Gastkommentar

Redaktionshündin Ginger über Silvester

Ich fahre gerne Auto, wirklich. Es gibt da auch Beweisfotos, schon aus meiner frühesten Jugend, als mich mein Herrl und der Herrl von meiner alten, leider jüngst verblichenen Freundin Jana mit einem schnellen Audi (ErEssen4 oder so, jedenfalls ein g’schmackiger Name) mitnahmen. Majestätisch posierte ich in dem schnellen Kombi, zuerst standesgemäß im Kofferraum, dann, weil es der Fotograf unbedingt wollte, auch am Rücksitz, wo ich prinzipiell ja nicht so gerne sitze, ausser der Herrl fährt eine Limousine. Weil in einen Kofferraum ohne Heckfenster steig ich sicher nicht!

Andererseits – mit dem Alter schwindet der Übermut, mit der Reife kommt die Angst, oder umgekehrt. Und so ist mir seit kurzem allerlei lautes Geknalle, anders als in meiner frühen Jugend, heutzutage ein Graus. Man weiß ja schließlich nicht, woher der Lärm kommt, der einen da so plötzlich erschreckt, weil man ja nix sieht, wo er herrühren könnte. Und ja, ich weiß schon, ich bin ein Jagdhund und sollte daher auch „schussfest“ sein. Aber das bin ich halt nicht, vielleicht auch deshalb, weil das schlimmste, was mir so ein zu jagendes Wildtier antun kann, ist, einfach stehen zu bleiben. Ich meine – reißen? ernsthaft? Also ich glaub nicht, dass das so unverarbeitet gut schmeckt. Ausserdem: weiß man wo der zuvor sein Fell drin gewälzt hat? Also ehrlich, nein, das is nix für mich. Da fress ich schon lieber Karotten mit Reis. Und Weihnachtskekse. Und Wurschtbrote. Und Soletti. Und …

Ich schweife ab, es geht ums Knallen. Vor ein paar Jahren entwickelten Frauli und Herrlie die schlaue Maßnahme, mich an Silvester so ab etwa 19h in den Kofferraum eines meiner Lieblingsautos, das sind die WUFFs oder SUVs oder so, zu setzen und mit mir durch die Gegend zu cruisen. Das ist zwar auf den ersten Horch nicht sehr umweltfreundlich, derlei aber am Tag der größten, sinnlosen Feinstaubproduktion des Jahres aufzuwerfen, ist lächerlich. Und bei dieser Gelegenheit wäre mir, solange wir durch die Stadt fahren, ein Kofferraum so ganz ohne Fenster sogar lieber als die netten Großautos, die der Herrl da sonst immer so anschleppt.

Ich scheiss mich wirklich an bis übers Kreuz vor der mühsamen Knallerei. Besonders wenn sie bei mir im Maurer Wald daheim stattfindet, wo der hirnlose Knallerant seinem dümmlich-freudigen Nachwuchs zeigt, wie toll nicht seine Piraten und sonstigen Knallfrösche explodieren, wenn er sie an seiner Zündholzschachtel reibt. Was er dabei völlig vergisst: nicht nur meine Hundefreunde und ich fürchten uns vor dem idiotischen Theater. Der Wald ist voller verschreckter Viecherchens, die sich wochenlang von ihrem Silvestertrauma nicht erholen. Vielleicht hat er es ja auch nicht vergessen und es ist ihm einfach wurscht.

Versteht mich nicht falsch – nix gegen ein schönes Feuerwerk am Firmament, das dann in allen Farben schimmert und nur ganz leise, weil ja ganz weit oben am Himmel knallt. Sowas kann schon ganz nett sein, ausserdem kann ich mir dann ja auch in meinem kleinen Hundihirn zusammenreimen, wo der Lärm herkommt.

Die nur laute und unsichtbare Knallerei kann mir aber gestohlen bleiben. Vor der hab ich, ja, zugegeben, panische Angst. Und irgendwie tuts mir leid, wenn Herrl oder Frauli da die ganze Nacht mit mir über die Autobahnen fahren müssen, mit laut aufgedrehtem Radio, nur weil ich mich sonst so fürchte, dass ich am ganzen Leib scheppere. Sie könnten ja auch feiern irgendwo. Aber aus lauter Liebe zu mir opfern sie Silvester irgendwelchen Vollidioten, die meinen, sich an pyrotechnischem Kriegsspiel aufgeilen zu müssen.

Mein Herrli ist da ja auch richtig sauer, sogar noch eine Ecke mehr als ich. Er sagt nämlich, dass er sich über jeden Idioten freut, dem es bei dieser Gelegenheit die Pfoten wegreißt … bissl radikal, vielleicht. aber so ist er halt in manchen Dingen.

Also rutscht gut und vor allem knallfrei.

Eure Ginger.

PS.: Meine lieben Freunde von Ford haben gerade eine geniale Idee zum Thema Hund zu Silvester rausgebracht. Schaut euch das doch mal an!