den Geländegang optimierten Äußeren, schließlich findet man solch großzügige Böschungswinkel in diesem Segment nirgends sonst. Und es liegt auch am Cockpit. Die Schalter sind allesamt etwas gröber gestaltet als bei der Konkurrenz. Das mag zwar das ästhetische Empfinden von modernen Feingeistern nicht beglücken, verleiht dem Interieur des Compass aber einen erdigen Charme. Für die fortgeschrittenen Bedienoptionen gibt es sowieso den Touchscreen. Auch dessen Menüs sind relativ simpel gehalten und lassen sich leicht bewältigen. Mag wiederum nicht gerade hochmodern ausschauen, funktioniert aber schnörkellos.

Generell ist schnörkellos ein gutes Wort für den Jeep Compass 4xe. Im Positiven, weil er sich auf das Wesentliche beschränkt und so die Jeep-Kompetenzen so gut wie möglich wahrt. Aber leider auch im Negativen, weil er in alltäglichen Disziplin selten im Spitzenfeld seines Segments glänzt. Und beim Abenteuern kann man auf den Plug-in-Hybrid-Antrieb wohl eher verzichten. Allzu viel Auswahl hat man allerdings nicht. Denn aktuell gibt es den Compass außer mit einem 190 PS starken Plug-in nur noch als Mild-Hybrid-Benziner. So richtig free ist dieser Spirit leider nicht, muss man sagen. Leute, die ein kompaktes Auto mit Offroadkompetenz suchen und idealerweise eine eigene Lademöglichkeit haben, können mit dem Compass 4xe aber absolut happy werden. Das Zeug zum großen Bestseller hat er zwar kaum, aber seine Nische ist ihm dafür sicher.

Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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