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Der neue Ford Focus

Der Ford Focus zählt zu den echten Dauerbrennern im Automobilsektor und dementsprechend legen die Amerikaner mit der vierten Generation des Verkaufsschlagers jetzt frisches Holz nach. Während die grundsätzliche Ausrichtung natürlich keine wahnwitzige Umkrempelung erfährt, spendiert Ford seinem Kompakten doch einen Haufen gescheiter Neuerungen, die im Kampf gegen den Klassenstreber Golf willkommene Schützenhilfe geben.

Text: Jakob Stantejsky

Doch bevor wir den frischen Wind durch die Stube wehen lassen, schauen wir uns erstmal an, was sich beim neuen Focus nicht geändert hat. Ford-typisch ist das Fahrwerk spürbar sportlich und aktiv abgestimmt, ohne jedoch hart oder gar unbequem zu werden. Leistbare Sportlichkeit ist für die Amerikaner sehr wichtig und das merkt man auch. Denn ein derart spaßiges Gesamtpaket bekommt man andernorts zu solchen Preisen schlicht nicht – ganz ohne Sportkürzel und ähnliches Brimborium. Dennoch will der Focus aber auch im Alltag jedem Kunden ein treuer Begleiter sein und deshalb reicht die PS-Palette von 85 bis 182 und deckt Diesel und Benziner gleichermaßen umfassend ab. Zwischen Automatik mit neuem Drehschalter und Handschalthebel kann man sich ebenso entscheiden wie zwischen Fünftürer und Kombi. Man nehme noch die verschiedenen Ausstattungsvarianten ins Auge; Titanium, Active, ST-Line und Vignale – schon steht einem von Puristik über Offroad bis hin zu Sport und Premiumfeeling alles offen.

Für die ganz rasanten Raser kommt nächstes Jahr natürlich auch wieder ein ST, den nächsten RS wollte bei Ford noch niemand bestätigen. Aber bei dem großen Erfolg des letzten Modelles muss man nicht allzu lange spekulieren, um zu einem erfreulichen Schluss zu kommen. Kurz gesagt: Der Ford Focus bietet eine Lösung für jeden Typ – Sparefroh, Luxusliebhaber und Dynamikfanatiker kommen auf Wunsch alle auf ihre Kosten.

Generell wirkt der neue Focus vor allem im Innenraum deutlich aufgewertet, selbst wenn man nicht im eleganten Vignale Platz nimmt, der zumindest im Ansatz übrigens echtes Oberklassefeeling versprüht. Klar, die diversen Luxusspielereien von Benz und Co. findet man im Focus in keiner Austattungsvariante, aber wer in Fords Kompaktwagen überhaupt erst danach sucht, sollte sich über seine Autokenntnisse Gedanken machen. Doch die Materialien sind angenehm und selbst wenn nicht das ganze Cockpit vor Lack und Leder starrt, ist der Mix ästhetisch sehr gut gelungen und wirkt sowohl spacig als auch cool und einladend.

Die Bedienung erfolgt nicht nur auf dem optionalen, leider etwas fantasielos hingepflanzten aber dafür umso ergnomischeren Touchscreen mit allem Drum und Dran easy, sondern das ganze Cockpit ist eigentlich ein Paradies für den Fahrer. Von den Lenkradtasten über die Mittelkonsole bis hin zur fantastischen Schaltung und der knackig-präzisen Lenkung – warum werden nicht in allen Autos so super Teile verbaut. Denn über den Preis holt der vergleichsweise günstige Focus die geschmeidige Verarbeitung sicher nicht wieder rein. Es ist eh klar – Luxus geht anders. Aber wertig kommt er schon daher, der Ford! Damit wird er seinen Ansprüchen nicht nur gerecht, sondern liefert auch ein paar schlagkräftige Kaufargumente.

Jetzt geht’s aber ab hinters Lenkrad und auf die Straße! Hier bietet der Focus nun brandneu allerlei fortgeschrittene Assistenzsysteme an, die teilautonomes Fahren möglich machen. Abstandstempomat mit Verkehrszeichenerkennung und dementsprechender Geschwindigkeitsanpassung und Spurhaltesystem sowie Stauassistent erleichtern den mühsamen Alltag sowohl auf der Autobahn als auch im Stadtverkehr und schonen die Nerven des Fahrers. Auch in Punkto Sicherheit ist alles dabei, was selbst in der Premiumklasse Rang und Namen hat – in dieser Hinsicht liefert Ford ein beeindruckend progressives Paket fürs relativ kleine Börserl ab.

Wenn ich dann jedoch selber schalten, walten und lenken will, kommt Spaß auf. Der 182 PS-Motor gibt sich spielfreudig und lässt sich weder die 1,5 Liter Hubraum noch die drei Zylinder, die auf Gleitpassagen sogar per Zylinderabschaltung zum Zweitöpfer mutieren anmerken. Der Sound ist zwar kein Ohrenschmaus per se, bleibt aber recht kernig und hält sich die meiste Zeit über vornehm im Hintergrund. So düse ich fröhlich über die Landstraße und fühle mich verstanden – dieses wirklich außerordentlich sparsame und ausstoßarme Alltagsfahrzeug macht Spaß und steht dazu, dass Autofahren auch heute noch Vergnügen bereiten sollte. So muss ein guter Kompromiss ausschauen! Die reine Vernunft und die rücksichtslose Zahlenschieberei haben zwar ihre Berechtigung, aber wenn der Focus schon jetzt die CO2-Norm von 2020 erfüllen kann, wieso soll dann kein Platz für das Kind im Fahrer sein? Allein diese Herangehensweise rechne ich Ford hoch an und aufgrund dieser Vielseitigkeit wird auch der neue Focus ein Bestseller werden. Zurecht.