Unterwegs im Giulia und Stelvio Quadrifoglio Facelift

Mit dem ganz großen Revival hat es zwar nicht so recht klappen wollen, doch zumindest hat Alfa mit der Giulia und dem Stelvio zwei weithin sichtbare Lebenszeichen in Stellung gebracht. Und seit es Limousine und Geländewagen in der potenten Quadrifoglio-Version gibt, horcht auch die Bleifußfraktion auf, wenn die Mailänder die Muskeln spielen lassen. Doch weil es bei allem Sexappeal auch ein bisschen Substanz braucht für eine lange und glückliche Beziehung, legen die Italiener jetzt noch einmal nach und frischen die beiden Modelle auf.

Von Thomas Geiger



Zu Preisen ab 92.500 Euro für den Stelvio mit dem vierblättrigen Klee am Heck und 82.500 Euro (beides D) für die entsprechende Giulia gibt es außen zwar nur ganz dezente Retuschen. Doch laden die beiden Heißblüter dafür nun innen zum Fummeln und zum Fingern ein. Denn es gibt nicht nur ein neues Lenkrad mit besserem Grip und ein paar neue Knöpfe für Radio & Co auf der Mitteltunnel. Sondern endlich ziert die Konsole neben dem Cockpit ein großer Bildschirm, auf dem man zeitgemäß mit den Fingerspitzen navigiert und sich dabei neben neuen Online-Diensten auch ein paar Telemetriedaten aus dem Maschinenraum anzeigen lassen kann. Schließlich wollen die beiden Alfa-Tiere ernsthafte Sportwagen sein.



Diesen Anspruch stützen sie mit ihrem 2,9 Liter großen V6-Turbo, an dem die Modellpflege spurlos vorübergegangen ist. Und das ist auch gut so. Denn wunderbar temperamentvoll und leidenschaftlich und begleitet von einem Soundtrack, gegen den Aida ein Wiegenlied ist, mobilisiert er politisch völlig unkorrekte 510 PS und bis zu 600 Nm, mit denen die beiden alle Lebensgeister wecken und ihren Stammplatz im Herzen der Bleifuß-Fahrer sichern. Von 0 auf 100 in 3,9 Sekunden für das Stufenheck und 3,8 Sekunden für das SUV und bei Vollgas 307 oder 283 km/h – natürlich passt das längst nicht mehr in die Zeit. Aber deshalb ist es umso erfreulicher, dass sich ausgerechnet eine mittlerweile derart exotische Marke wie Alfa Romeo noch solche Extremitäten erlaubt.



Und solange die Italiener solche Motoren bauen und die Kraft dann mit Allrad-Antrieb, Acht-Gang-Automatik und fein ausbalanciertem Fahrwerk auch noch derart sauber auf die Straße bekommen, wird sich niemand über die Assistenzsysteme beschweren, die auch nach dem Update allenfalls klassendurchschnitt sind. Denn bei so einem heißen Flirt will man sich von der Elektronik nicht helfen und schon gar nicht einbremsen lassen.