Miami Vice: Crocketts Ferrari unterm Hammer

Der berühmteste Testarossa der TV-Geschichte

Miami Vice: Officer James „Sonny“ Crocketts Dienst-Ferrari wird demnächst in Kalifornien versteigert. Der Startpreis für den berühmtesten, weißen Testarossa der Filmgeschichte liegt bei 1,75 Mio Dollar. Was schon einmal zu viel war …

von Franz J. Sauer

Zunächst ein kleiner geschichtlicher Abriss zur Fernsehserie und den darin vorkommenden Automobilen: Vor 30 Jahren startete die Kultserie Miami Vice in den USA und brachte den ersten Krimi im MTV-Style auf die Schirme. Neben den Hauptdarstellern Don Johnson und Philipp Michael Thomas spielten aber auch Autos eine wichtige Rolle. Sie trugen Anzüge in Pastellfarben, darunter Ruderleibchen, bewegten sich in der Drogenszene von Miami als Kieberer unerkannt, obwohl sie sich bei ihren Auftritten etwa so unauffällig gerierten wie Elefanten im Porzellanladen. Detective James Sonny Crockett und sein Partner Ricardo Rico Tubbs brachten die Generation MTV ins Krimi-Genre. Und starteten eine Kultserie, die bis heute nachhallt.

Miami Vice-Markenzeichen

Neben den bunten Anzügen mit aufgekrempelten Ärmeln, den dazupassenden Espadrilles und den schicken Sonnenbrillen wurden vor allem die Dienstfahrzeuge der streitbaren Inspektoren zu Markenzeichen. Rico Tubbs fuhr ein 64er Caddy Coupe De Ville und Sonny Crockett fuhr die bald stilbildenden Ferraris der Serie. In den ersten beiden Staffeln bis zu dessen unrühmlichen Ende als Panzerfaust-Ziel einen 1972 Daytona 365 in schwarz und danach einen weissen Testarossa. Die stimmungsvollen Verfolgungsjagden durch die Nacht zu Miami bleiben jedem Fan der Serie unvergessen, etwa jene epische Fahrt durch die nächtliche Stadt im Pilotfilm zu den Klängen von Phil Collins‘ In The Air Tonight:

Fake-Autos

Nachdem sich Ferrari Nordamerika zunächst weigerte, der Serienprodukion echte Autos zur Verfügung zu stellen, griff man auf Fakemodelle zu, die von der US-Karosseriefirma McBurnie hergestellt wurden. Die fesche Daytona-Karosserie wurde auf das Chassis einer 1981 Corvette C3 geschraubt, was man vor allem an Details wie Türgriffen dergleichen oder am Innenraum gut sehen kann. Zur Staffel 3 erklärte sich Ferrari bereit, zwei echte Testarossas zur Verfügung zu stellen, unter der Bedinung, dass der Fake-Daytona zerstört würde, was Regisseur Michael Mann zu einem unrühmlichen Ende dieses quasi live auf Sendung inspirierte:

Wirklich alle zerstört?

Auch vom Testarossa wurden Stuntcars angefertigt, diesmal auf Basis eines 73er DeTomaso Pantera. Auch dieses Auto wurde nach dem Ende der Dreharbeiten unter Aufsicht von Ferra ri Nordamerika zerstört. Von den Fake-Daytonas wurde man allerdings nicht aller habhaft, wenn man Inseraten wie diesem glauben kann. Und die Testarossas harrten die letzten 30 Jahre über in nordamerikansichen Garagen ihr Altenteil aus. Bis sie nun wieder ans Tageslicht und gleich unter den Hammer gerollt werden …

Auktion in L.A.

Zunächst war der nämliche Testarossa, der dieser Tage in Kalifornien zur Auktion geboten wird, schwarz, weil er bei Nachtaufnahmen aber auch sichtbar sein sollte, ließ in Regisseur Mann weiß umlackieren (was ausserdem sowieso besser zum Style der Serie passte). Von der Konfiguration her ist das Auto ein rechter Basis-Testa, 4,9 Liter V12, 390 PS, 0-100 in 5,3 Sekunden. Ansonsten ist das nämliche Vehikel ein sehr gepflegter und vor allem kaum gefahrener Yountimer – gerade mal umgerechnet 26.ooo Kilometer stehen auf dem Tacho, schließlich blieb der Wagen seit dem Serienende 1989 bis zum Vorjahr eingelagert. Der Preis im 86er-Jahr waren damals hochschmucke 222.300 DM. Bei der letzten Auktion im Vorjahr wurde der Film-Star um 1,75 Mio Dollar angeboten.

Eine ähnlich Summe stellt man sich bei mecum wohl auch jetzt vor, ob sie diesmal erziehlt wird bleibt fraglich.