Mazda3 mit Skyactiv-X-Technologie

Das Beste aus zwei Welten?

Mazda geht mal wieder seinen eigenen Weg: Während alle Welt an der Elektrifizierung des Antriebs arbeitet und schon den Abgesang auf den Verbrenner anstimmt, zetteln die Japaner mit dem Skyactiv-X jetzt noch einmal eine Revolution des Hubkolbenmotors an.

Von Thomas Geiger

Denn als erster und auf absehbare Zeit wohl auch einziger Hersteller haben sie nun tatsächlich den so genannte Diesotto-Motor in Serie gebracht – einen Benziner, dessen Treibstoffgemisch sich wie bei einem Dieselmotor durch die Kraft der Kompression selbst entzündet und dann noch effizienter verbrennt. „So vereinen wir das Beste aus zwei Welten“, sagt Ichiro Hirose mit Blick auf die hohen Drehzahlen und das spontane Ansprechverhalten auf der einen und das hohe Drehmoment sowie den niedrigen Verbrauch auf der anderen Seite. „Das ist es, was wir Ingenieure als Crossover-Technik verstehen“, sagt einer der Entwickler und erklärt so auch den Namen: Skyactiv-X. Der prangt ab September zu Preisen ab 26.990 Euro auf dem Heckdeckel des Mazda3 und findet wenig später seinen Weg auch an den neuen kompakten Geländegänger CX-30.

Unter der Haube arbeitet dann ein 2,0-Liter großer Vierzylinder mit immerhin 180 PS und 224 Nm, der mit einem extrem hohen Aufwand zur Selbstzündung bewegt wird – übrigens mit Hilfe einer Zündkerze. Dazu nutzt Mazda eine spezielle Kraftstoffeinspritzung, die zwei unterschiedliche Kraftstoff-Luft-Gemische innerhalb des Brennraums erzeugt.

Im ersten Schritt wird ein homogen mageres Gemisch mit hohem Luftanteil für eine magere Verbrennung beim Ansaugen der Verbrennungsluft gebildet. Während des Verdichtungstaktes erfolgt dann eine zweite Kraftstoff-Einspritzung, die in einem kleinen Bereich direkt an der Zündkerze ein fetteres Gemisch erzeugt. Das magere Gemisch befindet sich dank des hohen Verdichtungsverhältnisses von 16,3:1 kurz vor dem Ende des Verdichtungstaktes ohnehin kurz vor einer Selbstzündung. Zum richtigen Zeitpunkt entzündet die Zündkerze nun die etwas fettere Gemischwolke in ihrer Umgebung, so dass der Duck im Brennraum weiter ansteigt. Das reicht, um das magere homogene Gemisch im gesamten Brennraum per Kompressionszündung zu verbrennen.

Klingt kompliziert, ist es auch und hat die Entwickler Jahre gekostet. Aber es zahlt sich aus – zumindest auf dem Papier. Denn zusammen mit einem Riemenstarter-Mildhybrid senkt die Kompressionszündung den Verbrauch im Schrägheck des Mazda3 auf 4,3 Liter und den CO2-Ausstoß auf 96 g/km. Der Vorteil liegt zwar nur bei 0,1 Litern und 4 g/km, „aber damit ist der Benziner sparsamer als der Diesel“, triumphiert Hirose.

Gegenüber einem konventionellen Benziner spart der Skyactive-X-Motor sogar bis zu 20 Prozent, und hat dabei zwischen zehn und 30 Prozent mehr Drehmoment, rechnen die Japaner vor. Und die Fahrleistungen können sich ebenfalls sehen lassen. Immerhin sprintet der Mazda3 damit in 8,2 Sekunden auf Tempo 100 und wo für die bisherigen Aggregate bei 197 km/h Schluss war, sind jetzt immerhin 216 Sachen drin. Vor allem aber überzeugt der Diesotto durch sein feinfühliges Ansprechen und seinen spontanen Hochlauf. Die Denkpausen, die uns so gerne von den Downsizing-Turbos aufgezwungen werden, erlaubt sich dieses Triebwerk nicht.

So effizient und engagiert der Motor allerdings sein mag, kann er die Erwartungen trotzdem nicht ganz erfüllen. Dafür fehlt ihm der Punch, den viele konventionelle Benziner und Diesel mit vergleichbarer Leistung haben – selbst wenn die natürlich unter dem Strich deutlich mehr verbrauchen. Die Sehnsucht nach dem seligen Sportmodell MPS oder einem würdigen GTI-Gegner jedenfalls kann das Triebwerk nicht eindämmen.

Und das ist nicht das einzige, womit Diesotto-Fahrer hadern werden. Das zweite „Problem“ ist, dass sie zwar knapp 3.500 Euro für die Technik mehr bezahlen, davon aber beim Fahren nur wenig mitbekommen. Denn der Motor arbeitet so unauffällig und reibungslos wie ein ganz normaler Benziner. Aber zumindest dafür haben die Japaner eine einfache Lösung gefunden und einen weiten Menüpunkt ins Infotainment programmiert: Dort kann man jetzt live verfolgen, in welchem Betrieb der Motor gerade unterwegs ist.