Familybusinesssportler

Der neue Audi A6 Avant

Es gibt Autos, die perfekt fürs Familienleben geeignet sind. Andere Fahrzeuge geben den idealen Businessbegleiter ab. Und dann wären da noch emotionsgeladene Autos, die sich ganz der Sportlichkeit verschrieben haben. Doch was tun, wenn ich ein Businessman mit zwei Kindern und einem Hang zur Freude am Fahren bin? Solange ich das Geld für drei Autos nicht habe, stelle ich mir dann eben einen Audi A6 Avant in die Einfahrt.

Text: Jakob Stantejsky

Es ist natürlich unmöglich, die Vorzüge aus drei so verschiedenen Automobilgenres zu vereinen und wirklich in jedem Bereich so gut sein zu können wie die einzelnen Spezialisten. Doch Audi hat sich mit dem neuen A6 Avant auf die Mission begeben, so nah wie nur irgend möglich an diese Fusion aus Vielseitigkeit und Spezialisierung zu kommen. Und schlecht haben sie das definitiv nicht gemacht, die Ingolstädter. Denn von außen bis innen und vorn bis hinten vereint der A6-Kombi zahlreiche Gegensätze gekonnt miteinander. So ist das Design zwar scharf und sportlich, aber dennoch elegant und geht nicht zu Lasten des Nutzens. Obwohl das Heck so viel, pardon, geiler ausschaut als beim Vorgänger, bleibt das Ladevolumen gleich und für alle Hinterbänkler kommen sowohl bei der Kopf- als auch der Beinfreiheit noch die einen oder anderen Zentimeterchen hinzu. Vorfahren kann man mit dem Audi A6 Avant überall, ohne sich je schämen zu müssen, denn gerade in natura schindet das neue Design mächtig Eindruck. Das Blitzblau kann ich dabei nur jedem empfehlen, denn schöner wird’s nicht!

Flacher ist er doch auch geworden, der neue A6 Avant, oder? Nein, ist er nicht. Aber durch die neue Formensprache steht der Kombi so geduckt und muskulös da, dass es fast schon an eine optische Täuschung grenzt. Wer so sportlich ausschaut, sollte allerdings auch in Punkto Fahrdynamik was zu bieten haben. Auch hier lässt sich Audi erwartungsgemäß nicht lumpen und alle drei vorerst erhältlichen Motoren tun ihren Dienst geflissentlich und je nach Pedaldruck auch durchaus frech. Der 204 PS-Diesel wird gerade bei uns in Österreich wohl das meistverkaufte Modell werden und ermöglicht flotte, zackige Fortbewegung und schont dabei eben auch das Börserl. Mit sechs Zylindern lockt dann der 286-pferdige Selbstzünder, da geht die Post natürlich gleich deutlich mehr ab und der sonorige Sound passt auch besonders gut zu einem derart cool gestylten Auto. Doch die insgesamt ca. 160 Kilogramm Mehrgewicht spürt man in rasanten Kurven schon, das lässt sich keinesfalls leugnen. Wer mit vier Zylindern leben kann, dem steht auch noch ein Benziner mit 245 PS zur Verfügung, der den spritzigsten Teil des Trios gibt. Er hat zwar nicht so viel Kraft wie der große Diesel, lädt aber am ehesten zum fröhlichen Fetzen ein, während die Diesel eher fürs galante Gleiten prädestiniert sind.

Sportlich kann man aber definitiv mit allen unterwegs sein, doch ein Wermutstropfen bleibt. Den neuen A6 Avant gibt es ausschließlich mit Automatik, was bei den heutigen Systemen ja an sich kein Drama ist. Aber beim Test ist nicht nur mir unangenehm aufgefallen, dass es eine ganze Weile dauert, bis ein beherzter Tritt aufs Gaspedal auch wirklich in intensiven Schub umgewandelt wird. Besonders bei der euphorischen Kurvenausfahrt macht sich das bemerkbar. Ist die Automatik jedoch erst mal fertig mit Denken, geht alles ruckzuck und die (digitale) Tachonadel eilt mühelos im Uhrzeigersinn dahin.

Apropos digital, da war doch was in Ingolstadt… Auch der A6 Avant kommt natürlich mit der vollen Power des komplett modernisierten Cockpits daher und bietet nicht nur fesche digitale Instrumente, sondern auch gleich zwei Bildschirme auf der Mittelkonsole. Der obere, große Screen steuert dabei alles, was das Herz begehrt, wie es bei den meisten Herstellern ja nichts Neues mehr ist. Ein Stückchen darunter ist Touchscreen Jr. für die Klimaanlage und andere Fahrzeugfunktionen wie ESP, Start-Stopp, etc. zuständig. Die Bedienung funktioniert einwandfrei und schnell, das kurze Vibrieren bei Betätigung der Displays gibt ein angenehmes Feedback. Außerdem ist das ganzy System natürlich supergscheit und reagiert auch auf Sprache – generell kann es dem gestressten Geschäftsmann mit all seinen Vernetzungsfunktionen viel Arbeit abnehmen. Und auch Analogiker wie ich müssen zugeben, dass das Interieur einfach passt. Futuristisch, aber nicht abgehoben, präsentiert sich der A6 Avant innen und man findet ihn zwangsläufig ziemlich cool. Außerdem fühlt man sich bei allem Hightech noch ganz dem Fahrzeug verhaftet und nicht wie in einer überdimensionierten Spielkonsole. In Punkto digitalem Cockpit macht Audi derzeit niemand etwas vor, ganz im Gegenteil kann sich die Konkurrenz eher eine Menge abschauen.

Riesige Dimensionen zum Wohlfühlen im Innenraum, ein scharfes, elegantes Design, große Praxistauglichkeit in allen Belangen und eine Abstimmung, die mühelos zwischen sportlich und erhaben changiert – klingt doch eigentlich ziemlich perfekt, nicht wahr? Ist es auch. Nur das emotionalste Auto wird der Audi A6 Avant nie werden, dafür ist er einfach zu durchdacht. Ob das jetzt etwas Positives oder Negatives ist, liegt im Auge des Betrachters. Für alle Familienbusinesssportler ist der Ingolstädter allerdings eine wahre Wohltat und einer der besten Allrounder am Markt.