Tiefflieger mit Flair

Das BMW i8 Coupé im Test

Als BMW 2009 auf der IAA den i8 als Konzept enthüllte und auch noch ankündigte, ihn schon vier Jahre später in Serie bringen zu wollen, war die Aufregung groß. Denn gerade von einer Traditionsmarke wie den Bayern hatte man sich in einer Zeit, als noch nicht jeder Hersteller laufend futuristische Elektrostudien präsentierte, solch ein Fahrzeug nicht erwartet. Mittlerweile hat der i8 fest Fuß gefasst in der Autowelt und wir haben die neueste Version des Plug-in-Hybrid-Boliden getestet.

Text: Jakob Stantejsky

Das Design des BMW i8 ist eigentlich auch für heutige Verhältnisse ziemlich progressiv und abgehoben, aber irgendwie hat man sich daran gewöhnt. Denn auch wenn der Hybridracer nie ein Volumensmodell sein wird, man kann ihn doch schon das eine oder andere Mal in freier Wildbahn erblicken. Außerdem funktioniert der Look halt einfach. Wo manch asiatischer Hersteller mit seinen spacigen Formen eher für Entsetzen sorgt, haben die Münchner mit dem i8 die Idee des Raumschiffs auf Rädern perfekt umgesetzt. Besonders von vorne bleibt der Tiefflieger zweifellos ein BMW, nur eben neu interpretiert. Die fließenden, fetzigen Formen an der Seite, die sehr eigenwilligen hinteren Radkästen im Verbund mit den Flügeln über den Heckleuchten – an und für sich könnte das alles schnell zu viel werden, aber bei diesem Auto haben es die Designer geschafft, ein schlüssiges Gesamtkunstwerk zu schaffen. Mir taugt’s, wie ihr wahrscheinlich schon observiert habt.

Im Interieur geht es übrigens deutlich gesitteter zu, abgesehen von ein paar flotten Linien am Armaturenbrett und extraflashigen digitalen Instrumenten sitzt man wie in jedem anderen BMW – also ganz wunderbar. Der Hit schlechthin ist übrigens sowieso zwischen außen und innen zu finden, nämlich beim Einsteigen: Der i8 hat Flügeltüren und die bescheren einem nicht nur bei jeder Benützung einen Haufen neidischer, belustigter, erstaunter und begeisterter Blicke (vor allem Kinder kriegen sich kaum mehr ein), sondern machen auch mir selbst jedes Mal eine Menge Spaß. Nie hat Ein- und Aussteigen so viel Spaß gemacht, ich bin sowieso für Flügeltüren an allen Autos! Ab sofort!

Lassen wir nun aber die Eitelkeiten fahren und schreiten fort zu selbiger Tätigkeit. Unter dem feschen Blechkleid des i8 Coupés verbergen sich zwei Motoren, nämlich ein Benziner mit drei Zylindern und ein Elektromotor. Aus den drei Töpfen des Ottoaggregats kitzelt BMW erstaunliche 231 PS, während die Stromabteilung bis zu 143 Pferde beisteuert – ergibt also nach Adam Riese 374 Hottehüs Systemleistung. Wahre Supersportlerzahlen sind das nicht, aber dank der allzeit zu hundert Prozent spontan bereitstehenden Kraft des E-Motors entfaltet der i8 einen ordentlichen Punch, der auch die 1.610 Kilogramm Hybridauto schön flugs in Wallung versetzt. Auf der Landstraße habe ich dementsprechend eine riesige Gaudi mit dem Bayern, der wie eine Flunder auf dem Asphalt klebt und sich herrlich durch die Gegend zirkeln lässt. Ein besonderes Lob geht bei dieser Gelegenheit an das Headup-Display, das im Sportmodus eine gescheite Gang- und Drehzahlanzeige einblendet, dank der man trotz Automatik immer genau im Blick hat, was gerade Sache ist.

Das vollautomatische Zusammenspiel zwischen Benziner, Stromer erfolgt unmerklich und perfekt. Mal schieben sie zu zweit an, dann nur der Ottomotor, dann rekuperiert die Batterie wieder … es ist eine Freude, zuzuschauen. Und der BMW i8 ist möglicherweise das einzige Auto, das beim Fetzen auftankt – zumindest Strom. Denn da bei rasanter Fahrweise ja auch öfter mal zünftig auf die Bremse gestiegen wird, füllt sich die Batterieanzeige innerhalb weniger Minuten locker halb auf. Vor allem, wenn es bergab geht. „Ich geh mal kurz haatzen, um die Batterie aufzuladen!“, ist also in diesem Auto eine legitime Aussage. Herrlich, nicht wahr?

Der BMW i8 Coupé ist übrigens im Besitz von ganzen vier Sitzen, wenngleich der Einstieg nach hinten schon recht umständlich ausfällt. Zugegeben, nicht mal vorne steigt es sich besonders elegant ein. Aber ein feuchtfröhlicher Abend mit der Familie, bei der natürlich nur der Fahrer (also ich, juhu) nüchtern blieb, kann nicht komischer enden, als wenn sich zwei Personen hinten in den i8 quetschen müssen und dabei vor Lachkrämpfen kaum mehr oben von unten unterscheiden können. Die Fahrt selbst verkommt dank der nicht vorhandenen Kniefreiheit, der Kopffreiheit, die bei Menschen mit 1,65 ihr Ende findet und der sportlich-harten Federung zu einer Kabarettshow, die nur von gelegentlichen Stoß- und Schmerzenslauten unterbrochen wird. Für längere Fahrten empfiehlt sich die Rückbank des i8 also wirklich nur für Kinder. Ist bei so einem Auto allerdings auch völlig okay und lustiger hat man es in keinem anderen Fahrzeug zu viert. Vor allem, wenn man die verzweifelten Hinterbänkler dann bei ihren Ausstiegsversuchen beobachten darf…

Großer Familienspaß, noch größerer Fahrspaß und eine diebische Freude bei der Flanierfahrt durch die Stadt – der BMW i8 ist wirklich eine verdammt coole Socke. Das man mit dem Hybridsportler sogar recht ökonomisch unterwegs sein kann, ist ein weiteres Plus in Punkto Alltagstauglichkeit. Tatsächlich könnte ich mir vorstellen, mit diesem Auto jeden Tag unterwegs zu sein – jetzt rein vom Komfort her. Bis man die 146.100 Euro Listenpreis jedoch durch Sparsamkeit im Vergleich zu anderen Sportwagen wieder hereingeholt hat, vergeht leider definitiv eine Menge Zeit. Aber wir brauchen doch alle unsere Ziele, nicht wahr? So viel Flair wie der i8 versprühen definitiv die wenigsten Autos. In ein paar Wochen beehrt übrigens schon der Nächste unseren Fuhrpark. Dann geht es Anfang November aber oben ohne in die City, im neuen BMW i8 Roadster. Ich freu mich schon drauf!