Dacia Modell-Updates

Schwimmen in Šibenik

Auf das Wetter ist kein Verlass. Aber man kann sich darauf verlassen, dass Dacia allerhand unternimmt, um mit Sandero, Sandero Stepway, Logan MCV, Duster & Co. ernst genommen und nicht (mehr) belächelt zu werden.

Text: Beatrix Keckeis-Hiller
Fotos: Dacia

Es ist einfach im Hirn drin. Unausrottbar. Süden plus Meer ist gleich Sonne und Wärme. Man glaubt einfach dran, selbst wenn man weiß, dass ein Adria-Tief herandräut. Mit Regen, mit Sturm (muss ja nicht gleich die Bora sein), mit Temperatursturz. Genau diese Rahmenbedingungen haben die Dacia-Leute erwischt, als sie uns in Šibenik vorführen und erfahren lassen wollten, dass günstig sowieso nicht billig ist und dass sie zwar preiswert bleiben, aber auch wertig sein wollen.

Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet war die Himmelsunbill an der kroatischen Adria-Küste nicht ganz so gut aber doch wieder auch nicht so schlecht. Denn bei strahlendem Sonnenschein ist leicht prahlen. Im kübelartigen Dauerregen-Guss geht’s um den Beweis der Wetterfestigkeit, von außen und von innen betrachtet. Beispiel: Wie kräftig stemmt sich ein Einliter-Dreizylinder-Benziner mit 73 PS gegen Sturzbach-artige Fahrbahn-Überflutungen. Oder: Wie gut arbeitet die Klimaanlage, sprich wie schnell fächelt sie beschlagene Scheiben wieder frei, ohne dass es einem die Kontaktlinsen aus dem Augen weht.

Dem etwas intensiver auf den Grund zu gehen, das war dem Sandero – dem ohne „Stepway“ – zugedacht, motorisiert mit besagtem neu eingeführten Einstiegsbenziner. Für die Hundert-Kilometer-Testrunde hatten die Routing-Scouter großzügige rund eineinhalb Stunden veranschlagt. Die trabte der Kleine stoisch ab, ob bergauf oder bergrunter, ob knapp am Berghang oder dicht am Meeresstrand. Wir gönnten ihm und uns wegen des Unterlass-losen Regens und mangels schützender Baumgruppen kaum eine Pause.

Entspannt mit drei Zylindern

So hörten wir entspannt bei recht moderatem Tempo dem Dreizylinder bei der Arbeit zu (das Radio hatten wir meistens abgedreht). Sein fröhliches Krähen ging weitgehend im Starkregengetrommel unter. Dank kräftiger Heizleistung stellte sich trotzdem so etwas wie Geborgenheit ein. Ein geradezu wohliges Gefühl, das offenbar entschleunigend wirkt. Der fünfte Gang wurde selten eingespannt, schnurgerade Strecken gibt’s in dieser Region sowieso kaum. Trotzdem waren wir vor der vorgegebenen Zeit am Ziel, für ein erstes Fazit.

Grundsätzlich fahren wir ja am allerliebsten Hubraumvolumens- und Leistungsstarkes. Doch hat das Führen eines Dacia etwas höchst Lebendiges an sich: Kein Wankausgleich zügelt den natürlichen Hang, sich seitwärts zu verneigen. Ist die Straße holprig, wird unmittelbar darauf reagiert. Befindlichkeits-Rückmeldungen werden nicht unterdrückt. Trotzdem gibt’s am Federungskomfort nichts zu meckern, aufgeschaukelt wird sich nicht und geholzt ebenso wenig. Klar könnte die Lenkung ein wenig exakter sein. Die Bremswirkung ist es, genau passend zum Leistungsangebot.

Man ist auf eine gewisse, durchaus angenehme, Art an die ersten eigenen Autos erinnert, als Fenster grundsätzlich per Kurbel geöffnet respektive geschlossen wurden. Obwohl die Franko-Rumänen nicht nur das – je nach Mitgift-Niveau – sondern natürlich alles besser können als die Einstiegs-Lieblinge von damals. Auch gibt es ja kein – modernes – Vehikel mehr, das mit 28 PS auskommen muss, wie etliche der zahlreichen schon recht mitgenommenen Renault R4, denen wir rund um Šibenik begegnet sind.

Was wir sonst noch feststellten: Das geliftete Gesicht des Sandero wirkt, LED-Tagfahrlicht-Signatur hin oder her, erfrischend. Der Kunststoff des neuen Lenkrads fühlt sich angenehm in den Händen an. Dass die Hupe vom Blinkerhebel in den Pralltopf versetzt wurde und die Fensterheber-Tasten von der Mittelkonsole in die Türen, das hätte nicht unbedingt sein müssen, das ist wohl einer gewissen Uniformitäts-Forderung geschuldet, der sich offenbar alle Hersteller beugen müssen. Die Aufwertung der Interieur-Materialien mit Metall-Zieraten und Stick-Logos zeigt stylische Wirkung. Die neu gestalteten Rücklichter zeigen Charakter.

Das Navigationssystem liegt in Sandero, Sandero Stepway und Logan MCV – wenn an Bord – gut im Blickfeld. Im Duster tut’s das nach wie vor nicht. Wie auch, denn der hat im Zuge der aktuellen Optik- und Technik-Auffrischungskur – für fast alle aktuellen Dacias – nur eine Doppelkupplungsgetriebe-Option (für den 110 PS-igen Diesel, in Kombination mit Frontantrieb) dazubekommen. Das macht aber nichts, denn das wird in der demnächst – in etwa einem Jahr – kommenden Generation korrigiert. Noch etwas: Der Einstiegsbenziner steht auch dem Logan MCV gut zur Figur. Für die Robust-Version des Sandero, den Stepway gibt’s die 73 Benziner-PS nicht.