• Im Angesicht des Todes

    Mit dem Mini Cooper S Countryman All4 durch England

Englands Straßen gelten für den europäischen Durchschnittsfahrer aufgrund des Linksverkehrs als gewöhnungsbedürftig. Doch der Lokalaugenschein zeigt: Das Falschherumfahren ist völlig harmlos im Vergleich zu den tödlichen Gefahren, die auf diesen Straßen lauern. Im Mini Countryman sind wir ihnen knapp entronnen.

Text: Jakob Stantejsky

Gewachsen ist er, der neue Mini Countryman. Auf nachdrücklichen Kundenwunsch hat Mini seinem ersten über-4-Meter-Fahrzeug noch einmal 20 Zentimeter Länge zusätzlich spendiert und den Guten somit auch für Familien erstwagentauglich gemacht. Man sitzt vorn wie hinten sehr komfortabel und in alle Richtungen anpassbar. Auch die Rückbank lässt sich um satte 30 Zentimeter vor- und rückwärts verschieben, ein wirklich praktisches Feature.

Preise: ebenfalls nicht mini

Die Preise bewegen sich zwischen 28.000 und 39.000 Euro, je nach Modell und Ausstattung. In den Countryman eingestiegen, finden wir uns sogleich zurecht und stellen fest: mini ist hier eigentlich kaum noch etwas. Nicht falsch verstehen; alles ist total Mini, aber eben in maxi. Der Countryman bietet nun Langstreckenkomfort vom Feinsten auch für vier Leute. Sowohl innen als auch außen ist alles sehr gefällig in altbekannter Minimanier gestaltet und lädt zum Wohlfühlen ein.

Die Tiefenentspannung lässt aber bald aus drei Gründen nach. Erstens sind da die 192 PS, die den Countryman besonders im Sportmodus durchaus rasant durch die Gegend jagen. Die Automatik spielt sehr gut mit und ermöglicht hohe Drehzahlen und kernigen Sound.

Und zweitens: Die kraterähnlichen (ungefähr so tief wie der Krater, der durch den dinosauriervernichtenden Meteoriten entstanden sein soll) Schlaglöcher, die Englands Landstraßen zieren, fordern uns heraus, die Slalomtauglichkeit des Mini zu testen. Der Countryman besteht mit Bravour, Applaus für die exzellente Agilität und Kurvenlage ist angebracht. Wieso Straßenpflege in England ein Fremdwort zu sein scheint, finden wir aber nicht heraus.

Ein Drittens folgt leider auch noch, und dieses bezeichnet die permanente Gegenwart des Todes auf unserer Spritztour.

Klingt dramatisch? Ist es auch. Denn alle paar Meilen liegt irgendein brutal per Automobil hingerichtetes Tier auf oder neben der Straße. Halbe Fasane, ganze Hasen und auch ein am Genick zerteilter Fuchs erregen wiederholt unsere Aufmerksamkeit. Klar, Wildunfälle passieren auch bei uns zuhause. Aber gleich acht blutige Tatorte auf einer knapp zweistündigen Fahrt zu Gesicht zu bekommen, ist doch ungewöhnlich.

Sind Englands Viecher dumm?

Wir stellen uns also folgende Fragen: Sind englische Viecher einfach dümmer? Verreißen englische Fahrer in einem Anflug von Jagdfieber das Lenkrad, wenn sie ein Tier sehen? Auffällig ist auch, dass viele der Tiere einige Zentimeter – pardon – Zoll neben der Fahrbahn im Gras liegen. Steigt ein Engländer etwa nach vollbrachter Tat aus seinem Gefährt und platziert das Opfer stolz und für alle Tiere gut sichtbar am Straßenrand? So nach dem Motto: Seht, was eurem Freund geschehen ist, ihr seid die Nächsten/kommt der Straße nicht zu nahe? Oder fährt er prinzipiell mit einem Rad im Bankett?

Wir wissen es leider nicht. Wir wollten euch jetzt auch mit diesen schockierenden Beschreibungen der englischen Zustände und den dazugehörigen bohrenden Fragen kein Kopfzerbrechen bescheren. Daher bieten wir als versöhnlichen Abschluss zwei Dinge, die wir wissen:

Erstens ist der Mini Countryman ein wirklich gelungener Allrounder. Ob Stadt, Land oder Autobahn, sowohl der Fahrspaß als auch die Praxistauglichkeit sind sehr hoch und machen den erwachsensten Mini zu einer ernsthaften Option für Familienmenschen und solche, die es werden wollen, ohne dabei auf eine Riesengaudi beim Fahren zu verzichten.

Zweitens: Was auch immer die Antworten auf obige Fragen sind; Die spinnen, die Briten. Aber Autos bauen, das können sie formidabel (vor allem, weil sie in Wahrheit Bayern sind).

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