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Toyota Yaris

Überraschend spritzig!

Toyota Yaris

Wenn bei einer Autovorstellung die Worte „dynamisch“, „sportlich“ oder „agil“ nur karg fallen, wird man doch ein wenig stutzig. Der Toyota Yaris gibt nicht vor etwas zu sein, was er nicht ist und brilliert dabei mit der dennoch vorhandenen Dynamik.

Text: Maximilian Barcelli

Lange nach einem passenden Wort für den neuen Toyota Yaris – beziehungsweise dessen Optik – gesucht, noch länger nichts gefunden. Wenn man dann allerdings um 6 Uhr morgens im niederländischen Leiden dem Schlaf Adieu sagt, sich auf den kommenden Tag vorbereitet wie man es immer tut (nämlich mit einer Zigarette und viel Kaffee), die Terrassentür des Hotelzimmers öffnet und einem plötzlich geschätzte 50 Yaris anstarren, dann kommen die primitivsten Gedanken, gehüllt in einem noch primitiveren Wortschatz, zum Vorschein. „Najo, schaun jo eh ordentlich spritzig aus.“ Und da war es schon. Spritzig. Das Wort, welches die Optik des neuen Toyota Yaris formidabel beschreibt. Da man aber Menschen nicht nach dem Äußeren beurteilen sollte und es sich mit Fahrzeugen ähnlich hält, ist es nun an der Zeit die inneren Werte des Fahrzeuges kennenzulernen und das bedeutet nicht nur einen Blick auf das Datenblatt zu werfen, das bedeutet den Yaris durch etliche niederländische Kreisverkehre zu fetzen.

Vier Motorvarianten gönnen die Japaner dem neuen Yaris, drei davon werden in Österreich erhältlich sein (Toyota schießt den ohnehin schon sterbenden Diesel aus der Verkaufspalette) und zwei werden von mir getestet. Der 69 PS starke 1-Liter-Motor wird von mir zwar dankend abgelehnt, benötigt man allerdings keinen stärkeren Wagen und ist eher auf den Sinn eines Fahrzeuges inklusive Kosten und Verbrauch bedacht, eignet sich diese Motorvariante wunderbar. Mich interessiert allerdings was der Yaris in petto hat, wenn er aus dem Vollen schöpft. Zuerst führt der Weg also in den stärkeren Benziner, 111 PS leistet dieser und bringt den Yaris in genau elf Sekunden auf Landstraßengeschwindigkeit. Schluss ist erst bei 175 km/h, was für die österreichischen Straßen mehr als ausreichend sein sollte. Der Hybrid bringt 100 Pferdchen auf den Asphalt und ist später fällig.
Es geht in das Innere des Autos. Die Sitze sind komfortabel und sogar größere Menschen haben, trotz einer Länge von nur 3945 Millimeter und einer Höhe von 1,510 Meter, kein schwerwiegendes Platzproblem. Selbst nach stundenlangen Fahrten sitzt man noch immer bequem im Yaris, was ihn, gepaart mit der Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h (beim Hybriden sind es zehn weniger) und einem Verbrauch von nicht einmal fünf Litern pro 100 Kilometer, zu einem wunderbaren Langstreckenfahrzeug macht. Im Stadtgebiet punktet der Japaner mit seiner parkplatzfreundlichen Länge und schafft somit (fast) den perfekten Spagat zwischen Langstrecken- und Stadtauto. Solch eine Länge schlägt zwangsweise immer auf das Kofferraumvolumen und dieses macht den Yaris dann unterm Strich doch nicht zum perfekten Fahrzeug für längere Strecken, zumindest wenn es um Familien mit Kindern geht. Wer Perfektion will, muss halt auch (viel) tiefer in die Tasche greifen.
Zurück zur Spritzigkeit des Autos und zur großen Überraschung, welche sich beim ersten Ritt durch die holländische Prärie mit dem Toyota Yaris offenbarte. Der quirlige Japaner sieht nicht nur spritzig aus, er fährt sich auch tatsächlich so. Wenn man bedenkt, dass 111 Pferdestärken auf nur etwa eine Tonne fallen, ist das Spritzige in diesem Fahrzeug nicht mehr so verwunderlich. Dank der neuen, direkteren Lenkung und den neu konstruierten Motorhalterungen inklusive einer ebenfalls neuen Abstimmung für Stoßdämpfer, lässt sich der Yaris um Kurven und Kreisverkehre schleudern und bereitet einiges an Freude. Auch die Bremsen lassen nichts zu wünschen übrig, die Notbremsung von 100 auf 0 liegt mir immer noch im Magen. Schnell wird klar, der Toyota Yaris ist nicht nur Mittel zum Zweck, er bereitet auch großen Fahrspaß.
Auf der Autobahn ist der Japaner ebenfalls ein äußerst zuverlässiger fahrbarer Untersatz. Am Beschleunigungsstreifen greifen die 111 Pferdestärken an, ist einmal Reisegeschwindigkeit erreicht, gleitet der Yaris gemütlich bei Tempo 120.  Die Außengeräusche halten sich dabei in Zaum, vor allem die Hybridvariante fühlt sich auf den niederländischen Autobahnen daheim und trägt dazu bei, dass sich die Geldbörse des Fahrers durchaus wohlfühlt. Einzig und alleine das Fehlen der Komfortblinker war anfangs (zumindest für mich) ungewohnt. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase und einigen, für die hinteren Verkehrsteilnehmer, überraschenden Spurenwechsel, hat man aber auch dies verinnerlicht.
Alles in allem ist der neue Toyota Yaris ein spritziger (da ist es schon wieder) Kleinwagen, der seinem Fahrer nicht unspektakulär von A nach B bringt, sondern diesem auch große Freude bereitet. Die Inneneinrichtung sieht schick aus, die äußeren Werte, welche im Endeffekt dann doch wichtig sind, stimmen auch. Aggressiv schaut er drein aber dennoch nicht sich selbstüberschätzend. Überschätzt ist bei diesem Auto nämlich wirklich gar nichts, das durfte ich in den Niederlanden selbst herausfinden. Die Ausstattung ist solide, Komfort ist vorhanden, Verbrauch ist gut, man kann frech grinsen, wenn sich der Wagen in eine noch so kleine Parklücke zwängt und last but not least: Der neue Toyota Yaris lässt sich auch ganz sportlich Fahren und macht ordentlich Spaß dabei. Was will man mehr?

:Infoporn

Motor: 1.0 VVT-i
Leistung: 69 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h in: 15,3 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h
Verbrauch: 4,1l/100 km
Gewicht: 980 kg
Preis: ab 10.990 Euro

Motor: 1.5 Dual VVT-iE
Leistung: 111 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h in: 11 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Verbrauch: 4,6l/100 km
Gewicht: 1.040
Preis: ab 12.990 Euro

Motor: 1.5 VVT-i Hybrid
Leistung: 100 PS
Beschleunigung von 0-100 km/h in: 11,8 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h
Verbrauch: 3,3l/100 km
Gewicht: 1.090
Preis: ab 15.090

Maximilian Barcelli

Bei 7.000 Touren beginnt der Spaß für den mehr begeisterten denn begnadeten Autofahrer.

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