Vor wenigen Tagen hat Philipp Stalzer Porsches Werbespot für den neuen Cayman GT4 zum Anlass genommen, sich mit dem provokanten Stichwort „Autoneid“ zu befassen. In seinen Ausführungen thematisiert er gröbere Differenzen zwischen „Automenschen“ und dem „Rest der Welt“. Diesem „Rest“ attestiert er dabei recht pauschal die Neigung, versteckten oder offenen „Autoneid“ in immer stärker werdender Form auszuleben. Ein Indiz für diese Einschätzung vermutet er etwa in zunehmenden Maßnahmen zur Schadstoffreduktion und weist zugleich auf einzelne Stimmen hin, die dahinter eine Verschwörung gegen das Automobil – natürlich gesteuert von Regierungskreisen – zu erkennen glauben und bei der Gelegenheit auch gleich den anthropogenen Treibhauseffekt leugnen.

Ich sehe aber weder einen Frontenverlauf zwischen „Automenschen“ und dem „Rest der Welt“, noch eine systematische Verschwörung gegenüber Automobilisten. Sehr wohl sehe ich aber den Bedarf, sich mit den Stichworten „Autoneid“ und „Schadstoffreduktion“ etwas ausführlicher zu befassen und Philipp Stalzers Einschätzung unter einem anderen Ansatzpunkt zu diskutieren.
Ich halte es für kurzsichtig, Leuten mit anderen Prioritäten und geringerem Verständnis für autospezifische Vergnügungen pauschal „Autoneid“ zu unterstellen. Genauso kurzsichtig wäre das – vom Kollegen zu Recht angeprangerte – Verteufeln aller Autos, die teurer oder schneller sind, als ein Golf mit 105 PS. Stalzer fordert Toleranz und „ausgewählte Freundlichkeit gegenüber Extrasteuerzahlern der Sonderklasse“, die ja „die hippen, innerstädtischen Begegnungszonen bezahlen“. In Sachen Toleranz fährt er damit aber genauso wenig einen Vorsprung heraus, wie er es schafft, den von ihm wahrgenommenen „Autoneid“ zu argumentieren.

Wir leben in einem Zeitalter, in dem es beinahe so viele unterschiedliche Lebensstile wie Menschen gibt. Dass dabei das Auto seine Rolle als kollektiv anerkanntes Symbol für Aufschwung, Freiheit und Lebensqualität verloren hat, ist naheliegend. Die vom Autor geforderte Toleranz stößt daher insofern an ihre Grenzen, als dass wir beim Fahren mit Verbrenner-Autos nicht nur jene Luft verschmutzen, die wir selbst atmen, sondern auch die Luft vom „Rest der Welt“ in Anspruch nehmen. Gerne wird in die Schadstoffdebatte eingebracht, dass andere (Industrie, Staaten) noch viel mehr Dreck in die Luft blasen, als der Autoverkehr. Als Legitimation selbst verursachter Umweltschäden sind Argumente dieser Art aber nicht ausreichend. Verständlicher wird dieses Problem vielleicht durch folgenden Vergleich:

Jemand beschädigt beim Ausparken die Tür ihres Autos. Er macht Sie darauf aufmerksam, dass die Reparatur Ihrer bereits zuvor beschädigten Stoßstange mehr kostet, als die Behebung des Schadens an der Tür. Daraufhin stört Sie der Schaden an der Tür nicht mehr. Sie verabschieden sich freundlich und fahren nach Hause. Ein eher unwahrscheinliches Szenario, oder? Also müssen durch den Verkehr verursachte Umweltschäden ebenso unabhängig von anderen Ursachen betrachtet werden, wie Sie – zu Recht – Ihre kaputte Fahrzeugtür repariert haben möchten.
Das Problem „mangelnder Toleranz“ für Autospaß hat überdies nur selten etwas mit Neid zu tun. Im Gegenteil halte ich den von Philipp Stalzer thematisierten „Autoneid“ für eine Verschwörungstheorie, die den positiven Umgang von KFZ-Enthusiasten mit Auto-Kritikern erneut erschweren wird. Der Verweis auf jenen Kommentar, in dem der anthropogene Treibhauseffekt mitsamt seiner Konsequenzen kurzerhand als „geniale Propaganda“ bezeichnet wird, macht die Sache auch nicht unbedingt einfacher.

