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Fiat 600e: Noch mehr Dolce Vita

Fiat hat sich im Laufe der letzten Jahre ein klares Image geschaffen. Man will nicht mehr die Volumensmarke für alles von A bis Z sein, sondern ganz dezidiert Dolce Vita im (phyisch) kleinen Maßstab anbieten. Der Fiat 600e bringt die frische Verve des 500 nun ins B-Segment und startet dabei als Elektriker.

Fotos: Oliver H Photo 2024

Zwar folgen in rund einem halben Jahr noch zwei Mild-Hybriden für einen größeren Bewegungsradius und einen kleineren Einstiegspreis, doch der 600e ist zweifellos das Flaggschiff der Modellreihe. Optisch bleibt er natürlich ganz eng am elektrischen Cinquecento, besonders die Leuchten vorne wie hinten erkennt man mühelos wieder. Die Silhouette hingegen unterscheidet sich allein schon aufgrund des Längenvorteils von rund einem halben Meter deutlich, schließlich misst der 600e 4,17 Meter. Wie alle Elektroautos liegt auch er nicht ganz so flach auf der Straße und versprüht somit leichte SUV-Vibes, ohne aber aufgesetzt auf Offroad zu tun. Die Sitzposition ist jedenfalls angenehm hoch, aber man wähnt sich dennoch in einem wendigen Kleinwagen.

Kein Wunder, schließlich sitzt man ja auch in einem. Das E-Aggregat im Fiat 600e leistet 156 PS und lässt den Italiener in neun Sekunden auf Landstraßentempo schnellen. Stromer-typisch geht es vor allem bis 50, 60 km/h richtig flott. 2,56 Meter Radstand sind bei den geringen Außenmaßen zwar beachtlich, für einen Pkw aber immer noch sehr kompakt. Daher geht der 600e launig um die noch so enge Kurve, da auch das an sich gutmütige Fahrwerk brav mitspielt. Ihn als sportlich zu bezeichnen, wäre sicherlich übertrieben, doch eine gewisse Fahrfreude kann man ihm nicht absprechen. Lediglich die Lenkung ist eindeutig eher auf Citybetrieb statt auf Querdynamik ausgelegt und deshalb bei engagiertem Fahren etwas zu leichtgängig.

Davon abgesehen macht der Fiat 600e aber auch überland gute Figur. Selbst bei höherem Tempo liegt er komfortabel auf der Straße und die Reichweite spielt auch ordentlich mit. Knapp über 400 Kilometer sind es laut WLTP-Zyklus, im Test bei knapp unter null Grad und ohne Verzicht auf (Sitz-)Heizung und Sport-Modus gibt der Italiener bei Start mit 95 Prozent Batteriestand 380 Kilometer an, nach der knapp 70 Kilometer langen Ausfahrt sind es 74 Prozent Batteriestand und knapp unter 300 Kilometer Restreichweite. Angesichts der winterlichen Verhältnisse und des zurückhaltungsfreien Fahrstils ein wirklich ordentliches Ergebnis. Zugegeben: Autobahn war nicht dabei, das muss in einem ausführlicheren Test erst erfahren werden.

Kommt das Ambiente mit dem sonst guten ersten Eindruck mit? Das hängt natürlich auch von der gewählten Ausstattungsvariante ab. Davon gibt es genau zwei und abgesehen von Lackierungen war es das auch mit dem Extra-Katalog des Fiat 600e. Das ist sehr simpel und sympathisch, weil auch die Basis-Variante Red schon ordentlich daherkommt. Mit La Prima ist dann wirklich alles dabei, was man sich in einem Kleinwagen nur wünschen kann, von den bequemen Ledersitzen samt Massagefunktion beim Fahrer bis hin zum TomTom-Navi auf dem 10,25 Zoll großen Infotainment-Touchscreen. Wer die 6.000 Euro Aufpreis nicht berappen möchte, bekommt aber auch im 600e Red die volle Smartphone-Konnektivität und kann seinem Fiat somit quasi per Fernsteuerung Navi und alle anderen Annehmlichkeiten verpassen.

Sonst wird das erfreulich luftige Cockpit des 600e von großzügigen Ablagen dominiert, die gut zum klassenbesten Kofferraum mit seinen 360 Litern Stauraum passen. Auch auf der Rückbank sitzt man ganz gemütlich, solange die eigene Körperlänge nicht ausufert. Die Hintertüren sind allerdings relativ schmal ausgeschnitten – was recht normal für ein Auto dieser Größe ist. In der La Prima-Version kommt jedenfalls ein sehr wertiges Feeling auf, das allerdings mit 42.000 Euro auch bezahlt werden möchte. Nach Abzug der Förderung von 5.000 Euro und bei Finanzierung über die hauseigene Bank bleiben unterm Strich noch 35.100 Euro übrig – immer weit entfernt von einem Schnäppchen für einen Kleinwagen. Das wird bei den Mild-Hybriden definitiv anders werden, hier ist mit einem Einstieg zwischen 25.000 und 27.000 Euro zu rechnen.

Fiat will auch mit dem 600e Dolce Vita wieder groß schreiben und legt den Fokus klar auf Ambiente und Wertigkeit. Da steigt natürlich auch der Preis, die Zeiten von Preis-Leistungs-Schnäppchen wie dem Tipo ist offensichtlich vorbei. Zumindest fürs Erste. Denn in den kommenden Jahren wird Fiat jährlich ein neues Modell bringen, beschränkt sich dabei aber größtenfalls aufs C-Segment. Was da noch alles auf uns zukommt, darf mit Neugier erwartet werden. Ihre Identität, die sie mit dem neuen 500 schon gefunden haben, bauen die Italiener mit dem 600e nun aber zielsicher aus. Wer auf mediterranen Stil, coole Features und ein hochwertiges Kleinwagen-Fahrgefühl steht, bekommt mit dem 600e ein rundes Gesamtpaket, das für Liebhaber seinen Preis zweifellos wert ist. Fest steht aber auch, dass Elektroautos niemals günstig sind. Und wenn doch, bieten sie in puncto Komfort und Style nur das Allernötigste. Das kommt für den Fiat 600e und seinen Dolce Vita-Ansatz nicht in Frage.

Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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