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BMW 840d Gran Coupé: (K)ein Schnäppchen

Schon 2017 überholte BMW Audi bei den neuzugelassenen Fahrzeugen innerhalb des Premiumsegments in Österreich. Seitdem residieren die Münchner auf Platz 1, was sich wohl auch 2020 nicht ändern wird. Dass ihnen das Selbstbewusstsein zu Kopf gestiegen sein könnte, lässt der Preis des BMW 8er Gran Coupés vermuten.

Einverstanden, Österreich ist nicht der Nabel der Welt und die international agierende BMW Group definiert ihre Preisgestaltung sicher nicht am Erfolg respektive Misserfolg der Marke in einem Land, das ein Drittel weniger Einwohner hat als Bayern. Ändert aber auch nichts an der Tatsache, dass das BMW 8er Gran Coupé teuer ist. Und zwar jenseits des klassischen Premiumaufschlags.

Denn während das BMW 8er Gran Coupé als 840d xDrive in der Basis 108.800 Euro kostet, ist ein zwar vergleichbarer, aber doch stärkerer Mercedes-Benz CLS 400d 4Matic um satte 18.000 Euro günstiger. Und selbst der Audi S7 TDI kostet in der Basis noch 10.000 Euro weniger, obgleich er 29 PS und 20 Nm mehr Drehmoment bietet. Ganz ehrlich: Das ist schon ein fundamentaler Unterschied, der uns auch nach dem Test noch etwas ratlos zurücklässt.

Okay, Notbremsung. Volle Kraft aufs linke Pedal, die M Sportbremsen mit 374 Millimeter großen Scheiben verzögern die zwei Tonnen imposant. Zurück an die Startlinie. Zurück zu unserer ersten Konfrontation mit dem BMW 8er Gran Coupé. Zurück zu jenem Moment, als wir uns noch nicht mit dem Preis herumgeschlagen haben. Und einfach nur beeindruckt waren.

Betörend: Die langgezogenen Heckleuchten.

Beeindruckt, von den breiten Backen. Von den weit in die Mitte des Hecks gezogenen Leuchten. Der atemberaubenden Silhoutte. Der Front, die wie ein angriffiger Haifisch ganz knapp über dem Asphalt liegt. Dazu die fantastische Lackierung mit dem klingenden Namen „Frozen Cashmere silver metallic“.

Lange Motorhaube und eine abfallende Dachlinie: Die Silhouette ist ein Traum.

BMW kann’s noch. Also schöne Autos bauen. Auffällige Autos bauen. Und zwar ohne gleich mit dem Vorschlaghammer die Front zu bearbeiten, wie beim 4er oder M3. Da ist nichts überdesignt, die Linienführung erscheint klar, logisch, harmonisch. Ob es jene Falten an der Seite sind, die in den Heckleuchten münden oder die Wölbungen auf der Motorhaube: Es passt einfach. Ist stimmig.

Kraftvoll: Die Wölbungen der Motorhaube.

Apropos Motorhaube: Unter dieser werkelt die wohl erste Wahl für jene, die das 8er Gran Coupé mehr als Gran Turismo denn als Sportlimousine verstehen: Der selbstzündende 3-Liter-Reihensechser mit doppelter Turboaufladung. Wer unsere Testberichte über den 330d Touring oder das 840d Cabrio gelesen hat, dem erzählen wir jetzt zwar nichts neues. Dennoch: Dieser Motor ist phänomenal.

Der selbstzündende Reihensechser ist ein wirklich großartiger Motor.

Während er positive Diesel-Eigenschaften behält, treibt BMW ihm die klassischen Schwachstellen eines Selbstzünders aus, wie Pater Merrin und Karras der kleinen Regan den Teufel austreiben. So brummt das Triebwerk basslastig vor sich hin und erinnert keineswegs an einen Traktor. Da dürfte auch ein bisserl mit Sound über die Boxen (großartige Bowers & Wilkins für weniger großartige 4.750 Euro netto) nachgeholfen worden sein, aber sehr dezent, beinahe unmerkbar. Gleichzeitig ist die Dreiliter-Maschine eine Drehmoment-Grube, in der sich 680 Newtonmeter verstecken und einen herrlichen Durchzug ermöglichen.

Besten Sound und hohen Geldverlust garantiert die Bowers & Wilkins-Soundanlage.

