Netzprobleme

Seat CNG: Mit Vollgas zum Erfolg?

Geht’s nach Seat, sollten wir alle mehr (Erd)Gas geben. Bis dato ist der CNG-Bestand hierzulande erschreckend gering. Unverständlich, wie wir meinen.

Text: Maximilian Barcelli

In Österreich sind aktuell fast fünf Millionen Autos zugelassen – über 2,1 Millionen davon sind Benziner und mit rund 2,8 Millionen Selbstzündern ist der Diesel-Anteil sogar noch extremer. Beide Kraftstoffarten machen zusammen 98,6 Prozent des gesamten PKW-Bestandes aus, viel Kuchen für alternative Antriebe bleibt da also nicht. Konkret: Reine Elektroautos nehmen 0,4 Prozent ein, bei Hybriden sind’s immerhin fast das doppelte. Und Benziner mit Erdgas? Lediglich 3.173 Stück sind auf den österreichischen Straßen unterwegs, was rund 0,1 Prozente vom Kuchen bedeutet.

Gut, Österreich ist nicht der Nabel der Welt. So sind in Italien beispielsweise mehr als eine Million Erdgasautos unterwegs. Vielleicht hält deshalb Seat so stur an der Idee fest – und mehr noch, entwickelt sie weiter. Immerhin haben die Spanier mittlerweile ein breitgefächertes CNG-Modellportfolio. Der Arona ist das erste, erdgasbetriebene SUV. Sein flacherer Bruder, der Ibiza, kann ebenfalls als TGI geordert werden, genauso wie der Leon und der Leon ST Kombi. Während die beiden ersteren über einen Dreizylindermotor verfügen, der 90 PS schöpft, wartet der Leon mit soliden 130 PS auf.

Untermotorisiert sind sie jedenfalls alle nicht. Das ein Liter große Aggregat wirkt erst bei höherem Tempo angestrengt, der Vierzylinder im Leon quasi gar nicht – sofern man sich im gesetzlichen Rahmen befindet.

Wer aber ein Erdgasauto erwägt, für den ist sowieso anderes ausschlaggebend. Zum Beispiel, dass die TGI-Fahrzeuge der Spanier nun einen dritten Erdgastank erhalten haben. Damit steigt die CNG-Reichweite beim Ibiza um 60, beim Leon um 80 Kilometer. Den Platz dafür schafft der kleiner gewordene Benzintank. Ist dieser voll, rennt der Arona 160 Kilometer, der Ibiza 170 und der Leon 150, währenddessen die Erdgas-Reichweite bei Arona und Ibiza bis zu 400, beim Leon bis zu amtlichen 450 Kilometern beträgt.

Doch wieso nicht aufs Ganze gehen und den Benzintank zugunsten des Erdgastanks überhaupt rausschmeißen? Nun, das Erdgastankstellennetz ist hierzulande, sagen wir mal: ausbaufähig. Und es reicht ja schon, dass einem der Angstschweiß im E-Auto bis zum Anschlag steht, wenn die nächste Ladestation am Rande des Aktionsradius liegt.

Die schwache Infrastruktur schränkt die Entwicklung jedenfalls ein, sie wird nicht so stark wie beim E-Auto gefördert. Was nicht nur schade ist, weil Erdgas deutlich billiger und emissionsärmer als traditionelle Antriebe ist. Es hat auch das Potential, erneuerbar zu sein. Das hat Erdöl nicht – zumindest nicht, bis wir die unendliche Quelle des Benzins am Mars gefunden haben. Oder so.