Germany’s Next Top Sportscar

Audi TT RS vs. BMW M2 vs. Porsche 718 Cayman S

Ob man sie jetzt sowieso vergöttert oder doch eher ein Anhänger des italienischen Charmes ist, deutsche Sportwagen haben einen exzellenten Ruf. Die Kollegen bei Drivetribe haben sich drei Modelle zur Brust genommen und sich auf die Suche nach Germany’s Next Top Sportscar gemacht. Die Teilnehmer der Konkurrenz hören auf die Namen Audi TT RS, BMW M2 und Porsche 718 Cayman S. Die vier Wettbewerbskategorien heißen Rollenprüfstand, Drag Race, Rundenzeit und…Spaß.

Text: Jakob Stantejsky

Die erste Konkurrenz ist zugleich jene, die unser Herz am wenigsten hüpfen lässt. Auf dem Rollenprüfstand werden Gewicht, Gewichtsverteilung, Pferdestärken und Drehmoment der Kandidaten mit den Werksangaben verglichen, wobei doch quasi alle Zahlen mehr oder weniger leicht abweichen. Mit dem Ziffernsalat wollen wir uns aber gar nicht abgeben, beschränken wir uns doch auf das Wesentliche: Der Porsche ist am leichtesten, der BMW am schwersten. Dafür hat letzterer die 50:50-Traumgewichtsverteilung, der Audi entwischt den Konkurrenten in Punkto PS deutlich und der Cayman hat am wenigsten Newtonmeter drauf. Die vielleicht wichtigste Info zu guter Letzt: Der TT verteilt als einziges Auto seine Kraft auf alle vier Räder. Ob das in den kommenden Tests ein Vor- oder Nachteil ist, wird sich zeigen.

Aha, gleich in der nächsten Kategorie stellt sich der Allradantrieb des TT RS (erwartbarer Weise) als massiver Vorteil heraus. Gemeinsam mit dem Plus an Pferden unter der Haube sorgt der dafür, dass der Münchner und der Zuffenhausener sich eine Tätschen aus Ingolstadt abholen dürfen. Sogar eine relativ massive, denn der Audi bringt viel Luft zwischen sich und die Verfolger. Bei 30 mp/h (ca. 48 km/h) steht es noch 1,5 Sekunden zu 1,9 zu 1,9 (TT – M2 – Cayman), bei 60 mp/h (ca. 97 km/h) schon 3,5 zu 4,6 zu 4,6. Bei 100 Meilen pro Stunde (ca. 161 km/h) fällt der BMW dann nochmal deutlich weiter ab und die Zeittafel zeigt 8,6 zu 10,7 zu 9,8 an. Noch ärger wird es für den Münchner bei 130 mp/h (ca. 209 km/h), wo er mit seinen 18,5 Sekunden endgültig den Anschluss an die 16,3 des Cayman verliert, der wiederum den Abstand zu den 14,9 Sekunden des Allradler relativ konstant halten kann.

Klarer Sieger ist also der Audi, wobei er bei höheren Geschwindigkeiten zumindest auf den Porsche nur mehr einzelne Zehntel herausholen kann.

Auch in der nächsten Runde kann der M2 nicht mit der Konkurrenz mithalten. Runde ist dabei der perfekte Begriff, denn es geht darum, eine selbige möglichst schnell auf dem Anglesey Circuit zu absolvieren. Hier setzt sich die Leichtigkeit des Seins im Porsche 718 Cayman S durch, der die Umrundung der Strecke über eineinhalb Sekunden schneller als seine Landsleute auf den Asphalt knallt. 1:39,03 benötigt der Zuffenhausener, während seine bayrischen Kollegen mit 1:40,57 und 1:40,68 – Audi und BMW respektive – da doch ganz schön alt ausschauen.

Der Fahrer sieht das Problem des eigentlich stärkeren TT RS sogar genau in dessen Allradantrieb, da der nicht so tut, wie er das gerne hätte und somit Auto und Pilot ein wenig auszubremsen scheint. In diesem Fall erweist sich die Vierbeinigkeit also durchaus als Nachteil und kostet den Ingolstädter einen eventuellen zweiten Punkt. Beim M2 werden die Bremsen heftig bemängelt, was uns bei einer Performancemarke wie der M GmbH doch sehr überrascht.

Dass der arme TT RS zusätzlich zu seinem Allradantrieb auch noch trockenen Boden mit auf den Weg bekommt, ist ein unglücklicher Zufall, denn so wird es natürlich zur massiven Herausforderung, dem Auto tatsächlich ordentlich Rutscherei zu entlocken. Ganz offenbar wäre die Möglichkeit vorhanden, aber im Vergleich zum M2 ist dazu so viel Konzentration und fast schon Rangelei mit dem Fahrzeug nötig, dass der Audi sich in dieser Disziplin nicht durchsetzen kann. Der BMW hingegen mutiert im Spaßmodus – noch dazu auf nasser Strecke – zur wahren Erleuchtung und wirkt fast wie der sichere Sieger. Bis der Porsche auf trockenem Untergrund daherkommt und dennoch mindestens genausoviel Spaß verströmt. Hinzu kommt, dass das Chassis des reinen Sportwagens Cayman S einfach besser dazu geeignet ist, den Flausen im Kopf ein wenig Auslauf zu geben. Auch wenn der Vierzylinder reichlich fad daherkommt, ist dem Schwaben sein zweiter Punkt nicht mehr zu nehmen.

Da es sich bei allen Autos um erstklassige Erzeugnisse handelt und wir den M2 nicht so blöd als Einzigen punktelos dastehen lassen wollen, vergeben wir jetzt auch noch einen Zähler: Der Münchner belegt locker den ersten Platz, wenn es darum geht, welcher der drei Kandidaten die höchste Alltagstauglichkeit mit Sportlichkeit verbindet. Denn sowohl der Cayman als auch der TT bieten in allen Belangen deutlich weniger Platz und tun sich damit natürlich leichter, in den vernunftsbefreiten Bereichen davonzubrausen.