Sag zum Abschied leise Servus

Honda CR-V: Warme Semmeln

Es ist noch gar nicht lange her, da präsentierte Honda seinen neuen Diesel im Civic voller Stolz. Bei der neusten CR-V-Generation wollen die Japaner davon nichts mehr wissen – und das, obwohl immerhin 87 Prozent der verkauften Fahrzeuge in Österreich 2017 Selbstzünder waren.

Text: Maximilian Barcelli

Diese Kunden müssen sich nun wohl andere Alternativen suchen, kein Diesel-Aggregat wird sich in die Motoren-Palette des CR-V blicken lassen. Soll so sein. Und ganz untätig bleiben auch die Japaner nicht – zumindest in Sachen Elektromobilität. Ein Hybrid wird Ende des Jahres nachgereicht und soll den Selbstzünder ersetzten. Zu erproben gab es also vorerst nur den zwangsbeatmeten 1,5-Liter-Vierzylinder. Der bringt seine bulligen 193 Pferdchen wahlweise via CVT-Getriebe oder als handsortierten 6-Gänger (dann sind’s allerdings 20 PS weniger) auf die Straße. Mit letzteren starteten wir das Test-Tänzchen.

Und schon beim Einsteigen sticht das recht hochwertige Interieur ins Auge. Holz-Applikationen sorgen für die richtige Stimmung, der Materialmix wird von nicht ganz so soften Soft-Touch dominiert und das Leder fühlt sich durchaus qualitätsvoll an. Das Infotainment hinkt zwar immer noch ein wenig der Zeit hinterher, die Hände sollten aber sowieso am Lenkrad ruhen. Oder eben nicht ruhen.

Apropos Lenkung: Diese trumpft mit einer herrlichen Leichtgängigkeit auf, Feedback von der Straße kommt dennoch genug. Die Schaltung überzeugte erst richtig: Knackige, kurze Wege machen auch eine etwas forciertere Fahrt zum Vergnügen. Aber klar, ein Kurvenräuber ist der Honda CR-V bei einem Gewicht von um die 1,6 Tonnen – abhängig von Getriebe, Ausstattung und so weiter können es aber gerne auch mal über 1.700 Kilogramm werden – nicht (Doch auch das können die Japaner. Und zwar richtig gut, siehe hier).

Dazu trägt auch das Fahrwerk und die Federung bei. Zwar kostet dieses einem auf der kurvenreichen Landstraße etwas Stabilität und man wankt bei schnellerem Fahren doch ein wenig umher. Bei der ersten Bodenunebenheit weißt du dann aber, weshalb. Ein gemütlicheres Fahrwerk passt einfach besser zum Charakter des Autos. Nein, Kurvenräuber ist der Honda CR-V keiner, eine Langstreckenmaschine jedoch alle mal.

Während den ersten Kilometern konnte der Honda CR-V also durchaus überzeugen, in Anbetracht eines Einstiegspreises von vermutlichen 29.999 Euro sowieso. Nur der Motor fällt ein wenig aus der soliden Reihe. Es ist jetzt nicht so, dass die 173 PS und 220 NM nicht genügend anschieben. Das tun sie. Doch entfaltet das 1,5-Liter-Vierzylinder-Aggregat seine Leistung „erst“ bei 5.600 Umdrehungen – und da oben auf der Drehzahldachterasse ist der Benziner vom akustischen Standpunkt her schon etwas ungehobelt. Eigentlich nicht weiter schlimm, gäbe es im CR-V eine andere Automatik.

Die gibt’s aber eben nicht, in Fernost sind CVT-Getriebe schon lange gang (Ha. Ha.) und gäbe. Manchmal, da passen sie ja auch wunderbar ins jeweilige Fahrzeug – der Lexus RX450h ist da ein Paradebeispiel. Allerdings gibt’s dann auch die CVT-Getriebe, die einem gehörig auf den Nerv gehen. In diese Sparte ordnet sich der CR-V Gott und den 20 PS und 23 Newtonmetern mehr sei’s gedankt nicht ein. Überhaupt muss gesagt werden, dass der CR-V mit Automatik, so fein das manuelle 6-Gang-Getriebe auch ist, einfach die passendere Kombination ist. Was in das SUV noch hineinpassen würde? Ein hochmoderner, wenig saufender Diesel, den die Japaner ja hätten. Und der im Civic eben schon richtig überzeugen konnte.

Aber gut. Sprechen wir doch noch übers Design. Ist er schön, der CR-V? Wir meinen ja. Die Front ist bullig und erinnert vielleicht ein wenig an den Ford Edge. Das Heck würde vielleicht filigraner wirken, wenn sich die Leuchten nicht so über die C-Säule strecken würden. Auf der anderen Seite sind eben diese Heckleuchten ja auch ein Markenzeichen des CR-V. Und in einer Zeit, in der eh alles gleich aussieht, ist Unverwechselbarkeit ein wahrer Segen.