Ich möchte an dieser Stelle aber nicht in eine Diskussion zum Thema CO2 abgleiten, sondern einfach jeder und jedem empfehlen, sich bei Gelegenheit im Berufsverkehr mit dem Rad oder zu Fuß durch eine größere Stadt zu bewegen (sehr genau kenne und hasse ich speziell die Grazer „Luftgüte“). Da wird einem schnell klar, wie brutal Auto-Abgase Mensch und Umwelt zusetzen. Im Auto mit „Bergbrise“-Wunderbaum  bekommt man davon natürlich eher wenig mit und neigt vielleicht dazu, am Schadstoffproblem zu zweifeln. In Zukunft wird man sich jedenfalls damit anfreunden müssen, dass man auch für Schäden am Allgemeingut „Luft“ aufkommen muss. Das hat nichts damit zu tun, dass uns irgendwelche Regierungen “klein und niedrig” halten wollen, oder böse Öko-Aktivisten neidvoll auf unsere „technisch perfekten“ Fahrzeuge (mit einer lächerlichen Energiebilanz) blicken und uns den Spaß beim „Ausloten von Grenzen“ (an die sich Schadstoffe übrigens nur selten halten) vermiesen wollen. Die Besteuerung von Emissionen ist eine simple Konsequenz logischer Zusammenhänge in Sachen Umweltschutz und Gerechtigkeit. Dass dabei künftig nicht nur CO2-Emissionen Diskussionsgegenstand sein werden, ist ebenso selbstverständlich, wie die Notwendigkeit des weiteren Ausbaus nachhaltiger Energiequellen. Damit die schnellen und effizienten „Stromer“ ihre Vorteile auch in großer Zahl ausspielen können. Ohne schlechtes Gewissen.

Auch ich fahre übrigens sehr gerne Auto und kann mich für so manch „irrationales“ Vehikel begeistern. Und wenn wir auch in Zukunft Autospaß haben wollen, müssen wir einen fairen, offenen und toleranten Dialog pflegen.

Stephan Schwarzinger, 25, studiert Innovation & Gesellschaft an Uni Graz und TU Graz.

Wir leben in einem Zeitalter, in dem es beinahe so viele unterschiedliche Lebensstile wie Menschen gibt. Dass dabei das Auto seine Rolle als kollektiv anerkanntes Symbol für Aufschwung, Freiheit und Lebensqualität verloren hat, ist naheliegend.

2 Antworten
  1. Christoph Wallnöfer
    Christoph Wallnöfer says:

    Ich habe ihren Artikel mit Interesse gelesen und mußte leider feststellen, daß er wie viele andere Artikel leider auch, die Problematik nicht zu Ende denkt. Natürlich mag es, gerade in Graz, der Vorzeigestadt für schlechte Luft, ein Graus sein, mit dem Fahrrad am öffentlichen Verkehr teilzunehmen. Allerdings hilft es hier auch nicht mit der großen „die bösen, bösen Autos“ Keule zu schwingen, denn nachweislich helfen die verschiedenen Fahrverbotsstufen nur begrenzt, um die Richtwerte wieder erreichen zu können, wenn in Graz wieder einmal die Grenzwerte für annehmbare Luftqualität überschritten werden.
    Vielmehr bringen hier Wetterlage, Luftdruckänderungen und vor allem eine Brise frischer Wind meist mehr.

    Weiter möchte ich hier anmerken, daß es natürlich nicht nur Wald und Wiesenluft ist, welche aus den Abgasanlagen der Fahrzeuge strömen. Allerdings sind ,wie von ihnen auch bereits erwähnt, nicht die Fahrzeuge die den größten Teil zu unserer „gesunden“ Luft beitragen. Einer der größten Produzenten für Feinstaub im städtischen Bereich ist , zum Beispiel, der gute alte Hausbrand. Das gemütliche Kaminfeuer in der Dachgeschoßwohnung des gehobenen Mittelstandes mit Öko-Bewußtseins genauso, wie der seit Anfang des kalten Krieges nicht mehr gewarteten Dieselofen im Keller einer Mietskaserne. Dummerweise läßt sich solchen Leuten nicht vorschreiben, das sie ihre Heizanlagen auf den neuesten Stand zu bringen zu haben. Das Produkt Auto läßt sich da systemimmanent viel einfacher regulieren.

