Smart EQ fortwo cabrio: Der Logik folgend

Kleiner Wagen, kleine Reichweite? Eine Korrelation, die das elektrische smart fortwo cabrio zwar nicht endgültig falsifizieren konnte, überzeugt hat er trotzdem. Nur nicht auf der wohl wichtigsten Ebene: der preislichen.

Text: Maximilian Barcelli

So, das war’s. Smart ist raus aus dem Geschäft mit Verbrennungsmotoren. Seit dem Facelift, das letztes Jahr präsentiert wurde, gibt’s fortwo und forfour ausschließlich unter Strom. Schon klar, kein Riesen-Schritt für eine Marke mit zwei Modellen im Portfolio. Und ob der Umstieg mit der heroischen Weltrettung zu erklären ist, sei dahingestellt – der politische wie wirtschaftliche Aspekt dürfte da eine nicht minder große Rolle gespielt haben. Ist aber auch egal. Zwar kein Riesen-Schritt, aber dafür ein umso logischer.


Denn wer fährt eigentlich elektrisch? Klar, die Fundamentalisten, bei denen ein Porträt von Elon Musk im Wohnzimmer hängt und das Tesla-Logo das Jesus-Kreuz in der Küche abgelöst hat. Und Wohlhabende, die neben der E-Spielerei eh noch einen A6 Avant im Ärmel haben. Für San Gimignano im Sommer und Sankt Moritz im Winter.

In die Toskana fährst du nur als Masochist mit einem smart, selbst wenn der via Ottomotor angetrieben wird. Vom Schiurlaub ganz zu schweigen. Dieses Fahrzeugkonzept war seit jeher auf die Kurzstrecke ausgelegt – und Kurzstrecke (bis Mittelstrecke, 350 Kilometer Reichweite sind ja auch nicht nichts, das sollte schon gesagt sein) ist genau das, was E-Mobilität aktuell richtig gut kann.

Dementsprechend ist die Heirat zwischen E und smart naheliegend, sinnvoll, logisch. Und dementsprechend tut die reale Reichweite von gering erscheinenden 120 Kilometern (mit sehr bedachtem Gasfuß, der in einer kurzen Hose steckt, weil’s Sommer ist) der Freude am Stromen keinen Abbruch. Mehr braucht kein Mensch – zumindest keiner im smart fortwo.

Die Energie speichert eine 17,6 kWh große Batterie – im Pre- wie auch im Post-Facelift-Modell. Letzteres baten wir zum Testtänzchen, was einfach zu erkennen ist, denn auch wenn der neue smart technisch weitgehendst gleichgeblieben ist, sieht er wesentlich anders aus. Gefallen hat uns das „alte“ Design aber mindestens genauso.

Stichwort „Tänzchen“: Ob der geringen Länge kann man hier auch tatsächlich von einem solchen sprechen respektive schreiben. Mit 2,7 Metern gibt es quasi keinen Kleineren. Gut, da wäre inzwischen der neue Citroen Ami. Der folgt allerdings einem noch viel radikaleren Konzept. Und sonst? Keine Konkurrenz weit und breit.

Rund 1,87 Meter Radstand sorgen für überraschend viel Spaß im urbanen Gewusel: Sehr spritzig, sehr simpel, sehr sorgenfrei. In bekannten Sackgassen wird plötzlich in einem Aufwasch gewendet, wo man doch eigentlich einmal, manchmal sogar zweimal zurücksetzen musste. Der 86 PS starke E-Motor ist zwar keine Quelle der unendlichen Kraft, reagiert aber, wie E-Maschinen das eben tun, unschlagbar rasch und schiebt bis City-Tempo auch anständig nach vorne. Und eigentlich auch darüber hinaus: Keine zwölf Sekunden braucht das smart EQ fortwo Cabrio auf Tempo 100, Schluss ist bei ausreichenden 130 km/h. Das offene Verdeck, das eigentlich mehr so Riesen-Schiebedach ist, tut das Seinige dazu; ja, das smart EQ fortwo Cabrio macht Spaß.

Das Fahrgefühl wird nur von der Lenkung ein wenig eingebremst. Die könnte direkter sein, vor allem wären aber weniger Umschläge fein. Bei eben erwähnten Wendemanövern muss ziemlich viel gekurbelt werden – und man ist ja immerhin kein Schiffskapitän, sondern smart-Fahrer.

Ein finanziell gepeinigter smart-Fahrer übrigens. Der Einstiegspreis von etwa 26.000 Euro ist in Anbetracht des geringen Mobilitätsbedürfnis, das der smart EQ fortwo abdeckt, schon selbstbewusst. Dafür ist wenigstens der verspielt designte Innenraum solide verarbeitet und wartet mit überraschend viel Leder und Stoff auf. Wobei auch die wertigen Materialien nicht Serie sind – wie viele andere Ausstattungen auch. Kleine Kostprobe: höhenverstellbarer Sitz und Lenkrad, der 7-Zoll-Touchscreen und eine erweiterte Innenraumisolation (im Zuge des Winter-Pakets) müssen zusätzlich bezahlt werden. Wer hätte gedacht, dass in ein so kleines Auto so viele Extras passen?

Im Innenraum findet man hübsche Ledersitze und recht viel Stoff.

Das treibt natürlich den Preis weiter in die Höhe. Womit wir wieder am Anfang sind: E-Mobilität für Musk-Jünger und Wohlhabende, vielleicht auch noch für Menschen mit einem geringen Bedürfnis an individueller Mobilität. Die breite Masse geht weiterhin leer aus. Noch. Der Dacia Spring Electric macht sich gerade auf den Weg. Und der VW ID.3 ist fast angekommen. Etwas Geduld ist noch gefragt. Aber wir können warten. Die Politik hingegen weniger.