Opel Insignia Facelift: Ein letztes Mal auf GM

Opel macht sein Flaggschiff fit für den dritten Frühling. Weil der Nachfolger unter neuer Konzernregie noch nicht in Sicht ist, legt der PSA-Ableger noch einmal Hand an die alte GM-Architektur und gönnt dem Insignia ein weiteres Facelift: Zu Preisen ab 30.989 Euro für die Limousine und 31.963 Euro (D) für den Kombi gibt’s die Rüsselsheimer Antwort auf VW Passat oder Ford Mondeo ab September deshalb mit ein wenig frischer Schminke, neuen Scheinwerfern und vor allem sparsameren Motoren.

Von Thomas Geiger

Weil nicht nur Elektriker wie der Corsa oder Teilzeitstromer wie der Mokka X, sondern alle Baureihen helfen müssen, die CO2-Vorgaben zu erreichen, spendieren die Hessen ihrem Flaggschiff noch einmal eine komplett neue Antriebspalette und drücken den Verbrauch zusammen mit neuen Getrieben so um bis zu 18 Prozent:


Ihr ganzer Stolz ist dabei der 1,5-Liter-Diesel aus dem Astra. Der hat zwar nur drei Zylinder und ist damit ein Novum in dieser Baureihe, doch drückt der 122 PS starke 1,5-Liter den Verbrauch auf 3,8 Liter und den CO2-Ausstoß auf 99 g/km. Allerdings ist dann im Kombi auch schon bei 202 und in der Limousine bei 205 km/h Schluss mit lustig.

Wer es etwas weniger frugal wünscht, dem bieten die Hessen auch einen ebenfalls neuen 2,0-Liter-Diesel mit 174 PS und für die Otto-Fraktion gibt ein neuer 2,0-Liter seinen Einstand in dieser Baureihe. Mit variabler Nockenwelle und Zylinderabschaltung ebenfalls auf kleinen Durst getrimmt, steht er für die konventionellen Modelle mit 170 oder 200 PS in der Liste und ermöglicht Geschwindigkeiten bis 235 km/h.

An der Spitze rangiert weiterhin der GSI, bei dem der 2,0 Liter-Motor 230 PS leistet und entsprechend sportliche Fahrleistungen ermöglicht: Immerhin beschleunigt der ohne Gedenksekunde ansprechende Turbo mit seinen maximal 350 Nm in bestenfalls 7,4 Sekunden von 0 auf 100 und kommt auf bis zu 237 km/h. Wo  der Motor früher mit einem permanenten Allrad gekoppelt war, muss der Fahrer nun selbst eingreifen und die Kupplung zur Hinterachse auf Knopfdruck schließen, weil der Insignia dann auf dem Prüfstand als Fronttriebler unterwegs ist und wieder weniger CO2 verbraucht. Mindestens genauso wichtig ist allerdings ein zweiter Knopf – der für die Traktionskontrolle. Die lässt sich jetzt mitsamt dem ESP zumindest teilweise deaktivieren und sorgt so für ein bisschen mehr Nervenkitzel beim Fahren.

Zwar haben die Hessen den Insignia konsequent auf Sparsamkeit getrimmt, doch weil auch die Entwickler sparen mussten und nicht mehr allzu viel Geld in die alte GM-Technik investieren wollten, haben sie ein paar gängige Kniffe der Klimaschützer ausgelassen. Anders als bei den Konkurrenten Ford und VW gibt es deshalb weder einen Insignia mit Plug-In-Hybrid, noch hat Opel wenigstens einen elektrischen Startergenerator mit 48 Volt-System eingebaut.

Auch sonst hält sich der Aufwand für das Update in engen Grenzen: So gibt es zwar eine neue Rückfahrkamera, aber noch immer einen vergleichsweise kleinen Bildschirm mit eher altbackenen Grafiken, und das neue Design des Insignia erkennt man am besten bei Dunkelheit. Denn dann scheinen aus dem retuschierten Grill neue LED-Scheinwerfer, die jetzt serienmäßig eingebaut werden. Gegen Aufpreis gibt’s die auch mit Matrix-Technik und 84 einzeln ansteuerbaren Leuchtelementen pro Seite – spätestens damit erstrahlt der  Insignia dann doch noch in einem neuen Licht.

Zwar drücken die neuen Motoren nicht nur den CO2-Ausstoß und bringen Opel damit näher an die Zielvorgaben aus Brüssel, sondern sie senken auch die Betriebskosten und bringen den Insignia deshalb auf den Einkaufslisten der Fuhrparkbetreiber ein wenig weiter nach oben. Doch in einem schrumpfenden Segment mit starken Wettbewerbern wie dem VW Passat aus dem In- und dem Peugeot 508 aus dem Ausland dürfte sich das Flaggschiff der Hessen trotzdem schwertun. Da ist es umso bedauerlicher, dass Opel ausgerechnet die Variante für steinige Wege aus dem Programm genommen hat. Denn den Country Tourer wird es nach der Modellpflege nicht mehr geben.