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Das Jaguar XE Facelift

Bloß kein Katzenjammer: Zwar ist der Jaguar XE weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben und konnte sich in der Mittelklasse nie so recht gegen die Übermacht aus dem deutschen Süden behaupten. Schließlich hat Jaguar im letzten Jahr in Deutschland gerade mal 1.100 Autos zugelassen und damit in einem Jahr kaum mehr geschafft als Audio mit dem A4, BMW mit dem Dreier oder Mercedes mit der C-Klasse in einer guten Woche. Doch die Briten geben nicht klein bei und melden sich jetzt mit einem gründlichen Update für ihr Business-Modell zurück.

Von Thomas Geiger

Wenn im Mai zu Preisen ab 43.600 Euro der überarbeitete XE zu den Händlern kommt, gibt es deshalb nicht nur eine frisch retuschierte Front mit größerem Grill, schmaleren Scheinwerfern und serienmäßiger LED-Technik sowie neuen Rückleuchten, sondern vor allem ein komplett neues Innenleben und deutlich mehr Elektronik.

So gibt es im Cockpit jetzt nicht nur vornehmere Materialien und neue Türkonsolen mit ergonomischeren Griffen und größeren Ablagen, sondern vor allem locken hinter dem Lenkrad ein großer Bildschirm und in der Mittelkonsole das doppelte Display aus dem elektrischen iPace, das viele Knöpfe überflüssig macht. Und damit man selbst darauf nicht mehr so viel fingern muss, bringen die Briten der Elektronik das Denken bei: Sie lernt den Fahrer und seine Vorlieben kennen und stellt wichtige Parameter einfach automatisch ein.

Dazu gibt’s zahlreiche Extras jetzt schon als Standard: 14-fach verstellbare Ledersitze, LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten, vordere und hintere Einparkhilfen, eine Rückfahrkamera und ein Spurhalteassistent mit Aufmerksamkeitsassistent sind deshalb jetzt immer an Bord. Außerdem haben die Briten vom neuen Evoque ein Extra übernommen, das für 600 Euro Aufpreis nicht nur der Rücksicht, sondern auch dem Selbstbewusstsein dienen könnte: Den Clear-Sight-Smart-View-Mirror, der beim Blick zurück elektronisch all das ausblendet, was die Sicht behindert. Wenn das nur auch mit der Konkurrenz und den Zulassungszahlen gelingen würde.

Während sich am Ambiente und der Ausstattung reichlich was getan hat, halten sich die Änderungen beim Antrieb in engen Grenzen. Denn es gibt den XE nicht mit den neuen Mild-Hybrid-Motoren aus dem neuen Evoque, sondern weiterhin mit den bekannten, lediglich im Detail optimierten Aggregaten. Nur, dass Jaguar die Auswahl deutlich zusammengestrichen hat und sich fürs erste auf einen 2,0-Liter-Vierzylinder beschränkt, der immer mit einer Achtgang-Automatik angeboten wird. Den gibt es als Diesel mit 180 PS und 430 Nm sowie auf Wunsch mit Allrad oder als Benziner mit 250 PS und Front- oder mit 300 PS und serienmäßigem Allradantrieb. Damit sind Geschwindigkeiten zwischen 228 und 250 km/h möglich und der Verbrauch liegt auf dem Prüfstand zwischen 4,9 Litern Diesel und 7,5 Litern Benzin.

Egal, ob man mit dem Diesel unterwegs ist oder mit dem starken Benziner – immer erweist sich der XE als ausgeprägtes Fahrerauto, das sich handlich und engagiert bewegen lässt. Mit seiner weitgehend aus Aluminium gefertigten Karosserie leichter als die meisten Konkurrenten, stramm abgestimmt und auf Wunsch auch mit adaptiven Dämpfern ausgestattet, lässt er auch deutlich neuere Autos ganz schön alt aussehen und kommt selbst dem Münchner Garant für Fahrfreude in seiner neuesten Auflage überraschend nahe.

Wer das auskostet, den Schreibtisch mal Schreibtisch sein lässt und sich von der Autobahn fernhält, der lernt noch einen weiteren Vorzug der Modellpflege schätzen: Das Comeback des Schaltknüppels anstelle des bisherigen Drehrades. Schließlich vermittelt der einem das Gefühl, das Auto jetzt buchstäblich noch besser in der Hand zu haben.