C wie Cruisen

Die facegeliftete C-Klasse im Test!

Mercedes gönnt dem volumenstärksten Modell der Marke – der C-Klasse – ein umfangreiches Facelift. Zur Speerspitze der Sternen-Flotte befördert dieses den C allerdings, trotz der Wichtigkeit im Konzern, nicht. Noch nicht.

Text: Maximilian Barcelli

Die C-Klasse ist in vier Karosserievarianten zu haben und in diesen kann man sich wiederum über ein Dutzend unterschiedlicher Motoren reinklatschen. Was an und für sich eine feine Gschicht ist – weil für jeden Geschmack und jedes Portemonnaie (vorausgesetzt, mehr als 40 Riesen befinden sich darin) die Marke mit dem Stern das passende parat hat – kann sich auch ganz flott zum Overkill entwickeln. Zum Beispiel wenn du exakt drei Testfahrten Zeit hast, um alles zu erproben.

In so einem Fall muss man halt knallhart selektieren. Was wird dem Leser wichtig sein? Was eher nicht so? Und, weil eine gewisse Egozentrik möchten und können wir nicht leugnen: Was schnalzt einem selbst ein breites Lächeln ins Gesicht?

Im Daimler-Universum sind das drei kleine Buchstaben: A, M und G. Und da Mercedes eine deutsche Marke ist und nichts deutscher ist als die deutsche Autobahn (außer vielleicht Curry Wurst), gings mit dem 43er AMG, der in unserem Fall das T-Modell angemessen nach vorne hetzte, eben auf diese. Da ist so ein doppelt zwangsbeatmeter V6-Kollege halt schon äußerst souverän. 390 PS leistet das Aggregat. Und die schieben den Kombi bis zur 250er Marke mindestens so atemlos an, wie Helene Fischer durch die Nacht feiert. Dort angekommen, läuft das Mercedes-AMG C 43 4MATIC T-Modell letztendlich in den Begrenzer. Reisegeschwindigkeit erreicht, somit kommt der kleine Pascal auch noch rechtzeitig zum Fußballtraining. Wir mögen Deutschland – und zwar nicht nur dann, wenn wir sie im Fußball putzen.

Sechs Töpfe in V-Anordnung kann man aber auch mit weniger Karacho im C 400 erleben. Das „weniger Karacho“ bezieht sich gar nicht mal auf die Beschleunigung – der 400er genehmigt sich nicht einmal eine halbe Sekunden mehr von Null auf Landstraßentempo als der 43er – sondern eher auf die Akustik, die beim beherzten Tritt aufs Gas den kleinen Pascal schon mal erschrecken kann. Im AMG böllerts und röchelts. Das Ding kann ungehobelt laut werden. (Muss es bei moderater Fahrweise und mit geschlossenen Klappen aber nicht.) Der C 400 dagegen ist immer höflich und zuvorkommend, klingt satt und unaufgeregt zu gleich. Jedoch geht er, wie erwähnt, auch ordentlich ab. Besonders im Cabrio oder Coupé – wir wählten ersteres – kommt die dynamische Charakteristik des 333 PS starken Aggregats fein rüber. Doch obwohl sich der Antrieb sehen lassen darf, das Mercedes-Benz C 400 Cabrio auch vertrauenswürdig verzögert und das Handling recht direkt und rückmeldend sein kann, irgendwie will man nicht so ganz. Ruhig Gleiten (Apropos ruhig: Beeindruckend, wie leise es im geschlossenen Cabrio auch bei Geschwindigkeiten über 200 km/h zugeht. Hut ab.), gern auch mal etwas sportlicher, aber Reifen quietschen lassen? Wie pubertär! C steht halt für Cruisen.

Und das suggeriert auch die Limousine – also die Basis-C-Klasse. Die beginnt mit dem 129 PS leistenden C 160 bei 38.110 Euro. Automatik und Stein am Schädel als Ausstattung inklusive. Will man mehr Power, allerdings nur zwei anstelle von drei Litern Brennraum mit Benzin füttern, bietet sich der C 300 an. Der machte unseren flotten Dreier komplett, gönnt sich in der Limousine nur eine Sekunde mehr für den Paradesprint als der C 400 4MATIC und verbraucht immerhin etwa 1,3 Liter weniger auf 100 Kilometer Fahrt. Außer natürlich du peitscht mit 250 Sachen über die deutsche Autobahn. Auch das kann die C 300 Limousine relativ mühelos. Preislich ist man dann mit 51.000 Euro halt schon relativ weit weg vom Einstiegsmodell.

Mercedes-AMG C 43 4MATIC T-Modell, Mercedes-Benz C 400 4MATIC Cabriolet und Mercedes-Benz C 300 Limousine – mit einer Leistung von fast 1000 PS war der flotte Dreier wirklich flott. Nur: Was ist jetzt tatsächlich neu beim „umfangreichsten Update“, dem die C-Klasse jemals unterzogen wurde? Konkret sind es etwa 6500 neue Teile, die den C, ein paar Monate bevor BMW den Schleier von der neuen Generation des 3ers lüftet, fit für die Konkurrenz machen.

Klar sind die Facelift-Klassiker wie neue Leuchten oder auch die neuste Lenkrad-Generation aus Stuttgart, die für ein feines, haptisches Erlebnis sorgt, mit an Bord. Neue, moderne und effiziente Vierzylinder-Motoren inklusive 48-Volt-System sowieso. Vor allem aber tüftelte Mercedes bei der C-Klasse an der elektronischen Architektur rum und ermöglicht so digitale Instrumente. Das Widescreen-Display lässt im C allerdings dennoch auf sich warten und richtig Plaudern kann man mit dem am besten verkauften Wagen von Daimler auch noch nicht. Womit wir wieder am Anfang wären: Die Zukunftsmusik darf die kleine A-Klasse spielen. Einstweilen, zumindest.