Fiat 500, du siehst gut aus, eroberst Herzen im Sturm, gewinnst nach immerhin acht Jahren auf der großen Showbühne weiterhin regelmäßig Vergleichstests und stehst in der – bitte auf der Zunge zergehen lassen – deutschen (!) Zulassungsstatistik bei den City-Cars vor der Waschmaschine auf vier Rädern, dem VW Up, auf Platz 1. Läuft bei Dir!

Text: Bosko Andjelic

Ganz ehrlich – was sollt ma´ da groß ändern? Diesen zutiefst österreichischen „Innovations-Ansatz“ verfolgt La Mamma Fiat glücklicherweise nicht mit ihrem coccolone a.k.a. Herzibinki. Aus diesem Grund läßt die italienische Mutti ihrem Musterschüler rechtzeitig zur automobilen Oberstufe einen schicken, neuen Anzug angedeihen, der Klassenvorstand wie auch rehbeinigen Junghühnern gleichermaßen gefällt, und stattet das Burli sogleich mit allerhand elektronischen Gadgets aus, die seinen Vorzug im Privatgymnasium weiter gewährleisten sollen.

Aus dem Land des guten Geschmacks

Die allseits be- und geliebte Optik des piccolo cavaliere hatte keinerlei Revolution nötig – stattdessen sind es die geschmackvollen Details, die seinen Anzug nun noch konturierter und zeitgemäßer wirken lassen. Wer hätte auch groß daran gezweifelt, dass diese Übung gelingt – in einem Land, in dem Bauarbeiter nach Feierabend in gutem Zwirn mit sportiver Eleganz selbst heterosexuellen Männern den Kopf verdrehen, können sie natürlich auch Autos schneidern. Und das molto elegante.

Der Cinquecento feiert ja seinen Geburtstag am 4. Juli – die Amerikanern entzünden hierzu – nicht ganz exklusiv zu seinen Ehren – Feuerwerke. Seit 2007 – exakt 50 Jahre nach seinem Urvater „il cinquino“ vorgestellt – hat Fiat über 1,5 Millionen Exemplare in über 100 Herren Länder, ja auch in die USA verkauft. Das ist einerseits ein großer Grund zur Freude, andererseits natürlich auch eine g´scheite Vorgabe, wie Roberto Giolito bestätigt.

Sich verantwortlich zeichnend

Wer das ist? Signore Giolito ist der Chef-Designer des gesamten Fiat-Chrysler Automobiles Konzerns, ein ausgewiesener Künstler seines Faches und zusätzlich höchst sympathisch. Er hat sich für den Motorblock – abseits der Präsentation für die versammelte deutschsprachige Journaille – exklusiv Zeit genommen und unerwartete Details verraten:

„Als wir begannen, uns an den neuen Cinquecento zu machen, dominierte ganz klar die Angst, Fehler zu machen – wie sollte man schließlich so einen Erfolg toppen?“ Schön zu sehen, dass selbst Kapazundern wie Giolito bei manchen Aufgaben die sprichwörtliche Muff´n geht – ein zutiefst menschlicher Zug.

„Und dann haben wir uns einfach an die Punkte gemacht, für die uns 2007 ein wenig die Zeit fehlte – der Cinquecento sollte ja pünktlich zum 50. Geburtstag des Ur-Modells fertig werden. Die Rückleuchten beispielsweise, die haben wir seinerzeit aus Zeitmangel relativ konservativ gestaltet und beim neuen 500er nun bewußt hervorgehoben.“ Die Offenheit beeindruckt und kann nur von jemandem kommen, der wahre Größe hat. Man stelle sich vor, da ist – partiell – gehudelt worden und das Ergebnis ist der erfolgreichste Vertreter seiner Klasse in ganz Europa. Zack. Prack. Badeflack.

„Getreu dem Motto ´masterpieces don´t need changes´ wurde unsere Arbeitsmaxime ´modifying without changing´ abgeleitet und führte uns so zum Ergebnis, das Sie nun sehen – a masterpiece reloaded.“ OK, da ist zum ersten Mal Marketingsemantik am Werk aber der schöne Stolz eines Vaters schwingt bei Giolito – im wunderbar melodischen italienischen Englisch mit – und man bekommt ein gutes Gefühl dafür, welche immense Bedeutung der Cinquecento konzernintern hat.

