• We got Choice

    Nie war die Diversifikation am Automarkt so groß. Es gibt Modelle für alle Bedürfnisse, von hoch bis flach, von offen bis zu. Und das ist gut so!

    von Franz J. Sauer

Ich wuchs in den guten alten Siebzigern und Achtzigern des 19er-Jahrhunderts auf, und mein Vater fuhr damals Volvo. Eine Limousine wohlgemerkt, in der öffentlichen Wahrnehmung jener Zeit fuhren bloß Handwerker Kombis. Damit hatten wir eines der größeren Autos im Reigen der Familienfahrzeuge meiner Schulkollegen. Klar, manche Väter fuhren Mercedes oder BMW, viele aber auch VW, Fiat oder Mitsubishi. Die Mütter fuhren, wenn sie fuhren, übrigens selten was Größeres als einen Renault 5 oder den sehr beliebten Peugeot 205. Und sie waren die Ausnahme im seinerzeit eher mit nur einem Auto pro Haushalt auftretenden heimischen Verkehrsaufkommen. Man fuhr dann eben mit dem Volvo, dem Fiat, dem Mitzu oder auch dem Gold zu dritt oder viert auf Urlaub, was in den Augen der Eltern ja schon als Luxuspassage angesehen wurde, waren sie doch schließlich mit ihren Eltern noch im guten alten Käfer gen Italien gereist. Was anbetracht dessen, dass nach Lignano oder Carole damals noch eine fette, zehnstündige Landstraßenfahrt anstand, als strafverschärft zu verstehen ist.

Heutzutage denkt der Familienvorstand, sobald frohe Kunde von Gevatter Storch durch den Rauchfang fegt, als erstes darüber nach, wie er seinen Lifestyle-Kombi (wäre bei weitem groß genug für den erweiterten Familientransport) schnellstmöglich gegen einen als solches ausgewiesenen Familien-Van tauscht. Und ein kleiner SUV (je nach Börsel auch gerne ein großer) für die Frau Mama muss auch ins Haus. Weil dass Muttern, die den Nachwuchs ja das öfteren mit sich herumführen wird, künftig freilich nicht ohne Allradantrieb, Mega-Knautschzone und ISOFIX-Halterungen auskommen wird, braucht nicht extra diskutiert zu werden.

Schlecht? Keineswegs, vorausgesetzt, man kann sich das Fahrzeug-Upgrade halbwegs leisten. Es ist eine Eigenheit unserer Zeit, keine Kompromisse eingehen zu müssen bei der Produktauswahl und es ist eine der wenigen positiven. Oder, wie es BMW Austria-Chef Kurt Egloff einst auf den Punkt brachte: „Wir hatten früher genau ein Paar Sportschuhe, meist die berühmten Jogging High, und mit denen machten wir alles, was es sportlich oder auch sonst zu tun gab. Meine Kinder haben ein Paar zum Laufen, eines zum Tennisspielen, eines zum Klettern und eines zum schick Ausgehen.“

Egloff muss es wissen. Gerade die Absatzzahlen von BMW stellen all das nämlich eindrucksvoll unter Beweis. Vor zwölf Jahren gab es genau drei Baureihen, 3, 5 und 7. Heute deckt man fast die ganze Zahlenreihe von 1 bis 7 ab, und das alles auch noch mal mit einem X davor, und den Mini in all seinen Ausformungen hat man auch im Portfolio. Einzig der Fahrzeugabsatz hat sich nicht diversifiziert. Er wurde deutlich mehr, hat sich sogar knapp verdoppelt. Tendenz steigend.

Heutzutage denkt der Familienvorstand, sobald frohe Kunde von Gevatter Storch durch den Rauchfang fegt, fieberhaft darüber nach, wo er den sofort dringendst benötigten Familien-Van herbekommt.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über ihren Beitrag!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>