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Subaru XV und Impreza: Safety First

Sie haben lange geredet bei Subaru, hatten vieles über Eyesight zu erzählen. Und dennoch hat man auf das Wichtigste vergessen: Das große Unterscheidungsmerkmal des Assistenzsystems zu anderen nämlich.

Text: Maximilian Barcelli

Adaptiver Tempomat, Notbremsassistent – das sind inzwischen ja alles keine neuen Technologien. Hersteller verbauen diese kleinen und großen Helferlein bereits seit Jahren. Dennoch empfanden die Herrschaften von Subaru es für notwendig, ihr Fahrerassistenzsystem Eyesight der anwesenden Journaille in einem ordentlichen Umfang näher zu bringen. Theoretisch, später aber auch praktisch.

Was an der Technologie jedoch wirklich besonders ist, ging leider ein bisserl unter: Adaptiver Abstands- und Geschwindigkeitsregelung, Anfahr-, Notbrems- und Spurhalteassistent – all diese Systeme funktionieren auf Basis einer einzigen Stereokamera mit zwei Objektiven. Kein Radar, kein Lidar. Nur die Kamera. Dann ist Eyesight ist bei allen Subaru-Modellen, abgesehen vom Forester, serienmäßig mit an Bord. Auch so ein Unterscheidungsmerkmal, das die japanische Marke von anderen Herstellern, die ja teils absurde Aufpreispolitik betreiben, abhebt. Wurde aber im Gegensatz zum technologischen Unterschied auch kommuniziert.

Wieso die Japaner nun derartig auf das Thema Sicherheit setzten, liegt an umfangreichen Befragungen. Das Ergebnis dieser: Kunden schätzen die Zuverlässigkeit eines Subaru. Was wohl einiges mit Eyesight zu tun hat, viel mehr aber noch mit dem Allradantrieb. Jeder kennt sie: Die Videos, in denen Forester und Co. LKW’s über die Schneefahrban zerren oder sich durch den Gatsch kämpfen. Doch auch der Spaß soll ein nicht unwesentlicher Teil bei der Kaufentscheidung gewesen sein. Umso ironischer, dass die Japaner das Gerät schlechthin eingestellt haben: Den WRX STI. Auch ironisch ist das Automatik-Getriebe, auf das Subaru setzt. Es ist ein stufenloses.

Ganz grundsätzlich: Nichts gegen ein CVT-Getriebe. Man gewöhnt sich daran, es hat ja durchaus einige Vorteile zu bieten. Doch Sportlichkeit gehört nicht dazu. Was schade ist: Bewegt man den Impreza und den XV nämlich dynamischer – wir taten dies am Handling Track im Infield des Red Bull Rings – wird nämlich schnell klar: Kurvenhatz, das können sie, die Subis. Auch der höhere XV kommt nur selten ins Wanken, der Impreza ist in der Kurve sowieso beeindruckend. Möglich macht dies vor allem die neue Plattform, die eine 70 bis 100 prozentige höhere Steifigkeit als die alte aufweist.

Trotzdem: Nach der Kurve kommt die Gerade. Und auf dieser hört sich’s dann mit dem Spaß auf. Der Motor klingt angestrengt, weil hohe Drehzahl. Weitergehen tut aber kaum etwas. Man darf den schwarzen Peter da aber nicht nur dem CVT-Getriebe zuschieben. Denn so 114 PS und 150 Newtonmeter Drehmoment sind halt wirklich nicht die Welt. Da kann das Saug- und Boxerkonzept noch so sympathisch sein.

XV und Impreza sind allerdings sicherlich nicht die unlustigsten Fahrzeuge ihrer Klasse. Und das Subaru es in Sachen Geländetauglichkeit faustdick hinter den Ohren hat, ist allgemein bekannt. Sie wollten es trotzdem unter Beweis stellen, baten im Zuge dessen mit dem Subaru XV in die Gaal. Und es was tapfer, das SUV. Hat auch die ganz groben Löcher und Lacken geschluckt. Nur die Bodenfreiheit und der Böschungswinkel hat einem hin und wieder zu Schaffen macht. Wäre diese allerdings höher, könnte man ja glatt von einem Geländewagen und keinem SUV mehr reden. Der dynamische Charakter würde dabei aber auch verloren gehen. So aber streckt sich das Potential des Subaru XV vom soliden Soft-Kraxler zum gemütlichen SUV, der auch Kurven nicht fürchtet.

2017 wurden in Österreich 538 Subarus neuzugelassen. Was, wenn man so im Impreza oder XV sitzt, Unverständlichkeit zu Folge hat. Die Japaner bauen gute Autos, können mit einer fabelhaften Verarbeitung und einem ausgewogenen Materialmix im Inneren überzeugen. Doch das reicht offensichtlich und leider nicht. Eine Marke muss auch immer das gewisse Extra ausstrahlen, sexy sein. Dass Subaru das kann, haben sie Jahrzehnte mit dem STI unter Beweis gestellt. Und vor gar nicht allzu langer Zeit mit dem Viziv Performance-Konzept. Vielleicht müssen sich die vielen Fans vom blauen Lack und goldenen Felgen also doch nicht gänzlich verabschieden. Dann aber bitte ohne CVT.