Volvo V40 T2

Ganz neue Tugenden

Mit dem V40 hat sich die neue Volvo-Designsprache endgültig bis in die Kompaktklasse übersetzt.

von Franz J. Sauer

Mit dem Volvo V40 T2 testen wir sozusagen den Einsteiger- Benziner der Baureihe. Was uns de facto erst bewusst wurde, nachdem wir das Datenblatt gelesen haben (wie sichs für faule Journalisten gehört: hinterher!). Denn dass dieses Kraftpaket nur 120 PS haben soll, verwundert dann doch. Immerhin hat die nämliche Zahl bei kompakten Volvos aber wiederum Geschichte; der erste schicke, kleine Volvo, der 480 Turbo aus den späten Achtzigerjahren, hatte ebenso viele Pferde unter der Motorhaube. Und erstaunte damit nachhaltig – wenige Autos weitaus teurerer und sportlicherer Kategorien konnten da an der Kreuzung mithalten. Heutzutage ist es da schon eher selten der Fall, dass man mit 120 PS sportlich irgendetwas reißt. Zu schwer wiegen Sicherheits- Goodies, die größeren Autos im Allgemeinen. Derart raketenhaft wie einst der kompakte Vorfahre geriert sich der V40 T2 auch nicht. Nicht mal der dicke böse T5 (254 PS) tut so unvermittelt unprätentiös böse wie der halbe Renault dereinst. Insofern kann man sich mit der Leistungsentfaltung des T2 fast besser anfreunden, weil man da kriegt, was man kauft.

Extrapunch

Und auch noch von dem bisserl Extrapunch erfreut wird, das einem selbst die Automatik-Version noch im spritzigen Innenstadtgeläuf übrig lässt. Fest steht: Mit dem V40 ist die aktuelle, skandinavisch-vornehme Designlinie von Volvo endgültig auch in der Kompaktklasse angekommen. Alles sieht gut und durchdacht aus, fühlt sich auch so an, wesentlich wertiger jedenfalls als beim auch schon nicht hässlichen, aber doch wesentlich billiger wirkenden V50 der Baureihe davor. Platz herrscht allenthalben, die zögerliche (und letztlich dem Betrachter überlassene) Entscheidung, ob der V40 nun ein Kombi oder ein Hatchback sein mag, schafft Platz, sowohl auf den Hintersitzen als auch im Kofferraum. Und letztlich auch in der Parklücke: Überschaubare Außenmaße vereinigen sich hier gekonnt mit toller Übersichtlichkeit. Puncto Fahrwerk leistet sich der kompakte Fronttriebler (klein passt hier sicher nicht) eine ziemlich harte Gangart. An Straffheit im Umgang mit der Straße wurde nicht gespart, das erfreut zwar beim City- Gewusel und Überland, auf längeren Etappen passen die grundsätzliche Gemütlichkeit von Auto und Motor nicht zur engagierten Überspanntheit des Untersatzes. Große Felgen sind zwar schön, tun aber auch das ihre zum eben genannten Eindruck. Soll heißen: Etwas mehr Gummi auf den Felgen täte dem Abrollkomfort gut.

Main Asset: Optik.

Und dennoch würden wir uns nicht dazu versteigen wollen, derlei vom Volvo V40 T2 (unser Testwagen kam in der Top-Ausstattungversion R-Design mit serienmäßigen 17 Zöllern) zu verlangen. Weil sein Main-Asset ist ja schon die Optik. Und derlei wird sich bei den kommenden Volvo-Modellen ja auch noch verstärken, wie die Prototypen und Studien der letzten Messen beweisen (zuständig dafür zeichnet mit Max Missoni übrigens ein Grazer – hätten Sie das gewusst?). Insofern passt das R-Design auch am stimmigsten zum gesamten Auto, da tritt die tatsächliche Motorleistung eher in den Hintergrund. Die Automatik passt diesfalls besser zum Motor als zum Auto, etwas weicher hätte man am Fahrwerk bleiben dürfen. Formidabel und nach wie vor immer ziemlich Volvo: die Sicherheitsfeatures – von CitySafety bis Abstandswarner findet sich hier alles an Safety-Elektronik, die es derzeit zu kaufen gibt.