Kleiner Bruder

Audi S5: Der bessere RS?

Wenn’s immer noch was Besseres, Stärkeres gibt, erwartet man sich meist weniger. Und wird nicht selten überrascht. Der Audi S5 ist das Beweisstück Nummero Quattro.

Text: Maximilian Barcelli

Da stand er also, der Audi S5. In einem überfeinen Blau. Technoid wirkend und modern. Innen Audi-typisch aufgeräumt. Schön anzusehen, auf die überzogene Carbon-Optik hätte man verzichten können. Die Plastik-Schaltwippen, zu haben in jedem Golf, hätten auch nicht wirklich sein müssen. Auf was wir jedoch nicht verzichten wollen, ist der Sound: Beim Anlassen der Maschine hallt ein böses Donnern durch die Tiefgarage. Also nicht ein bisserl böse, sondern richtig böse. Darth Vader mäßig. An eine Frage kommt man dann letzten Endes nicht vorbei: Wenn so der S klingt, wie klingt denn dann bitte der RS?

Schon klar: Noch einmal ein gutes Stück brutaler. Mehr so Imperator Palpatine. Und der RS 5 mit seinen 450 PS schafft den Paradesprint auf 100 Stundenkilometer auch in flotten 3,9 Sekunden, der S5 genehmigt sich hingegen 4,7. Aber wir sitzen ja hier nicht am Stammtisch, Quartettkarten halten wir auch nicht in den Händen. 4,7 Sekunden ist noch immer ein Spitzenwert. Die 354 PS haben nicht selten dafür gesorgt, dass wir so richtig schön in den Sitz gepresst wurden.

Außerdem ist der RS 5 ja sowieso kein S5 Konkurrent, sondern einfach das sportliche Optimum der A5-Reihe. Jonglieren wir doch ein wenig weiter mit Zahlen und widmen uns den wahren Kontrahenten: Der stärkste 4er BMW – bevor es mit dem M4, der ja Gegenspieler des RS 5 ist, halt endgültig eskaliert – benötigt 4,9 Sekunden zum Knacken der 100er Marke. Und die kleine AMG C-Klasse gönnt sich genauso viel Zeit, wie das Sportcoupé aus Ingolstadt. Mit den Produkten aus Affalterbach mitzuhalten ist sowieso eine Mammutaufgabe. Sowohl aus Münchner als auch Ingolstädter Sicht. Acht Zylinder in der Mitteklasse – das traut sich momentan eben nur AMG.

Doch zurück zum Audi S5. Der stellt nämlich den BMW 440i in den dunkelsten Schatten. Nicht, wegen der lächerlichen 0,2 Sekunden, die der Herr der vier Ringe schneller auf Landstraßentempo spurtet. Aber soundtechnisch, da tut sich selbst der M4 schwer, mitzuhalten. Und optisch gibt sich das Coupé aus Ingolstadt auch deutlich bissiger. Nicht zuletzt wegen der eingangs erwähnten Farbe, doch auch die zwei Doppelauspuffendrohre tragen ihren Teil dazu bei.

Jetzt hat der Audi S5 allerdings zwei Probleme. Das erste heißt M Performance Power Kit. Ein optionales Paket, dass dem 440i bedeutend mehr Leistung verschafft und auch der Sound wird durch eine Sportabgasanlage gedopt. Das zweite Problem: Der Audi S5 ist ein Audi. Heißt: Ein sturer Allradler, der zwar richtig fein auf der Straße klebt – obwohl er immerhin fast 1,7 Tonnen Leergewicht mit sich schleppt, mit dem Heck aber kein Tänzchen veranstaltet. Um puren, unvernünftigen Fahrspaß zu erleben, muss man zu den Hecktrieblern nach München greifen – oder einen Dampfhammer aus Affalterbach wählen. Denn der Audi ist, so böse er auch aussehen, klingen und nach vorne marschieren mag, schlicht und ergreifend zu brav.