Kein SUV-Einheitsbrei

Der BMW X2 macht es anders

Manchmal, in schwachen Momenten, überkommt mich das Gefühl, dass es schon mehr SUVs als sonst irgendwelche Autos gibt und dann möchte ich gern einfach nur schreien. Vor allem, weil die Mehrheit dieser gelände(un)tauglichen Automobile sich fast völlig gleicht. Doch jetzt kommt der BMW X2 um die Ecke und entlockt mir sogar ein verschmitztes Grinsen. Denn dieser Bayer macht es anders.

Text: Jakob Stantejsky

Es ist eh super, dass es Autos gibt, die um jeden Liter Kofferraumfassungsvermögen kämpfen. Es ist noch superer, dass es Autos gibt, die ihren Insassen jeden Zentimeter Kopf- und Beinfreiheit gönnen, der sich nur irgend finden lässt. Und am supersten ist sowieso, dass es SUVs gibt, die diese Ideale mit angenehm erhöhter Sitzposition und besserer Geländetauglichkeit für den Fall des Falles vereinen. Versteht mich nicht falsch, ich will solch praxisbezogenen Vehikeln überhaupt nicht ihre Berechtigung absprechen. Aber wenn ich mir jetzt sofort einen fahrbaren Untersatz kaufen müsste, läge mein Fokus auf Emotion, die bei all dem Gemurkse leider immer öfter zu kurz kommt. Klar, Komfort ist schon auch wichtig, aber unbequeme PKW per se gibt es heutzutage eh kaum noch. In diesem Sinne baut BMW jetzt das perfekte Auto für die moderne, SUV-versessene Zeit.

Denn der neue X2 gehört zwar technisch zu diesen hochbeinigen Praxistauglichkeitsjunkies, doch seine Werte liegen ganz woanders und das zeigt er offen und sogar stolz. Bei den Bayern gibt man unverhohlen zu, dass bei diesem Auto die Funktion der Form gefolgt ist. Die abfallende Dachlinie raubt Kopffreiheit wie nur, das coupéformbedingte schmale Heckfenster bietet nicht wirklich einen berauschenden Ausblick und aus dem Kofferraum hätte man mit entsprechender Priorisierung sicher noch den einen oder anderen Liter herausholen können. Aber das ist in München egal gewesen, denn der X2 sollte etwas anders machen und SUV und Coupé in Einklang bringen – ohne Kompromisse. Da passt es, dass BMW seit langer Zeit mal wieder das Firmenlogo auf die C-Säule klatscht, wie es früher bei Coupés des Hauses üblich war.

Wie steht der X2 also da im Vergleich zum engsten Verwandten, dem BMW X1? 79 Millimeter kürzer, 72 Millimeter niedriger, 10 Millimeter weniger Bodenfreiheit, aber 3 Millimeter breiter. Dank dieser Zahlen ist das SUV-Coupé optisch deutlich bulliger, dynamischer, aggressiver und vor allem: sexier! Noch eine Zahl gibt übrigens Anlass zur Freude – denn das Upgrade zum Oberstyler kostet nur 2.100 Euro. Das ist die Differenz zwischen X1 und X2 mit jeweils dem sDrive 18d inklusive Schaltgetriebe und 150 PS unter der Haube. Ein Schnäppchen ist Zweiterer mit 36.600 Euro in Münchner Tradition natürlich nicht, aber mich persönlich hat der Preisunterschied doch positiv überrascht. Apropos Motor, in dieser Hinsicht bietet BMW zurzeit drei Diesel mit 150, 190 und 231 Pferdchen, sowie zwei Benziner mit 140 und 192 Hottehüs an. Besonders gespannt wäre ich beim X2 auf eine etwaige M-Variante, die dem markigen Macker dann auch noch die standesgemäße Brutalopower verleiht.

Das soll nicht heißen, dass die anderen Versionen untermotorisiert sind! BMW steht auch beim X2 hinter dem Firmenmotto “Freude am Fahren” und hat aus dem flachen SUV (Gibt es sowas überhaupt?) einen launigen Flitzer gemacht, der jederzeit an einer ordentlichen Kurvenpartie seinen Spaß hat. Besonders mit M Sport X-Paket gibt es da dann kein Gewanke oder sonstige Geländewagen-Altlasten, sondern die Querdynamik spielt die Hauptrolle. Klar, die Geländegängigkeit leidet sicher unter all dem Fokus auf Style und Sport, aber der X2 will auch kein Offroadvehikel sein, sondern eine gelungene Neuinterpretation eines momentan sehr beliebten Trends. Gelungen ist dabei das Stichwort. Denn insgesamt ist er trotz aller Sicken, Kanten und Zackigkeit eine wirklich runde Sache.

Innen geht es es typisch BMW-ig zu, Überraschungen sucht man eher vergeblich. Alles ist am neuesten Stand, das Design ist schnörkellos, modern und versprüht irgendwie auch diesen verspielten Charme, den das ganze Auto hat. Vielleicht liegt das aber nur daran, dass man im X2 einfach ein ganz eigenes Feeling bekommt. Denn dieses Wissen im Hinterkopf, dass man gerade in einem Fahrzeug sitzt, dem Konventionen und Vernunft herzlich egal sind, verleiht einem so ein Gefühl, dass alles und auch man selbst gerade ziemlich leiwand ist. Es tut einfach gut, bei einer teuren Anschaffung wie einem fahrbaren Untersatz mal die Emotion walten zu lassen und BMW gewährt ihr wirklich sehr viel Spielraum.

Fesch, knackig, zackig und resch – der BMW X2 bietet für’s Herz einfach mehr als viele andere Alltagsautos. Das Hirn mag zwar dann den ein oder anderen Punkt finden, bei dem der Styler dafür abfällt, aber ich geb’s ganz ehrlich zu: Sogar mein Hirn hat ihn ins Herz geschlossen. Klingt widersprüchlich, aber der X2 macht’s halt eben einfach anders.