Alfa Romeo Giulia GTA: Die Schöne wird zum Biest

Alfa Romeo belebt zum 110. Geburtstag der Marke das Kürzel GTA wieder. Bedeutet: Ein ohnehin ziemlich brutales Auto wird noch ein Stück brutaler. Vorhang auf für Alfa Romeo Giulia GTA und die noch radikalere GTAm.

Text: Maximilian Barcelli

510 PS, Heckantrieb und ein Design zum Niederknien: die Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio entfacht seit rund vier Jahren große Begeisterung. Dass sie nicht nur grandios zu fahren ist, sondern auch verdammt schnell ist, bewies die Italienerin 2016 auf der Nordschleife: In 7:31,92 Minuten bezwang sie die grüne Hölle und heimste den Rekord für das Mittelklasse-Segment ein. Ein Rekord, der mittlerweile an den extremen Jaguar XE SV Project 8 gegangen ist. Wieso wir jetzt über die britische Limousine schreiben? Ganz einfach: die Alfa Romeo Giulia GTAm ist aus einem sehr, sehr ähnlichen Holz geschnitzt.

Genau wie beim Jag fliegt beim GTAm die hintere Sitzbank raus: statt ihr gibt es eine Ablagen für Helme und dem Feuerlöscher sowie einen Überrollbügel. Außerdem werden Fahrer und Beifahrer mit Sechspunktgurten an die Carbon-Schalensitze fixiert, die hinteren Scheiben sind aus Polycarbonat und statt herkömmlichen Türklinken gibt es eine Schlaufe. Die Giulia GTAm meint es also todernst mit dem Rennsport.

Doch auch die etwas mildere GTA ist weit weg von einer gemütlichen Mittelklasse-Limousine und teilt sich viele Modifikationen mit der  GTAm – zum Beispiel den Motor samt Auspuffanlage. Freilich basieren GTA und GTAm auf der Giulia Quadrifoglio, dementsprechend werkelt auch der phänomenale 2,9-Liter-BiTurbo-V6, ein vom Ferrari-V8 abgeleitetes Aggregat und deshalb: phänomenal, unter der muskulösen Motorhaube. Für die neuen Spitzenmodelle verpasst Alfa dem Triebwerk noch einmal eine Leistungsspritze: so stehen am Ende des Tages 540 statt 510 PS im Fahrzeugschein.

Bärenanteil an den 30 Zusatz-PS dürfte wohl die Titan-Auspuffanlage von Akrapovic haben. Die Gänge verwaltet die 8-stufige Automatik, die diese erfahrungsgemäß mit einer ordentlichen Wucht reinschnalzt. Weil sie so herrlich über die monströsen Paddles selbst verwaltet werden kann, ist es verkraftbar, dass es in den GTA-Modelle keine Handschaltung geben wird.

Punkto Aerodynamik hat Alfa beim GTA einige, beim GTAm wirklich alle Register gezogen: Seitenschürzen, Frontsplitter, Heckdiffusor und -spoiler wurden überarbeitet und fallen teils sehr gewaltig aus. Hinzu kommen 20-Zoll-Leichtmetallräder mit Zentralverschluss und eine Spurverbreiterung von 50 Millimeter an Vorder- wie Hinterachse.

Ein Hauptaugenmerk lag auch auf Gewichtsreduktion. Nicht umsonst steht GTA für „Gran Turismo Alleggerita“, also schnelle Reisewagen in Leichtbauweise. Beide Fahrzeuge sparen über 100 Kilogramm ein, bringen also summa summarum etwas mehr als 1,5 Tonnen auf die Waage. Bedeutet ein Leistungsgewicht von 2,82 Kilogramm pro Pferdestärke. Zum Vergleich: Im M3 CS bewegt ein PS im Schnitt 3,5 Kilogramm. Und selbst der Porsche 911 GT3 RS hat kein besseres Leistungsgewicht.

Das Resultat ist eine Beschleunigung, die eigentlich auch mehr an einen GT3 RS als an eine Limousine denken lässt: in 3,6 Sekunden spurtet die Alfa Romeo Giulia GTA(m) auf Landstraßentempo. Die wunderschöne Giulia ist endgültig zum wilden Biest geworden – ästhetisch bleibt sie natürlich weiterhin. 500 Stück werden gebaut, wie viele davon GTA oder GTAm sind, ist nicht bekannt – genauso wenig wie der Preis. Gut so, dann lässt es sich noch ein bisserl länger träumen …