• Der Flüster-Kumpel

    Volkswagen Budd-e

Die CES, die Consumer Electronics Show in Las Vegas, ist die größte Elektronik-Messe der Welt. Volkswagen packt jede Menge Elektronik in den Bully und zeigt mit dem VW Budd-e, wohin die Reise gehen könnte.

Text: Thomas Geiger

VW wirft den Blick zurück in die Vergangenheit und fährt volle Kraft in Richtung Zukunft. Denn als Vorboten künftiger Elektrofahrzeuge haben die Niedersachsen jetzt auf der CES in Las Vegas den legendären Bulli in die Zeitmaschine gesteckt und daraus den futuristischen Budd-e gemacht. In einer charmanten Mischung aus Retro-Design und neuem Look gezeichnet, ist der 4,60 Meter lange Van so etwas wie die bürgerliche Alternative zum e-tron Quattro von Audi und der Mission E von Porsche und soll beweisen, dass Elektromobilität bald alltagstauglich und trotzdem erschwinglich sein kann.

Dafür nutzt die neuerliche Neuinterpretation des Bulli als cooles Lifestyle-Auto erstmals den Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB), mit dem die Niedersachsen bis zum Ende des Jahrzehnts Tesla & Co den Kampf ansagen wollen. Herzstück dieser Architektur ist ein Akku von hier 92,4 kWh, der den Budd-e über 500 Kilometer weit bringen soll und mit einem neuartigen Schnellladesystem mit 150-kW-Gleichstrom-Technik theoretische Ladezeiten von weniger als einer halben Stunde ermöglicht. Er speist in diesem Fall je einen Elektromotor pro Achse mit vorn 125 und hinten 170 PS, mit denen der Zukunftsbote in 6,9 Sekunden von 0 auf 100 schnurrt und bis zu 180 km/h schafft.

Aber ein cooles Design und ein innovativer Antrieb reichen nicht für eine Messepremiere – erst recht nicht, wenn man das Auto nicht auf der Motorshow in Detroit enthüllt, sondern bei einer der zentralen Keynote-Ansprachen auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas auf die Bühne fährt. Deshalb ist der Budd-e obendrein gespickt mit neuen Technologien für die Generation der Digital Natives.

Das Cockpit ist komplett animiert und lebt von aufwändigen 3D-Grafiken. Statt Knöpfen und Tastern gibt es Touchscreens und –pads mit haptischer Rückmeldung bis hinein ins Lenkrad. Und bis hin zu den Türen lassen sich viele Funktionen mit einer weiterentwickelten Gestensteuerung abrufen. So muss man nur mit der Hand vor dem Auto wedeln, schon gleitet die Schiebetüre auf und gibt den Blick frei in den loungeartigen Innenraum des Viersitzers, auf dessen Holzfußboden eine variable Sitzlandschaft installiert ist und in dem einen von der gegenüberliegenden Seitenwand ein 34-Zoll-Monitor anlacht.

Auch während der Fahrt ist man im Budd-e immer online und nie isoliert. Sondern der VW von Morgen wird zum Knotenpunkt im so genannten Internet der Dinge und ist deshalb voll mit der digitalen Lebenswelt der Insassen vernetzt. Nicht nur Beleuchtung und Musikprogramm passen sich dann auf Wunsch automatisch den Strecken, der Umgebung oder den Vorlieben der Passagiere an. Selbst das Smart-Home hat man vom Budd-e aus immer im Blick. Man sieht aus der Ferne, wer daheim gerade an der Tür klingelt, man kann in den Kühlschrank schauen oder die Heizung einstellen. Und weil der Server auf Wunsch immer weiß, wo Budd-e gerade ist und wer daheim die Türe öffnen kann, taugt die Studie sogar als mobiler Briefkasten und hat dafür eigens eine ausziehbare Schublade im Heck, die ähnlich wie eine Paketbox genutzt werden kann.

Ein alltagstauglicher Elektroantrieb, eine Bedienung fast ohne Knöpfe, digitale Anzeigen von ungeahnter Brillanz und Tiefe und voll vernetzt im Internet der Dinge – damit wirkt der Budd-e tatsächlich wie ein VW aus einer Zeitmaschine. Doch selbst wenn viele Komponenten der Studie noch in der Entwicklung sind und VW schon ein paarmal vergeblich versucht hat, den Bulli als Lifestyle-Auto zurück zu bringen, muss man den Kalender für diese Vision gar nicht mehr so weit nach vorne drehen, sagen die Niedersachsen: Die Geschichte von den vier Freunden auf großer Fahrt durch eine interaktive Freizeit, die VW um das Auto herum gestrickt hat, spielt nicht ohne Grund im Jahr 2019.

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