Bugatti Veyron

Fulminanter Abgang

Der Bugatti Veyron ist ein wahrlich außergewöhnliches Automobil. Wer seit 10 Jahren auf die über zwei Millionen Euro Stückpreis spart, kann nun damit aufhören – der letzte Veyron verließ das Werk in Molsheim.

von Rainer Behounek

Was muss das für eine Zeit gewesen sein, 1909. Die Welt befindet sich im Umbruch, die industrielle Revolution steht kurz vor der ersten Kriegsprobe und die Menschen zeigen wie so oft, zu welchen Höchstleistungen sie fähig sind. Zum ersten Mal schaffe es ein Mensch zum Nordpol (wenns denn stimmt, Robert Peary konnte man es nie beweisen), der Grundstein für das Technische Museum in Wien wird gelegt, Tel Aviv wird gegründet und in Molsheim, einem verschlafenen Dörfchen im französischen Elsass, sah der Italiener Ettore Bugatti die leerstehenden Hallen eine Färberei und dachte sich: „Zacki pracki, dann wollen wir mal richtig geile Karren bauen!“ (Ob er „bauen“ oder „manufakturieren“ gesagt hat, ist nicht überliefert, den Rest hat er aber genau so gesagt) 1910 gründete er gemeinsam mit seinem Partner die „Automobiles Ettore Bugatti“ und von da an ging es richtig rund.

Ein umtriebiger Kerl, dieser Bugatti

Bugatti hatte seine Finger überall drin. Er baute Fahrzeuge für andere Hersteller, seine eigenen Konstruktionen und bastelte an Flugmotoren mit acht und 16 Zylindern. Seine große Leidenschaft war es jedoch, leichte Sportwagen zu bauen und die magere Konkurrenz bei Rennen zu zerlegen. Damals war jedes Autorennen ein fulminantes Spektakel – und Ettore Bugatti ging jedesmal an die Grenzen des damals Machbaren.

Hochmut kommt vor dem Fall

Und dann, wie fast immer in einer großen Geschichte, kam ein Durchhänger, der dem Unternehmen das Genick brach. Zweimal wurde der glorreiche Name wiederbelebt, beim zweiten Mal durch einen richtig großen Player im Auto-Geschäft: der Volkswagen AG. Die Deutschen sicherten sich die Namens- und Designrechte und brachten die Marke zurück zu ihrem Ursprung.

Warum wir ihnen das alles erzählen?

Wie sie bereits im Vorspann lesen konnten, wurde der letzte Veyron gebaut. Der Bugatti Veyron war und ist ein Fahrzeug der Superlative, ein Meilenstein, ein Exempel und ein Beispiel dafür, zu was der Mensch fähig ist (hach, dem Ettore würde jetzt bestimmt ganz warm ums Herz werden).

Die Hard-Facts des Bugatti Veyron

450 gebaute Stück (letztes Modell: Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse)

1001 bzw. 1200 PS Leistung

431 km/h Spitze (Roadster 408 km/h)

0 – 100 km/h: 2,6 Sekunden

0 – 300 km/h: 16 Sekunden

Motorgewicht: 530 Kilogramm

kombinierter Verbrauch: 24,9 Liter/100 km

kombinierter CO2-Ausstoß: 596 Gramm pro Kilometer

Prominente Besitzer: Jenson Button, Arnold Schwarzenegger, Ralph Lauren, Ferdinand Piech (nanona), Jay Z, Tom Cruise

Die vier (!) Turbolader des Sechszehnzylinders saugen unter Volllast 50.000 Liter Luft pro Minute an.

Vier Benzinpumpen leiten 264 Liter Super pro Stunde in die Brennräume. Der Spaß ist allerdings schon nach 20 Minuten vorbei, weil dann der Tank leer ist.

Der Motor generiert dabei angeblich 800 Kilowatt Abwärme, genug um 40 Einfamilienhäuser zu heizen.

Die Spezialreifen des Herstellers Michelin halten gerade mal 10.000 Kilometer.

Alle 4.000 Kilometer muss der Veyron zur Inspektion.

Alles hat ein Ende… möchte man meinen. Der Veyron schafft lediglich Platz für die nächste Superlative. 2016 soll es soweit sein, dann gibt es einen neuen King im Auto-Quartett. Chiron wird er heißen, benannt nach einem ehemaligen Bugatti-Rennfahrer, und richtig richtig richtig RICHTIG schnell und teuer wird er. So soll es sein.