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Peugeot 308: Genug gebrüllt, Löwe

Elektromobilität ist gut für den Planeten, aber schlecht für den Fahrspaß. Dieses Klischee wird zwar unter anderem dank zahlreicher monströser Plug-in-Hybride aus aller Herren Länder zunehmend zu den Akten gelegt, aber ganz ist es noch nicht aus den Köpfen verschwunden. Anhand des neuen Peugeot 308 wird aber offensichtlich, dass der Hybrid dem reinen Verbrenner inzwischen den Rang ganz ablaufen kann.

Betonung auf kann, denn nicht jeder Plug-in steht zwangsläufig für Vergnügen. Man trifft schon immer noch auf den rein zweckmäßigen Flottenemissionssenker, doch beim 308 wurde der EU-Zwang zur E-Mobility in eine Chance verwandelt. Nicht nur, dass der Teilzeitstromer mit 180 oder 225 PS mit Respektabstand die Speerspitze der neuen Generation darstellt. Sondern beim ersten Antesten und Vergleich zwischen Benzin, Diesel und Plug-in-Hybrid entpuppt sich letzterer auch insgesamt eindeutig als der Alphalöwe. Und dafür muss man 2021 eben nicht mehr brüllen. Dass sich ein Plug-in-Hybrid leise fortbewegt (solange die Batterie Saft hat), ist ja wahrlich nichts Neues mehr. Doch was im 308 sofort auffällt, ist eine Stille, die über den Motor hinausgeht. Abroll- und Windgeräusche sind kaum vernehmbar, so als wäre man ein bis zwei Klassen höher unterwegs. Na gut, aber das müssen die Verbrenner ja genauso können, oder? Prinzipiell ja, aber der Diesel tuckert permanent deutlich hörbar vor sich hin und will so gar nicht zum superschneidigen Auftritt des 308 passen. Und der Benziner hält sich vorerst zwar noch halbwegs zurück, wird unter Volllast dafür zum umso nervtötenderen Schreihals. Den Genuss der Stille erfährt man nur im Hybrid und in einem Alltagsauto wie diesem macht die Ruhe fast schon süchtig.

Ihr Mitteilungsbedürfnis haben die beiden Verbrenner sicher auch ihrem kleinen Hubraum zu verdanken und im Falle des Ottos natürlich den drei Zylindern. Die schöpfen auch nur aus 1,2 Litern und sind mit 110 und 131 PS zwar krafttechnisch weniger untermotorisiert, aber in puncto Feeling umso mehr. Der 131 PS-Selbstzünder ist mit 1,5 Litern auch kein Großer. Da lobt man sich glatt schon die 1,6 Liter der Benziner in den beiden Hybridvarianten und vor allem deren vier Zylinder. Fest steht: Der 308 darf je nach Geschmack definitiv als feschester Kompaktwagen bezeichnet werden. Da passt pubertäres Geraunze einfach nicht dazu. Ein echter Oberlöwe hat das Brüllen offenbar gar nicht nötig, sondern strahlt stumm Souveränität aus.

Das gilt für den Hatchback übrigens genauso wie für den SW, der zwar mehr Länge und Platz mitbringt, aber sich fahrerisch ganz ähnlich wie sein kleiner Bruder gibt. Das bedeutet: Je nach Motorvariante ist mäßiger (Diesel), ordentlicher (131 PS-Benziner) oder kraftvoller (Hybrid) Durchzug gegeben, aber ein Sportler will der 308 nicht sein. Zumindest solange kein GTI dransteht. Das Fahrwerk ist nicht wirklich weich, aber auch nicht richtig straff. Zum Spaßhaben sollte man weiter zum Focus greifen, in dieser Disziplin kommt der Franzose seinem eigenen emotionalen Design nicht hinterher.

Apropos Design. Da der 308 als erster Peugeot das neue Wappen trägt, musste nicht nur die Außenhaut besonders sexy gestaltet werden, sondern auch das Interieur zu einem würdigen Botschafter für die neuen Werte aufgerüstet werden. Das Go-Kart-Lenkrad bleibt, das freut die Einen und ärgert die Anderen, der Autor zählt sich zu den ersteren. Sonst ist das Cockpit von schnittigen Linien durchzogen und ahmt den Charme der Karosserie gekonnt nach. Die digitalen Instrumente mit 3D-Elementen sind schmuck und beim Infotainment hat man mit Hirn weiterentwickelt. Herzstück bleibt natürlich ein großer Touchscreen. Doch es darf darunter eine dezente Tastenleiste geben, die eine flotte und blinde Bedienung einiges Funktionen ermöglicht. Danke dafür! Der echte Clou sitzt aber zwischen Screen und Leiste. Es handelt sich um einen zweiten Bildschirm, der nur Platz für sechs Kacheln bietet, die sich supereasy per Fingerdruck anpassen und -ordnen lassen. Da klatscht man Dinge wie Navi, Telefon etc. hin, die dann immer verlässlich an derselben Stelle zu finden sind, ohne den Hauptschirm zu überfüllen. Auch sehr gescheit: Wenn man mit drei Fingern auf den Touchscreen tippt, kehrt man sofort ins Hauptmenü zurück. Funktioniert zuverlässig und ist so intuitiv wie der selige Home-Button früherer Smartphone.

Auch sonst präsentiert sich das Interieur modern und elegant, wobei jenes des 508 immer noch imposanter wirkt. Der Schaltknauf, den wir zumindest im Diesel auch mal in die Hand genommen haben, versucht zwar, sich der schnittigen Philosophie anzupassen, steht aber doch ein wenig wie ein Relikt vergangener Tage in der Gegend herum. Die Schaltung selbst ist recht neutral, weder wabbelt die Hand kreuz und quer durch die Gassen, noch sind die Schaltvorgänge ein echter Genuss. Passt also zum eher nicht ganz so sportlichen Fahrgefühl. Hier wird Komfort zwar nicht doppelt unterstrichen wie bei Citroen, aber immerhin doch groß geschrieben.

Zwischen dem feschen Cockpit mit den hochwertigen Gadgets, dem edlen neuen Wappen, dem imposanten Auftritt und dem kraftvollen Antrieb entsteht unterm Strich vor allem beim Plug-in-Hybrid ein unbestreitbares Premiumfeeling, das den beiden Verbrennern zwar nicht komplett abgeht, dort aber deutlich weniger ausgepielt werden kann. Zugegeben, zwischen dem Einsteigspreis von 24.480 Euro beim 110 PS-Benziner und jenem des 180 PS-Hybriden bei 36.360 Euro vergehen auch fast 12.000 Euro – da sollte dann schon ein ordentlicher Unterschied spürbar sein. Wer den 308 in vollen Zügen genießen will, muss dennoch den Elektriker bemühen. Der stockt 2023 dann auch von Teil- auf Vollzeit auf und schmeißt den Benziner komplett raus. Schon möglich, dass der beste Peugeot 308 dann ein E im Namen trägt.

Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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