So macht Smart Spaß

Unterwegs im Smart Forease

Bei Smart ist gerade mal wieder ein wenig die Luft raus. Denn nachdem die Modellpalette in den letzten Jahren mit Hilfe von Renault erneuert wurde, müssen sich die Schwaben jetzt bis zur Neuauflage über eine lange Durststrecke retten. Zwar hat ihnen dabei die Botschaft, künftig nur noch Elektroautos zu verkaufen, ein wenig Rückenwind verschafft. Doch erstens passiert das erst ab 2020 und zweitens erkennt man bei näherem Hinsehen schnell, dass diese Entscheidung aus der Not geboren ist, weil die Benziner jetzt nicht gerade Bestseller sind.

Von Thomas Geiger

Doch zumindest vorübergehend weht jetzt mal wieder ein frischer Wind bei Smart – und das kann man wörtlich nehmen. Nicht umsonst haben die Schwaben im Herbst ganz im Geist des seligen Crossblade die Studie Forease auf den Pariser Salon gerollt, die frisch und freizügig ist wie schon seit Jahren kein anderer Smart und die mit einem rundherum fröhlichen Charakter der Tristesse trotzt, die man der Marke gerade andichtet. Wenn nur alle Smarts so wären oder zumindest so werden würden, dann könnte der Bonsai-Benz in Zukunft doch noch richtig Spaß machen – und zwar nicht nur den Fahrern, sondern sogar den Buchhaltern.

Nachdem er auf der Messe noch wie ein Spielzeug gewirkt hat, erinnert der Smart bei der ersten Begegnung in freier Wildbahn unwillkürlich an die Flitzer auf dem Autoscooter. Zum einen, weil er ein bisschen breiter ist als das Original und tiefer auf der Straße kauert. Aber vor allem, weil er sich sehr viel offener gibt. Wo das offizielle Cabrio eigentlich nicht viel mehr zu bieten hat als ein großes Schiebedach, wird der Fortwo hier zu einem radikalen Roadster, für den sie das Serienauto auf halber Höhe abgeschnitten haben. Die Frontscheibe geht einem gerade bis zum Kinn, in den Türen haben sie das Glas und dessen Rahmen gleich ganz weg gelassen und auch hinten gibt es nichts, was Wind und Wetter fern hält. Fehlt eigentlich nur noch die Stange mit dem Stromabnehmer, die beim Autoscooter am Drahtnetz unterm Dach schleift und den E-Motor mit Energie versorgt.

Aber den braucht der Forease nicht. Denn als Basis diente den Designern der Smart EQ, mit dem die Schwaben den Elektroantrieb ja schon seit Jahren in Serie haben. Im Wagenboden steckt deshalb ein Akku von 17,6 kWh, der länger hält als jeder Chip auf dem Rummelplatz. Nicht zwei oder drei Minuten, sondern bis zu 160 Kilometer verspricht Smart als Norm-Reichweite.

Die Akkus speisen einen 60 kW starken E-Motor an der Hinterachse, mit dem die ganze Stadt im Smart zum Rummelplatz wird. Über Land mögen 130 km/h Höchstgeschwindigkeit ein bisschen lau sein, und die 11,5 Sekunden von 0 auf 100 können sich ganz schön ziehen. Doch bis 60 ist der Smart so flott, dass man sich über jede rote Ampel freut, nur weil man danach wieder beschleunigen kann. Im dichten Verkehr springt man förmlich von Lücke zu Lücke und wenn man durch ein Parkhaus fährt, ist das wie Karussell für große Kinder – zumal der zentnerschwere Akku im Wagenboden spürbar den Schwerpunkt senkt und so die Straßenlage verbessert.

Denn die größte Freude an diesem kleinen Flitzer ist und bleibt sein winziger Wendekreis, selbst wenn man an dem nach oben offenen Lenkrad des Showcars mit dem Kurbeln kaum hinterherkommt. Kein andres Auto ist so handlich wie der Smart und kommt so gut ums Eck, und noch nie hat eine Fahrt durch die Tiefgarage so viel Spaß gemacht wie mit dem Showcar. Dagegen fühlt sich selbst ein Mini groß und sperrig an. Aber der will ja auch nur ein GoKart sein und hat auf dem Autoscooter nichts zu suchen.

Dass es draußen eiskalt ist und den Wind fast ungehindert über die knappe Frontscheibe streicht, ja dass es nicht mal für den Notfall ein Verdeck gibt und dass die Sitzheizung bei dem Einzelstück nur ein Fake ist – all das stört bei der exklusiven Ausfahrt kaum. Denn erstens gaukelt einem das Display, das in die alten Lüfterdüsen gerückt ist, ja einen schönen Sommertag vor. Und zweitens ist der Forease so sympathisch und macht so viel Spaß, dass es einem richtig warm ums Herz wird – egal welche Temperaturen das Thermometer zeigt.

Flott, cool, charmant und ein absoluter Blickfang – als Forease wird der elektrische Smart zur kleinen Spaßgranate für Selbstdarsteller und könnte den Bonsai-Benz wunderbar über die Zeit retten, bis endlich mal ein neues Modell auf den Markt komm oder es zumindest eine klare Aussage zur Zukunft der Marke gibt. Dummerweise ist das erst einmal nicht geplant und die Designstudie bleibt vorerst ein Einzelstück. Aber das haben sie beim Crossblade 2001 auch gesagt und am Ende trotzdem 2000 Exemplare gebaut, die heute gesuchte Gebrauchte sind. Deshalb kann man auch für den Forease noch hoffen. Der Winter ist schließlich noch lang und neben den Designern haben bei Smart auch die Entwickler gerade ein bisschen Zeit – wenn sie die vernünftig nützen, steht dem Smart im Frühjahr vielleicht doch noch der Himmel offen.