Das Überholmanöver

Der Mini John Cooper Works Clubman

Facelifts sind nicht unbedingt des Autojournalisten Liebling. Denn allzu viel Stoff für eine lässige Geschichte gibt ein Auto, bei dem sich außer den Leuchten und des Infotainments nichts geändert hat, einfach nicht her. Beim aktuellen Mini John Cooper Works Clubman ist die Bezeichnung Facelift aber eine glatte Beleidigung. Denn abgesehen von ganz massiven optischen Updates steigt unter der Haube auch noch eine waschechte Revolution.

Text: Jakob Stantejsky

Unter dem Beinamen John Cooper Works messen sich Minis mit der Kompaktsport-Konkurrenz à la GTI und Co. – oder zumindest wäre das der Gedanke. Doch bisher hatte der Clubman mit seinen vergleichsweise mickrigen 231 keinen Grund zu lachen angesichts der oftmals 300+ Pferde, die die deutsche, französische und japanische Konkurrenz so auf die Straße wuchtet. Jetzt aber setzt Mini zum Überholmanöver an und klatscht satte 75 PS mehr unter die Haube. Mit 306 Rossen ist der John Cooper Works Clubman nicht nur endlich konkurrenzfähig, sondern macht auch einen gewaltigen Sprung, wie er sonst auch bei komplett neuen Generationen kaum gewagt wird.

Zusätzlich wird der Clubman in jeder Hinsicht weniger knubbelig und kugelig, sodass er jetzt seine jugendliche Sportlichkeit auch optisch unterstreichen kann. Die schärferen Heckleuchten treten jetzt im Union Jack-Stil statt mit Kringeln auf und das ganze Auto steht viel schnittiger, zackiger und vor allem breiter da. Besonders von hinten erinnert der Mini JCW Clubman nun eher an einen scharrenden Bullen als an einen schmächtigen Jungstier – das Design ist voll aufgegangen. An alle, die jetzt feuchte Augen bekommen und erzürnt das traditionelle Mini-Design beschwören: Wenn irgendein anderer Hersteller heutzutage Autos im Stil der späten 50er bauen würde, würden wir ihn allesamt auslachen. Wir alle lieben Classic Minis, aber die Marke Mini muss mit der Zeit gehen und das sollten die Fans auch.

Im Cockpit wird alles auf den neuesten Mini-Stand gebracht, was für lässigen Style und praktische Bedienung sorgt. Die geteilte Hecktür bleibt dem Clubman erhalten und passt hervorragend zum eigensinnigen Charme, der die britische Marke seit jeher ausmacht. Aber kommen wir endlich zu dem, was bei so einem Auto wirklich wichtig ist. Der Mini John Cooper Works Clubman ist jetzt ein vollwertiger Kompaktsportler. Die Power stimmt, die Abstimmung ist schön scharf und in bester Tradition auch ordentlich laut gewählt. Vor Golf GTI, Mégane R.S., Hyundai i30 N und Konsorten muss man sich leistungstechnisch keineswegs mehr verstecken. Vor dem Civic Type R sollte sich jedes Auto verstecken, allein schon wegen der halsbrecherischen Optik.

So rasant es dank Allradantrieb in einer geraden Linie zugeht, so spielend leicht lässt sich der JCW Clubman auch durch die Kurven einer gewundenen Landstraße schleudern. Oder eben nicht. Denn er klebt förmlich auf seiner Linie. Solange die Assistenzsysteme laufen, wird es mit Rutschen echt schwierig. Zugegeben, dieser Mini ist kein Messer-zwischen-den-Zähnen-Kurvenräuber wie manch aggressiv gestylter Konkurrent aus Japan, sondern geht es ein wenig lockerer an. Für die öffentliche Straße perfekt, um Spaß zu haben und gelegentlich auch ans Limit zu gehen. Aber er muss nicht permanent dahingepeitscht werden, damit er Freude macht.

Für einen Wochenendroadtrip mit der Flamme ist der Mini John Cooper Works Clubman ein wahres Traumauto: Man schaut fesch aus, wird von einem hochwertigen Innenraum umschmiegt und heizt schön flott dahin. Wer es allerdings wirklich wissen will, reizt den Clubman bis auf Blut und merkt dann schnell: Dieser Mini kann auch giftig sein. Endlich! Denn dank dieser Portion Aggressivität, die sich durch das ganze Auto zieht, kann es endlich zum Überholmanöver gegen die Konkurrenz ansetzen. Dabei ist die neu gefundene Kraft nur die halbe Miete – auch Design und Abstimmung wollen jetzt mehr und tun dies dem Fahrer auch kund. Der will da natürlich mitmachen und deshalb gehört der Mini John Cooper Works Clubman auf die Überholspur.