Drive

Cupra zwischen den Zeichen der Zeit

Es ist nicht die beste Zeit für oktantriefende Sportwagen. Das liegt einerseits an der Klimathematik und andererseits an der ebenfalls immer heißeren Wirtschaftslage. Die junge Marke Cupra muss und möchte aber dennoch ihre sportlichen Wurzeln zu ihrer Identität machen – Alleinstellungsmerkmale sind wichtig. Deshalb bringt die 2018 gegründete Marke auch Autos wie den Formentor VZ5 und lässt den dann auch noch von ABT veredeln. Aber gleichzeitig soll der Born Emotion elektrisch machen. Wir haben uns mit beiden in den Ring gewagt.

Wobei es in diesem Fall eher „auf“ heißen sollte. Denn die Rede ist vom Red Bull Ring, auf dem dieser Tage die Cupra Performance Days stattfanden. Da haben die Spanier alle Geschütze aufgefahren, von ihrem ersten eigenen Auto Cupra Ateca über den Cupra Leon bis hin zu den beiden ganz eigenständigen Kollegen Formentor und Born. Die fallen vor allem auf, mit Design und je nach Version auch mit den Fahrleistungen. Die Absatzzahlen hierzulande geben Cupra mit seiner Richtung recht, mit 2,6 Prozent Marktanteil ist Österreich prozentuell gesehen sogar der stärkste Markt der Marke.

Eigentlich kein Wunder, denn die Newcomer aus Spanien setzen in einer Zeit, in der Design der Kaufgrund Nummer eins bei Pkw ist, voll auf ihren Style. So mag der Born zwar unter dem Blech engstens mit dem ID.3 verwandt sein, wirkt aber mindestens zehn mal so cool. Und er hat auch freche Extras wie den e-Boost und das deaktivierbare ESP bekommen, damit das „Cup Racing“ aus Cupra auch in einem E-Auto seine Berechtigung behält. Finanziell attraktiv und dennoch emotional, das gibt es andernorts nicht gar so oft. Der Formentor setzt zwar genauso auf Optik und Leidenschaft wie sein elektrischer Bruder, kombiniert das aber mit herkömmlichen Verbrennern – und weniger herkömmlichen Verbrennern. Dabei handelt es sich dann im VZ um den aus anderen Modellen bekannten 310 PS starken Vierzylinder oder im besten Fall sogar um den Fünfzylinder aus dem Audi RS3, der im VZ5 für 390 PS sorgt. Aber es geht noch mehr. Nämlich dann, wenn ABT im großen Stil Hand an den Formentor legt. Dann kommen bei beiden Versionen jeweils 60 PS obendrauf und die Party steigt so richtig.

Mit diesem Spektrum an Boliden geht es also auf den Red Bull Ring. Der Born stellt sich dem Handlingkurs im Infield, der Formentor will vor allem auf der Strecke bewegt werden. Also alles der Reihe nach. Ein Elektroauto auf sein Handling zu testen, hat meist mit bedingt lustigen Features wie dem einpedaligen Fahren zu tun. Wir jagen den Born in der Topversion mit der 77 kWh-Batterie samt e-Boost und mit ohne ESP durch die Slalomstangen und über den dank Dauerregen klatschnassen Rutschbelag. Auch ein kleiner Elektriker kann Freude machen, so die Botschaft. Und die kommt definitiv an. Denn nach kurzer Eingewöhnungszeit an die allzeit direkt anschlagenden 310 Nm Drehmoment und 231 PS an der Hinterachse wedelt der Born wie ein Naturtalent durch den Parcour. Zackig geht es in und aus den Kurven. Wo bei aufgedrehtem ESP noch volle Berechenbarkeit herrscht und auch das Sport-ESP leicht zu kontrollieren ist, zeigt der kleine Born ohne Fahrstabilitätshilfe seine Krallen. Er mag zwar nicht heulen und kreischen, fetzt aber gut gelaunt und agil dahin. Der tiefe Schwerpunkt dank der Akkus im Wagenboden ist hier ein echter Segen. Der Cupra Born hat es drauf und bietet in dieser Topversion ab 47.690 Euro deutlich mehr Spaß als die Konkurrenz. Auch wenn man sich das Abdrehen des ESP auf der öffentlichen Straße schenken sollte. Hier am Ring kommt richtig Freude auf.

Was der Born im Unterschied zum Formentor VZ5 nicht mit an Bord hat, ist ein dezidierter Driftmodus. Mit dem kommt man ordentlich quer, gerade die Nässe lädt zusätzlich ein dazu. Untermalt vom charakteristischen Fünfzylinder verbreitet der Formentor VZ5 so Fahrspaß in der traditionellsten Weise. Mehr auf Ideallinie und weniger auf Übersteuern geht es dann auf der Rennstrecke selbst weiter. Hier werden jetzt die ABT-Modelle verkostet. Der Formentor VZ mit ABT Leistungssteigerung kommt auf 370 PS, der ABT VZ5 reißt die Hütte mit satten 450 Rossen ab. Zusätzlich sind wir auch auf dem Standard-VZ5 mit 390 PS unterwegs. Auch wenn man die Unterschiede in der Leistung etwa beim Herausschießen aus der Kurve spürt, machen alle Modelle gleichermaßen Spaß am Gas. Als Gesamtpaket verbeißt sich der VZ5, egal ob ABT oder nicht, aber noch einen Ticken wilder in die Strecke als der VZ.

Im Laufe des Tages wechseln sich Regen und trübe Trockenheit laufend ab, der Red Bull Ring bleibt aber immer zumindest feucht. Teilweise auch klatschnass. Runde um Runde tastet man sich mit dem Formentor an die Grenze heran und im Endeffekt bleibt Begeisterung stehen. Der Grip lässt dank Allrad einen nie im Stich, man rauscht über die Curbs und katapultiert sich aus der Kurve – die nasse Oberfläche scheint kaum zu stören. Was der Formentor auf knochentrockener Strecke zu leisten vermag, wird zwangsläufig zum Gegenstand der persönlichen Neugier. Aber auch so brettert man befreit drauf los und freut sich mit jeder Runde mehr über die noch etwas gelungenere Linie. Im Kopf fahren natürlich auf dem Red Bull Ring immer die Bilder der Formel 1 mit. Und auch wenn deren Boliden unerreichbare Geschwindigkeiten aufstellen, fühlt man sich hier im Cupra Formentor VZ5 ABT doch ein ganz kleines Bisschen wie Verstappen auf dem Weg zum Sieg.

All diese Glorie hat natürlich ihren Preis. Der Formentor VZ mit 310 PS startet bei 56.640 Euro, der VZ5 mit 390 PS beginnt bei 80.600 Euro. Für die ABT-Behandlung kommt je nach Umfang des Pakets natürlich noch etwas obendrauf. Nur die Leistungssteigerung um 60 PS schlägt mit 2.390 Euro beim VZ und 4.490 Euro beim VZ5 zu Buche. Darüber hinaus gibt es noch diverse Felgen- und Komplettradsätze, Ventilkappen und Fahrwerksoptimierungen. Summa summarum bewegt man sich hier aber im Konkurrenzvergleich immer noch humanen Preisen. Und gerade das macht Cupra so sympathisch. Bei allem Fokus auf Design und Power sind die Spanier nicht abgehoben. Kein Wunder, dass die Kunden diese Herangehensweise so enthusiastisch belohnen.

Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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