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Zwei wie Eis und Feuer?

Kimi Räikkönen muss man nicht vorstellen. Der Iceman hat sich in den letzten Jahrzehnten (ja, das kann man schon so sagen) selbst einen legendären Namen im Rennsport gemacht. Der coole Finne fährt seit 2019 gemeinsam mit dem vermeintlich heißblütigen Italiener Antonio Giovinazzi für Alfa Romeo Racing ORLEN. Ob die beiden Piloten wirklich so gegensätzlich sind, wie man glauben könnte, konnten wir in einem coronagerechten Zoom-Interview feststellen. Und siehe da: Herr Räikkönen kann richtig plaudern und nicht nur seine ikonischen Einsilber abgeben.

Ihr habt die Frage, was du, Antonio, von Kimi gelernt hast, sicher schon hunderte Male gehört. Meine Frage wäre also: Konntest du in den letzten Jahren auch etwas von Antonio lernen, Kimi? Sei es aufs Racing bezogen oder sonst etwas.
Kimi: Naja, er gibt die ganze Zeit mit seinen Fußball-Tricks an. Und jetzt hat er versucht, mir einen zu zeigen und hat nicht mal den Ball getroffen (beide lachen).

Wenn wir schon beim Fußball sind: Hattest du Angst beim Europameisterschaftsachtelfinale Italien gegen Österreich, Antonio?
Antonio: Ja, es war ein hartes Match. Kommst du etwa aus Österreich? Ja, ihr habt nicht aufgegeben, das war gut. Es war ein langer Kampf.

Das stimmt. Eine weitere Frage für dich, Antonio: Wie schaffst du es, immer so geniale erste Runden zu fahren? Letzte Saison warst du sogar der Fahrer mit den meisten gewonnen Plätzen in der ersten Runde mit 50 Stück. So viel hat sonst nur Kevin Magnussen geschafft und Kimi war Dritter mit 28 Plätzen. Gibt es eine bestimmte Erklärung, wie du so viele Plätze auf der ersten Runde gutmachen kannst, Rennen für Rennen für Rennen?
Antonio: Ich denke erstens starten wir meistens von hinten, da ist es viel einfacher, Plätze zu gewinnen (lacht).
Kimi: Yeah, for sure! Wenn du vom zehnten Platz startest, ist es fast unmöglich so viele Plätze aufzuholen. Aber hinten, selbst wenn du insgesamt langsamer bist, werden andere Fehler machen und du kannst viele Autos überholen, wenn du es cool angehst.
Antonio: Stimmt, aber wenn du es übertreibst, passiert dir schnell mal ein Dreher. Aber sieht so aus, als wären wir in der Disziplin wirklich ganz gut unterwegs.
Kimi: Ja, aber das liegt rein an uns beiden, nur an uns beiden. (beide schmunzeln)

Wie sieht es eigentlich aus mit Autos wie der Alfa Romeo Giulia GTA, bei deren Entwicklung ihr ja geholfen habt? Für jeden Normalsterblichen ist so ein Fahrzeug eine Bestie, doch wie empfindet ihr als Rennfahrer das? Schließlich seid ihr es gewohnt, Formel 1-Boliden über die Strecke zu jagen, wie aufregend kann da die Giulia GTA auf der Piste sein?
Kimi: Ich denke, es ist eine andere Art des Fahrens. Wenn wir mit einem „normalen“ Auto auf der Rennstrecke sind, fahren wir nicht auf Zeit, es geht mehr um … („Spaß“, wirft Antonio ein) … genau, und ums Driften. Denn das können wir bei Rennen nicht machen, weil es langsamer ist. Wir machen es uns einfach ein bisschen lustig, wir haben ja zwei GTAs, da können wir einander hinterherfahren und so Spaß haben. Das größte Problem mit Straßenautos sind die Reifen. Wenn du einige schnelle Runden fährst, sind sie so heiß und kaputt, dass jedes Auto zu untersteuern beginnt. Aber es macht uns Spaß und wir genießen es.

Macht Sinn. Eine Frage zum Thema Fahrsimulator: Kurz vor dem Wochenende hat Lewis Hamilton Fotos aus dem Simulator gepostet, zum ersten Mal seit Ewigkeiten. Daraufhin haben auf Social Media viele Leute gemeint: „Ach, er hat Angst vor Verstappen, jetzt muss er wieder was tun.“ Bringt der Simulator euch als Fahrern überhaupt etwas? Oder ist das rein für die Abstimmung des Autos?
Antonio: Um ehrlich zu sein, gerade jetzt, wo wir schon die Woche davor auf derselben Strecke gefahren sind, kannst du mit dem Simulator als Fahrer nicht wirklich schneller werden. Aber klar, das Auto kannst du, wenn du die richtigen Parameter veränderst, noch besser auf die Strecke abstimmen. Ich würde also sagen, dass das rein fürs Auto ist.

Gut zu wissen. Kimi, am Ende dieser Saison wirst du 351 Formel 1-Rennen gefahren sein. Wenn du noch sieben Jahre weiterfährst, schaffst du die 500. Könntest du dir das vorstellen?
Kimi: Nein. Die Antwort ist nein. (Antonio: Geh, komm schon, Kimi!) Das Racing ist okay, aber die ganzen anderen Sachen drumherum sind … (denkt einen Augenblick nach) … eher der beschissene Teil. Wir alle lieben Racing und das allein wäre nett, aber leider müssen wir uns auch um andere Dinge kümmern, die eine Menge Zeit fressen.

Das kann ich mir vorstellen. Antonio, zum Abschluss noch eine Frage an dich: Gerade bei den jüngeren Fahrern werden oft die Rivalitäten mit ihren ehemaligen Konkurrenten aus den Nachwuchsserien gehyped. Doch über dich und Pierre Gasly hört man eigentlich kaum etwas, obwohl ihr 2016 in der GP2 bis zum letzten Rennen um den Titel gekämpft habt . Habt ihr zwei irgendeine Art der besonderen Rivalität oder Freundschaft aus dieser Zeit noch?
Antonio: Ja, es war eine gute Saison. Wir waren ja Teamkollegen und haben gleichzeitig um den Titel gekämpft. Wir wussten, dass wir uns gegenseitig respektieren und ich denke, man konnte auch sehen, dass wir hart geraced sind, aber und uns trotzdem einen fairen Fight geliefert haben. Wir sind immer noch richtig gute Freunde.

Schön zu hören! Na dann, unsere Zeit ist um, glaube ich … also wünsche ich euch noch ganz viel Glück für den Rest der Saison, danke vielmals!
Antonio: Grazie, ciao!
Kimi: Danke, bye bye!

Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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