Im Laufe des Gesprächs versteht man auch, wie es sein kann, dass 40% aller Teile erneuert wurden, was nicht weniger 1.900 neuen Komponenten (!) entspricht, und Laie gleichwohl wie auch Fachmann auf einen schnellen Blick keine nennenswerten Unterschiede ausmachen können. Es fühlt sich vielmehr komplett richtig an und macht mit jeder Minute der Betrachtung mehr Sinn, sich dieser Ikone lediglich punktuell und mit subtilem Einsatz des Skalpells zu Leibe zu rücken.

„Und dann haben wir uns einfach an die Punkte gemacht, für die uns 2007 ein wenig die Zeit fehlte – der Cinquecento sollte ja pünktlich zum 50. Geburtstag des Ur-Modells fertig werden. Die Rückleuchten beispielsweise, die haben wir seinerzeit aus Zeitmangel relativ konservativ gestaltet und beim neuen 500er nun bewußt hervorgehoben.“

Nachhaltigkeit und Ökologie werden ebenfalls ins Treffen geführt und mit zwei neuen Motoren – dem 1.2er, 69PS Eco-Benziner (99g CO2/km) und dem 1.3er 95PS Euro6-Multijet Diesel, der gerademal deren 89g CO2/km produziert, hinterlegt. Saubere Sache, das.

In neuen Teilen viel erwachsener

Das Ergebnis ist, dass der Cinquecento das Putzi-Schema ablegt, maskuliner und sehniger daherkommt. Die zusätzliche Chrom-Querspange, intern liebevoll moustache genannt, akzentuiert dies und ist eine Zutat, die die Front zeitgemäßer erscheinen lässt.

Designer´s Liebkind, die Lichtsignatur, muss natürlich auch herhalten und erledigt frontal quasi den Rest – Einsatz von LED-Lampen und Tagfahrlichter, die an den Font der durchbrochenen Null im 500er-Schriftzug erinnern, zeigen den Detaillierungsgrad. Immer wieder faszinierend zu sehen, welchen globalen Trend Audi hier losgetreten hat und wieviele Designer wahrscheinlich einzig aus diesem Grund einen Job haben, aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zum Thema und einem wahren optischen Leckerbissen beim neuen 500 – den Heckleuchten. Simple Idee, bombige Wirkung – Heckleuchte wird innen ausgespart, die Karosseriefarbe zitiert und übrig bleibt ein dreidimensionales, schwebendes Parallelogramm auf dem Cinque-Popsch, das sie intern light tattoo nennen. Bellissimo!

In Farbe, bunt und sauber

Neue Farben – darunter ein ganz großes Koralle, Ladies – Felgen, Sitzbezüge mit peppigem Karo-Muster, Materialien und Texturen erschließen sich erst auf den zweiten Blick, erfreuen mit Liebe zum Detail und ungemein stimmiger Ganzheit. Italiener halt – wer, wenn nicht die.

Design ist jedoch nur einer von fünf Meilensteinen, die sich die Turiner groß ins Lastenheft geschrieben haben. Nachhaltigkeit und Ökologie werden ebenfalls ins Treffen geführt und mit zwei neuen Motoren – dem 1.2er, 69PS Eco-Benziner (99g CO2/km) und dem 1.3er 95PS Euro6-Multijet Diesel, der gerademal deren 89g CO2/km produziert, hinterlegt. Saubere Sache, das.

Redeseliger Fiat 500

Infotainment und – das Unwort der Stunde – Konnektivität müssen bei einem Fahrzeug, das vor allem junge Herzen erobern soll, natürlich auch bemüht werden. Das bereits aus dem 500X wie auch Schwestermarken des Konzerns bekannte Infotainment-System uconnect hält im 500er in seiner neuesten Ausführung live Einzug und ermöglicht neben sinnvollen Features wie tomtom-Navi mit Echtzeit-Stauwarner, Freisprechfunktion, Musik-Streaming via tunein und Deezer dank Unterstützung von iOS und Android-Smartphones via eigener App auch „muss-das-wirklich-sein“ features wie Facebook, Twitter und Reuters-Integration am gefällig integrierten Touch-Display der neu gestalteten Mittelkonsole.

