Polo spielen im Gelände

Erste Ausfahrt mit dem VW T-Cross!

Spät aber doch: Der Volkswagen-Konzern hat sich bei der Präsentation eines (richtig) kleinen SUV viel Zeit genommen. Doch jetzt endlich haben die Wolfsburger mit ihrem VW T-Cross eine Antwort auf Captur & Co.

Von Thomas Geiger

Es ist wieder mal wie immer. Da gibt es seit Jahren einen großen Trend zum kleinen SUV, die Konkurrenz verdient sich eine goldene Nase und VW schaut tatenlos zu. Doch nun haben die Niedersachsen die Faxen dicke – wie man in Deutschland so gern sagt – und endlich eine Antwort auf Captur & Co gefunden: den T-Cross. Und weil es noch immer neun Monate dauert, bis der ebenso modische wie abenteuerlustige Ableger des neuen Polo zu Preisen ab etwa 17.000 Euro in den Handel kommt, bitten die Niedersachsen schon mal zu ersten Ausfahrt mit ihren Prototypen.

Dass die viel bunter beklebt sind als bei VW sonst üblich, hat einen guten Grund: Während der Polo so aufregend wie ein Blutdrucksenker ist, will der T-Cross zum Pulsbeschleuniger werden und treibt es deshalb auch in der Serie bunt: Bunte Felgen, zwölf Farben, Kontrast-Lackierungen und auffällige Klebetatoos sollen den Nachzügler zum Blickfang machen. Sagt zumindest Designchef Klaus Bischoff, der auch bei der Form etwas frecher war als beim Polo: Der T-Cross ist deshalb nicht nur fünf Zentimeter länger und deutlich bulliger als sein braver Bruder, sondern er hat einen stolzen Grill, der mit den Scheinwerfern verschmilzt, und auffällige Rückleuchten, die mit einem roten Reflektorband verbunden sind.

Innen geht es mit der Farbenfreude munter weiter. Es gibt bunte Konsolen rund um das auf Wunsch digitale Cockpit und freche Sitzbezüge. Doch weil der T-Cross ein typischer VW ist, will er nicht nur peppig, sondern auch praktisch sein. Zur ohnehin schon erhöhten Sitzposition gibt es deshalb auch eine gehörige Portion Variabilität: So lässt sich der Beifahrersitz serienmäßig flach legen und die Rückbank zumindest gegen Aufpreis um 15 Zentimeter verschieben. So können bei 4,11 Metern Länge und 2,56 Metern Radstand wahlweise auch zwei Erwachsene zumindest mal kurz im Fond mitfahren. Oder der VW T-Cross wird mit 385 oder 455 bis 1281 Litern Ladevolumen zu einer modischen Weiterentwicklung des Polo Variant.

So überraschend bunt und alltagstauglich der kleine Geländegänger ist, so wenig Überraschungen erlebt man beim Fahren. Wie auch, wenn sich gegenüber dem Polo außer dem Schwerpunkt, dem Gewicht und somit auch der Federung grundsätzlich nichts geändert hat. Achsen, Lenkung und Antriebe sind identisch und so fühlt sich der T-Cross auch an: Gutmütig, erwachsen, langweilig. Zumindest mit den aktuellen Motoren, die vom Dreizylinder mit 1,0 Litern Hubraum und 95 oder 115 PS bis zum Vierzylinder mit 1,5 Litern und 150 PS reichen. Selbstzündendes gibt’s mit 1,6 Liter Hubraum und 150 PS. Dazu gibt es später, je nach Kundenwunsch und CO2-Vorgaben, womöglich noch eine Erdgasvariante und mit etwas Glück vielleicht auch einen GTI. Eine Option jedoch werden die Niedersachsen auch für alles Geld der Welt nicht anbieten: Den Allrad.

Als erstes SUV aus Wolfsburg muss der T-Cross nur mit Frontantrieb auskommen. „Das ist auf der A0-Plattform nicht vorgesehen und wäre im gegebenen Preisrahmen nicht darstellbar gewesen“, sagt Baugruppenleiter Andreas Krüger und hält das nicht für einen Nachteil. Denn erstens fehlt der Allradantrieb auch bei den meisten Konkurrenten wie dem erfolgreichen Renault Captur, dem Peugeot 2008 oder dem spanischen Cousin Seat Arona. Und zweitens spielt sich das Abenteuer für SUVs dieser Sorte ohnehin die meiste Zeit in der Stadt ab, wo die Straßen asphaltiert und im Winter auch geräumt sind.

Natürlich wissen sie auch in Wolfsburg, dass sie mal wieder spät dran sind. Aber wer zum ersten Mal im T-Cross unterwegs ist, der wird unschwer erkennen, dass sich das Warten gelohnt hat. Zwar ist der aufgebockte Polo bei aller Farbenfreude ein typischer VW – grundsolide, brav, wenig provozierend und unaufgeregt – doch genau deshalb wird er vermutlich auch den gleichen Weg nehmen, wie die meisten seiner Brüder und Schwestern: Direkt an die Spitze seines Segments. Und in Wolfsburg werden sie wieder sagen, was sie immer sagen, wenn sie spät dran sind: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.