Kombi, baby!

Mercedes-Benz C 180 d T-Modell: Die Luft wird dünn

Für den C wird’s langsam eng: Wer auf rund 14 Zentimeter mehr Länge und 15 Liter mehr Kofferraumvolumen verzichten kann, für den gibt es keinen Grund die C-Klasse der moderneren und optional mit dem Widescreen ausgestatteten A-Klasse Limousine vorzuziehen. Fast keinen.

Text: Maximilian Barcelli

Denn der C kann etwas, das der A nicht kann – auch wenn das Modellportfolio des Baby-Benz mittlerweile schon recht beachtlich ist, aber Coupé, Cabrio, Limousine und Kombi? Fehlanzeige. Letztere Karosserievariante stattete uns als 180 d zwecks Testtänzchen einen Besuch ab. Das T-Modell fasst übrigens mit 490 Liter (auf 1.510 Liter erweiterbar) immerhin schon 70 mehr als die A-Klasse Limousine.

Antreiben tut den C 180 d ein Vierzylinder-Dieselmotor, der aus seinen 1,6 Litern Hubraum 122 PS quetscht. Erweist sich das Aggregat im Stadtverkehr als äußerst souverän, so geht dem Selbstzünder bei höheren Geschwindigkeiten doch ein wenig die Puste aus. Macht aber nix, denn wer zahlt, bestimmt die Musik – und die läuft bis 510 PS. Einen weiteren Vorteil, abgesehen vom Vermeiden des finanziellen Ruins, liefert der Sechzehnhunderter auch noch: Offiziell verbraucht dieser nämlich nur 4,3 bis 4,7 Liter Diesel. Das ist gut für die Umwelt (jedenfalls besser als der AMG C 63 S) und trägt auch wesentlich zu Vorteil Eins bei, dem Vermeiden des finanziellen Ruins.

Während A-, B-, E-, G-, und S-Klasse optional schon alle mit dem Widescreen-Cockpit ausgestattet werden können, ging die C-Klasse beim Facelift letztes Jahr leer aus. Von offizieller Seite hieß es damals, dass man den sportlichen Charakter des C beibehalten wolle. Wir meinen: Es lag wohl eher am Geld. Auf jeden Fall wäre es ziemlich überraschend, wenn beim bevorstehenden Generationenwechsel, der aller Voraussicht nach 2020 stattfindet, die C-Klasse ohne den Widescreen-Cockpit kommt.

Jedenfalls: Eingestaubt wirkt der C trotzdem noch lange nicht. Die Armaturen sind digital und ein 10,25 Zoll großes Display thront über der Mittelkonsole. Die ist übrigens großflächig in schwarzem Klavierlack gehalten – was das Interieur nicht wirklich aufwertet. Doch auch hier gilt wieder: Wer zahlt, bestimmt die Musik. Esche, Walnuss und Linde warten nur auf ihren Einsatz. Aufs Display kann man zwar nicht tapschen – also können schon, nur kommt es zu keinem Ergebnis – was aber dank der großartigen Haptik des Drehreglers kein Schaden ist. Ein paar Knopferln gibt’s sogar auch noch, die sind aber allesamt toll ins Interieur-Design integriert.

Mit dem Facelift 2018 verschaffte sich die C-Klasse wieder ein wenig Luft zum Atmen. Doch der Druck ist nicht nur interner Natur. Ein völlig neuer 3er BMW wurde erst vor wenigen Monaten präsentiert und der Audi A4 wird noch dieses Jahr einem XXL-Facelift unterzogen. 2020 kann also nicht früh genug kommen – auch, wenn der aktuelle C selbst mit Brot- und Buttermotor und einer Ausstattung, die weiter von einer Vollausstattung entfernt ist, als die Erde von UDFy-38135539 (was 30,3 Milliarden Lichtjahre wären, sagt zumindest Wikipedia), noch eine durch und durch gute Figur abgibt.