Braucht mans?

Taking into account, dass viele Autofahrer schon mit Fahren an sich überfordert sind, stellt das potentiell permanent aktive asoziale Netzwerken keinen Zugewinn an Sicherheit und Dekomplexierung dar, aber das ist fairerweise kein Fiat-Thema – dies sollte sich die gesamte Automobilindustrie mal bei einem ausgedehnten Frühstück oder so überlegen. Bis dahin ist halt auch Fiat stolz, sagen zu können, dass ihr neuer 500er born connected ist. Naja. Interessant jedoch der neue, digitale Tacho, der – Kraxelbruder 500X und Großerfolg Jeep Renegade lassen grüßen – eine Vielzahl an Infos schnell und übersichtlich darstellt.

Das Thema Sicherheit wird mit 7 serienmäßigen Airbags und weiter verbessertem Crash-Verhalten, bei dem speziell der Fußgängerschutz ausgebaut wurde, ernsthaft bespielt. Ernsthaft ist auch die Attitüde, die la Mamma Fiat ihrem Musterknaben beim letzten der gewählten Schwerpunkte, der Personalisierung, mitgibt – modebewußt als Second Skin benamst. Second Skin ist ein partielles Folierungsangebot direkt ab Werk, Werksgarantie und Wertigkeit inklusive. Derzeit stehen 6 unterschiedliche Kollektionen zur Auswahl, wobei Camouflage und Navy am stimmigsten wirken – urteilt selbst. Bemerkenswert die Tatsache, dass diese (Teil-)Folierungen zum Preis einer optionalen Lackierung, also ziemlich preisgünstig, zu haben sein werden.

Leben hinterm Lenkrad

Wie fährt er sich und was sind alle Anstrengungen, die im Vorfeld gemacht wurden, nun auf der Straße wert? Beim ausgedehnten Test Drive mit dem antrittsstarken, zweizylindrigen 0,9l-Twinair 105 PS-Benziner, der sich wohlerzogener gibt als sein 20 PS schwächeres Pendant, durch die città Turins erfreute der Kleine mit bekannter Wendigkeit. Er versprüht erfrischende Leichtigkeit ohne „dünn“ zu wirken – ganz im Gegenteil, die strukturelle Dichte hat gefühlt zugenommen und kommuniziert erwachsene Wertigkeit. Auf dieses Konto zahlen verstärkte Dämmungen in den Radhäusern sowie an der Schottwand zum Motorraum ein – sie erreichen einen angenehmeren Geräuschpegel selbst bei hoher Geschwindigkeit. Das neue Lenkrad, das sich weiterhin leider nur in der Höhe verstellen lässt, liegt gut in der Hand und widersetzt sich dem aktuellen Trend zur Bauchigkeit. Schön. Die Route führte auch durchs Piemonteser Hinterland in hügeligeres Gefilde – hier beeindruckte die nochmals erhöhte Fahrstabilität und der tolle Geradeauslauf, der trotz des kurzen Radstands geboten wird. Überraschend.

Wenig Tadel, viel Lob

Die Liste der Verbesserungsvorschläge fällt dementsprechend recht kurz aus – die weiterhin überraschend lieblosen Türverkleidungen aus Hartplastik – hey, wie wärs mit lackierten Applikationen alla Armaturenbrett? – und die unverändert zu hohe Sitzposition. Na gut, es muss ja auch ein bissl was für´s Facelift in ein paar Jahren überbleiben. Signore Giolito wird´s schon richten.

Ab dem 18.7. kann das automobile Österreich den kleinen Herzensbrecher aus der Nähe betrachten und bei unveränderten Preisen auch gleich mit nach Hause nehmen – aber Achtung, er könnte schneller zu ihrem Coccolone werden als Sie denken!