Alpinéééé, Oida!!

Die Alpine A110 Pure

Eigentlich ist mir das alles ja wurscht. A110, Pure, whatever. Kein Kürzel oder Beiname kann die Alpine noch sexier machen als sie schon ist. Sie braucht das ganze Zeug auch nicht. Denn wenn man im Gespräch das Wort Alpine benutzt, fangen alle Anwesenden sowieso geistig (unter Umständen auch physisch) zu sabbern an. Und womit? Mit Recht.

Text: Jakob Stantejsky

Unsere Test-Alpine hört also auf den vollständigen Namen Alpine A110 Pure. Dabei ist Alpine eigentlich der Herstellername und A110 die Modellbezeichnung. Ich sage aber trotzdem, wie jeder andere auch, weiterhin Alpine zu ihr, bis Alpine ein zweites Auto im Programm hat … oh lá lá, bei dem Gedanken speichele ich direkt wieder ein. Pure steht für eine der beiden verfügbaren Ausstattungslinien, nämlich die puristisch-kompromisslos-leichtbauoptimiert-sportliche. Die andere nennt sich Légende und setzt auf ein kleines Bisserl mehr Komfort. Davor gab es außerdem noch die Première Edition, die wir ebenfalls fahren durften. Unsere pure Alpine ist einerseits mit superleichten Sportsitzen, die auch noch zum Niederknien gut ausschauen, ausgestattet, bietet aber dennoch serienmäßig nette Goodies wie Klimaautomatik, Navi und Fahrmodus-Schalter. Das Gewicht der jungen Dame liegt sogar unter 1.100 Kilogramm, da hat der Mittelmotor mit seinen 252 PS und 320 Nm Drehmoment aus 1,8 turbobeatmeten Litern Hubraum verdammt leichtes Spiel, weshalb er die Alpine auch in lachhaften 4,5 Sekunden auf 100 Stundenkilometer peitscht. Da ändert sich die Ausprache dann auch von Alpine zu Alpinéééé – rein adrenalinspiegelbedingt.

Jetzt reicht’s aber mit dem trockenen Geschwafel. Wie geil ist die Alpine denn nun? So geil, dass ich in vier Tagen mit dem Auto viermal ausgefahren bin. So geil, dass ich beim geselligen Champions League-Abend mit Freunden auf das Bier verzichtet habe und dann noch um ein Uhr nachts die Sau-rauslass-Strecke meines Vertrauens aufgesucht habe. An die Arbeit am nächsten Morgen wird da kein Gedanke verschwendet. Denn wenn die Straße völlig leer ist, dann erst blüht die Alpine so richtig auf. Nicht, weil ich dann mit 150 über die Landstraße brettere – das überlasse ich gerne Anderen und außerdem kenne ich da eine ganz feine Strecke, deren Kapazitäten man mit legalen 100 perfekt ausschöpft. Sondern, weil dann nur mehr du und dieses Auto existieren. Jeder Kurve, jeder Gasstoß und jedes scharfe Anbremsen wird zu einer beinahe erotischen Erfahrung. Viel freier kann sich auch ein Vogel nicht fühlen, da bin ich mir todsicher.

Die Alpine und die klassische Landstraße passen zueinander wie zwei Fäuste auf zwei Augen – und zwar mit voller Kraft. Zugegeben, auf einer Rennstrecke konnte ich die Französin noch nicht fahren, aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass sie dort noch lebenslustiger agiert. Nicht, weil sie es nicht kann. Sondern weil dieses Auto kein abgehobener Rennbolide ist, sondern ein der Straße verbundenes Juwel. Egal ob wegen der fahrerischen Qualitäten oder des absolut herzeigewürdigen (ja, mit der Alpinéééé protzt man ganz gerne mal) Looks – hätte ich die knapp 70.000 Mäuschen für die westeuropäische Schönheit, wäre sie mein Daily Driver. Denn dieses Schmuckstück will und muss ausgefahren werden, so oft es nur irgend geht. Außerdem kann man sowieso nicht an ihr vorbeigehen, wenn sie in der Garage steht. Das ist schlicht unmöglich.

Ihr merkt schon, die Alpine A110 Pure hat es mir so richtig angetan. Damit das hier nicht zum Werbetext verkommt, gibt es zum Abschluss noch eine kühle, konstruktive Kritik. Vergleicht man die Alpine nämlich mit dem Mazda MX-5, erkennt man, dass sie nicht unvergleichlich ist (Überraschung!). Denn der Japaner punktet mit offenem Dach, das der Alpine aber sowas von gut zu Gesicht stünde. Außerdem kann man ihn als Handschalter bestellen, was mich bei der Alpine auf der Ekstaseleiter noch ein paar Stufen weiter Richtung Irrsinn treiben würde. Und last, but not least kann man den MX-5 auf der öffentlichen Straße wirklich komplett ausfahren. Bei der Alpine bleibt doch der ganz kleine Wermutstropfen, dass noch mehr ginge, wenn man nur dürfte. Unter’m Strich begegnen sich die zwei Spaßgranaten irgendwie auf Augenhöhe, auch wenn sie andere Ansätze haben. Denn die gut 70 PS Vorsprung der Französin bei nur gut 50 Kilogramm Gewichtszunahme machen schon verdammt viel her. Es kommt daher im Endeffekt auf den persönlichen Geschmack an.

Konkurrenten sind MX-5 und Alpine aufgrund der doch sehr unterschiedlichen Preis-, Power- und Ambientepolitik keine. Aber hoffentlich konnte dieser kurze Vergleich die atemberaubende, wiederauferstandene Legende ganz gut in Relation setzen. Denn in meinen Augen handelt es sich bei den Beiden mit Abstand um die besten Spaßautos der Welt. Das soll keineswegs eine der beiden Leistungen schmälern, sondern für beide das höchste Lob sein. Denn mit dem MX-5 verglichen zu werden, ist eine große Ehre. Doch auch auf einer Stufe mit der Alpine zu stehen, ist ein Grund für eine stolzgeschwellte Brust. Denn dieses Auto ist unfassbar gut. Ich kann meine Begeisterung nicht anders in Worte fassen, als mit dem Schlachtruf: Alpinéééé, Oida!!