Vom Stand aus marschiert das BMW 840d xDrive Gran Coupé nicht minder imposant: 5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h ist ein Wert, der vor nicht allzu langer Zeit Sportwagen, wie dem Porsche 911, vorenthalten war. Heute zaubert sowas eine 2-Tonnen schwere Limousine mit Dieselaggregat aufs Parkett.

Eine typisch-positive Eigenschaft des Selbstzünders ist der Verbrauch: Die offiziellen 5,9 bis 6,3 Liter pro 100 Kilometer des 840d sind zwar etwas utopisch, deutlich unter acht Liter sind aber auch ohne Großmutter Grete-Fahrweise locker drin. Überaus solide für ein zwei Tonnen schweres Fahrzeug mit 320 PS. Übertragen werden diese Pferdchen übrigens von der achtgängigen ZF-Automatik. Sie erlaubt sich keine Fehler.

Fehler machen sich auch beim Fahrverhalten nicht bemerkbar. Das bereits angesprochene Gewicht wird dank des großartigen Fahrwerks so gut wie wegretuschiert. Genauso wie die Länge von 5,082 Metern. Dafür sorgt die Hinterachs-Lenkung, die das 8er Gran Coupé wendiger macht, als man es ihm ansehen würde. Allerdings führt sie auch zu einem etwas unlogischen Lenkverhalten, an das man sich aber schnell gewöhnt. Und auch gewöhnen muss: Abgesehen vom M8 ist die aktive Integrallenkung bei den xDrive-Modellen der 8er-Reihe serienmäßig mit an Bord.

Serienmäßig mit an Bord sind auch die volldigitalen Instrumente im Innenraum. Auch, wenn dieser unseren (oder besser gesagt: meinen) subjektiven Geschmack grundsätzlich nicht so trifft, weil sich etwa keine Zierleiste zum Beifahrer hin zieht und das Cockpit optisch breiter wirken lässt, ist die Verarbeitung wie auch die verwendeten Materialien natürlich oberste Liga. Objektiv gesehen wollte BMW das Interieur eben mehr Fahrer-fokussiert als etwa bei einem 5er gestalten. Das ist gelungen. Genauso wie alles andere an diesem Auto.

Das Interieur-Layout ist Fahrer-orientiert.

Ein schöner Schlusssatz. Und eigentlich würden wir jetzt auch gerne mit dem Test abschließen. Einfach vergessen, was wir am Anfang angesprochen haben. Glücklich ins Bett fallen. Von den sexy Kurven des … ähhhm … 8er Gran Coupés träumen. Können wir aber nicht.

Die feinen Materialien sind bestens verarbeitet.

Ja, der Preis. In der Basis kostet unser Testwagen 108.800 Euro. Immerhin: 2021 sinkt der Einstiegspreis auf 107.750 Euro – und das, obwohl der 840d dann stärker und mildhybridisiert sein wird. Bei unserem Testwagen ohne 48-Volt-Bordnetz, dafür mit All-you-can-eat-Ausstattung kommen noch rund 45.000 Euro für Extras hinzu, sodass sich der Gesamtpreis bei 153.583 Euro einpendelt.

Großer Hai, tam tam …

Wir haben es schon angekündigt: Völlig relativieren lässt sich das nicht, besonders mit Blick auf die Preise von Mercedes CLS und Audi A7. In ein etwas besseres Licht rücken aber schon: Und zwar, wenn man als Vergleichsmodell nicht A7 oder CLS heranzieht, sondern den – auch optisch in eine ähnlichere Kerbe einschlagenden – Mercedes-AMG GT 4-Türer. Gut, den gibt’s nicht als Diesel. Aber als 43er-Einstiegsmodell mit Reihensechser, 367 PS (plus 22 Elektro-Pferdchen) und Hinterradantrieb. Und zwar für mindestens 109.930 Euro.

Das vergleichbare BMW 840i Gran Coupé leistet zwar „nur“ 340 PS und hinkt dem AMG auch beim Paradesprint um zwei Zehntel hinterher, ist aber um 7.000 Euro günstiger. Von dem Standpunkt aus gesehen also ein echtes Schnäppchen.

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Maximilian Barcelli

Bei 7.000 Touren beginnt der Spaß für den mehr begeisterten denn begnadeten Autofahrer.

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