Der Chauffeur hat heute frei

Porsche Panamera 4 E-Hybrid Sport Turismo: Family-Porsche

Zwei Zahlen stechen beim Porsche Panamera 4 E-Hybrid Sport Turismo besonders hervor: 2.265 und 2,6. Scheint die erste eigentlich die schlechten Seiten des Kombis hervorzuheben, entpuppt sie sich als Qualitätsbeweis. Bei der anderen Zahl geht es umgekehrt vor.

Text: Maximilian Barcelli

Sie dotiert nämlich den Benzinverbrauch in Litern auf 100 Kilometer. Offizielle Angaben, eh klar bei 2,6. Eigentlich halb so dramatisch, dass die Normangaben von der Realität abweichen (bei Hybriden ja noch heftiger), ist freilich nix neues. Und für den österreichischen Autokäufer auch nix schlechtes. Zumindest nicht für die, die gerne ein bisserl ein Nova-Geld einsparen möchten.

Trotzdem ist klar: Kaufe ich einen Hybrid, dann will ich elektrisch fahren. Und was das angeht, muss sich der Porsche unter den Kombis etwas verstecken. Zu gering ist die tatsächliche elektrische Reichweite. Das können andere schon besser. Was hingegen so ziemlich alle weiteren Kriterien angeht: Das können andere nicht besser.

Natürlich sticht der Panamera ST vor allem mit einem sportlichen Fahrverhalten heraus, das S-Klasse, A8 und selbst den 7er BMW degradiert. Zumindest in diesem Punkt. Klar, geht es um Längsdynamik sprechen die Überdrüber-Versionen von AMG und Co. schon ein, zwei Worte mit. Doch weder S 63 noch M760Li verschleiern ihr Gewicht so hervorragend, wie dies der Panamera tut. 2.265 Kilogramm wiegt der Businesskombi. Wenn du den Zuffenhausener um die Kurve schmeißt, fühlt er sich aber glatt 400 Kilogramm leichter an.

Dafür sorgt vor allem das Fahrwerk: Sicherlich ist es straffer abgestimmt als das seiner Kontrahenten, aber von hart oder gar unbequem kann trotzdem keine Rede sein. Die Lenkung ist sehr direkt und Befehle von dieser werden von der Fuhre mit einer Präzision befolgt, die uns mehr an den 911er als an einen Kombi erinnert.

Der Porsche Panamera 4 E-Hybrid Sport Turismo beschleunigt auch wie ein Elfer. In Zahlen: 4,6 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h. In Emotionen: Vom Elektroantrieb kriegt man vom Stand aus erstmal eine Knackwatschen verpasst, die sich gewaschen hat. Bei Drehzahl 1.750 steht das maximale Drehmoment der Ottofraktion (450 Nm) an, ab 5.260 folgt die gesamte Leistung des Verbrenners (330 PS). Okay, das sind auch Zahlen. Zurück zur Emotion: Begleitet wird die Orgie von einem Donnergrollen, dem man eher zwei Zylinder mehr zuordnen würde. Der Panamera 4 E-Hybrid ST rennt auf sechs Töpfen.

Der Innenraum spiegelt den sportlichen Charakter des Kombis wieder: Der prominente Drehzahlmesser ist analog, links und rechts von diesem befinden sich zwei Armaturendisplays. Porsche gelingt es die Schönheit analoger Instrumente – besonders der Drehzahlmesser hat Tradition bei den Zuffenhausener – mit der Nützlichkeit digitaler zu kombinieren. Dass das dabei alles auch noch schön aussieht, ist kein Schaden. Ansonsten: Leder und andere hochwertige Materialien, wohin das Auge reicht und eine schön designte Mittelkonsole, die trotz einiger Knöpfe voll auf der Höhe der Zeit ist. Die Verarbeitung ist wie gewohnt perfekt.

Reden wir zum Abschluss noch über die Sinnhaftigkeit von Kombi und Hybrid – beides hat seine Vor- und Nachteile. Contra Kombi: Nur 20 Liter mehr Kofferraumvolumen für einen Mehrpreis von rund 4.000 Euro. Pro Kombi: Ein aus unserer subjektiven Sicht noch schöneres Design. Contra Hybrid liegt ebenfalls im Gepäckraum. Der schrumpft beim ST nämlich von 520 auf 425 Liter. Auch wiegt der Panamera mit dualem Antriebsstrang einiges mehr. Pro Hybrid: Rein elektrisches Fahren, zwar nicht weit, aber halt doch ein gutes Stück. Und was noch viel wichtiger ist: Statt 330 PS, die den Panamera 4 in 5,3 Sekunden auf 100 Stundenkilometer preschen, gibt’s 462 – und das, dank der Steuersituation, quasi fürs gleiche Geld.