    Demnach wird die Luftqualität in Graz, an ungünstigen Tagen, leider weiterhin mies sein, auch wenn die Stadt zu einer einzigen großen Fußgängerzone konvertiert wird.
    Denn Schadstoffe und schlechte Luft halten sich leider nicht an Stadtgrenzen.
    Graz liegt diesbezüglich einfach unglücklich in einer Beckenlage, welche gerade im Winter, den Luftaustausch nur schwer ermöglicht.
    Wenn das Ziel der Politik also die Verbesserung der Luftqualität ist, so sehe ich ernsthaften Handlungsbedarf bei den anderen Schadstoffproduzenten. Alles andere wäre ja Schikane, oder?
    Das Auto macht sich hier zu einer einfachen Zielscheibe und dessen Sanktionierung befriedigt das Öko-bewußte Gemüt jener, deren Horizont nicht weiter als bis zur Stadtgrenze reicht.
    Denn hier kommt das Finale Problem: Elektroautos. Sie sind sauber, umweltfreundlich und ihre Besitzer zeigen, daß sie ein Herz für die Natur haben.
    Dummerweise ist das leider eine Lüge. Denn Elektroautos richten schrecklichen Schaden an der Umwelt an. Wer sich mit dem Thema Batterietechnik auseinandergesetzt hat, muß nämlich leider feststellen, das nach der Förderung der Rohstoffe für die Hochleistungsbatterien, Stichwort: seltene Erden, von einer bewohnbaren Natur leider nicht mehr viel übrig bleibt.
    Abgesehen davon, das diese Rohstoffe kreuz und quer in mehreren Stationen um die Welt geschickt werden, bis es schließlich eine fertige Batterie für ein Elektroauto ist. Bleibt Abschließend natürlich die Frage: Woher kommt der Strom für mein Elektroauto?
    Wenn er beispielsweise aus einem Braunkohlekraftwerk kommt, kann ich mit Leitungsverlust und Wirkungsgradverlust auch gleich ein konventionelles Auto fahren, denn Dreck macht auch das Kraftwerk genug. Und auch wenn man nur an Tage fährt wo der Strom aus Wasserkraft kommt, so schleppt das Elektroauto einen Rucksack an CO2 „Schulden“ mit sich mit, dessen abbezahlen je nach Nutzung Jahre in Anspruch nimmt.
    Ein reines Gewissen zu haben, nur weil man ein Elektroauto besitzt halte ich für bedenklich und zu glauben diese Problematik damit lösen zu können für sehr naiv.

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  2. Daniel Hirschböck
    Daniel Hirschböck says:

    Ich glaube ich kenne dieses „Angeber-Auto“ vom Foto! Hatte ich vor ca. 10 Jahren – ist es tatsächlich ein Porsche Boxster mit Hardtop? Das spaßige kleine Ding hat 8 Liter Benzin auf 100 km verbraucht – das ist natürlcih schon ein extremer Stinker der die Umwelt enorm belastet! Noch dazu wo solche „Funacars“ in der Regel keine 10.000 km im Jahr bewegt werden!

    Ich bin ein großer Fan vom Artikel vom Philipp Stalzer und jegliche vorgebrachte Kritik daran ist unangebracht.

    Das Kommentar von Christoph Wallnöfer das Elektroautos so schlecht sein sollen ist auch Schwachsinn. Ich „tanke“ meinen 408 PS Fisker Karma tagsüber an der hauseigenen Photovoltaikanlage, das ganze Haus läuft auf Ökostrom (100% Wasser, Solar- und Windenergie). JEDE öffentliche Ladesäule wird zu 100% mit Ökostrom betrieben. Und selbst wenn ein Elektroauto zu 100% mit Braunkohlestrom betrieben wird, ist es immer noch umweltfreundlicher als ein Diesel, da der Elektromotor einen Wirkungsgrad von fast 100% hat, der Verbrenner vielleicht 20-30%. Und auch Öl wird durch die ganze Welt transportiert, bis es dann mal bei der Tankstelle ist. Akkus die nach 10-15 Jahren für das Auto evtl. nicht mehr so gut geeignet sind da sie nur mehr die halbe Kapazität haben können nochmal so lange in Häusern als PV Puffer eingesetzt werden. Und die Produktion mit den seltenen Erden ist ein Märchen der Öllobby.

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