Der erste Streich

Der Seat Arona eröffnet die VW-Mini-SUV-Offensive

Schluss, aus, vorbei: In Wolfsburg sind sie es langsam leid, sich von der Konkurrenz eine lange Nase drehen zu lassen. Zwar hat der VW-Konzern den Trend zum SUV im Allgemeinen und den zu den kleinen Kraxlern im Besonderen ein wenig verschlafen und musste sich in den letzten Wochen mal wieder ausgerechnet von den Koreanern mit Hyundai Kona und Kia Stonic die Schau stehlen lassen. Doch jetzt bläst der verhinderte Weltmarktführer zum Gegenstoß und mischt kräftig mit beim Zwergenaufstand im Großstadtdschungel.

Von Thomas Geiger

Den Anfang macht – einmal mehr – die Tochter Seat, die sich vom Sorgenkind zur Schönheitskönigin gemausert hat und nun den Arona ins Rampenlicht rückt. Als dritte Neuheit in nur einem Jahr soll er den jungen Erfolg der Spanier absichern, die größte Produktoffensive in der Geschichte der Marke am Laufen halten und sich ein ordentliches Stück vom weiter wachsenden SUV-Kuchen abschneiden. Nicht umsonst stecken die Spanier allein in das Doppel aus Ibiza und Arona rund 0,9 der 3,3 Milliarden, die sie von 2015 bis 2019 in ihr Comeback investieren, sagt Firmenchef Luca de Meo. Seinen ersten Auftritt vor großem Publikum hat der kleine Kraxler im September auf der IAA in Frankfurt, noch vor dem Jahreswechsel soll der Verkauf beginnen, und wenn Seat gegen Kona & Co eine Chancen haben möchte, dürfen die Preise nicht weit jenseits von 17.000 Euro beginnen.

Mehr noch als beim großen Bruder Ateca setzten die Spanier bei ihrem kleinen SUV auf die Überzeugungskraft von Formen und Farben. Denn während der Ateca bei aller Sportlichkeit noch eine gewisse Strenge hat, ist der Arona eher verspielt und gibt stolz den bunten Hund. Nicht umsonst kann man die Karosserie auch in Kontrastfarben bestellen und den Innenraum mit kunterbunten Konsolen an den Türen und auf dem hohen Mitteltunnel aufpeppen.

Trotzdem bleibt die Funktion natürlich nicht auf der Strecke, versprechen die Entwickler. Dafür haben sie auf der neuen Architektur MQBA0 den Ibiza ein bisschen aufgeblasen und aufgebockt. Statt 4,06 misst er deshalb nun 4,14 Meter und ragt knapp zehn Zentimeter weiter in die Höhe. Deshalb kann man bequemer einsteigen und besser hinausschauen, und mehr einladen kann man obendrein. Wo schon der Ibiza mit seinen 355 Litern Kofferraum deutlich zugelegt hat, passen beim Arona dann sogar 400 Liter hinter die große Klappe.

Sieht man von den etwas höher aufgepolsterten Sitzen und dem wuchtigeren Cockpit einmal ab, gibt es sonst allerdings nur wenige Unterschiede zum Ibiza. Das gilt für die Ausstattung genauso wie für die Antriebe: Hier wie dort bieten die Spanier Finessen wie die automatische Abstandsregelung, den großen Touchscreen oder die LED-Scheinwerfer an. Und in beiden Modellen setzten sie auf die jüngste Generation von Turbo-Direkteinspritzern: Zum Start gibt es einen Dreizylinder mit einem Liter Hubraum und 95 oder 115 PS sowie einen 1,5-Liter mit 150 PS und Zylinderabschaltung für die Freunde des Otto-Prinzips oder einen 1,6-Liter mit 95 oder 110 PS für all jene, die dem Diesel die Treue halten. Und weil VW irgendwie sein CO2-Problem in den Griff bekommen muss, wird es auch den Arona in einer Erdgas-Variante geben – als erstes SUV in seinem Segment.

Genau wie der Ibiza Anfang des Jahres die Vorhut für den neuen VW Polo gemacht hat, bleibt auch der Arona kein Einzelgänger. Sondern Seat bereitet einmal mehr den Boden für die Konzernmutter VW, die ebenfalls zur IAA die lang erwartete Serienfassung des T-Roc enthüllen will. Zwar teilen sich beide die gleiche Plattform und nutzen viele Komponenten gemeinsam. Doch wird es zumindest ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal geben: Während Seat voll auf Mode macht, kann man mit dem VW auch in den Matsch. Denn zumindest optional soll es den T-Roc auch als 4Motion geben, während bei Seat bislang von Allrad keine Rede ist.