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Suzuki Swift Sport: Giftzwerg auf freundlich

Es treiben sich schon einige Giftzwerge in der Automobilwelt herum, die richtig beißen können. Prominenter Neuzugang derzeit ist etwa der Toyota GR Yaris. Der Suzuki Swift Sport ist auch ein kleiner Wilder, besinnt sich aber lieber auf Freundlichkeit statt auf Boshaftigkeit.

Denn logischerweise kann er mit seinen 129 PS niemanden ernsthaft erschrecken. Noch dazu wo die Pferdeherde im Frühjahr 2020 noch 140 Rosse stark war. Doch Abgasnormen und Co. haben Suzuki dazu veranlasst, den Swift Sport zum Mild-Hybrid mit 48 Volt-System umzurüsten. Der 1,4 Liter-Vierzylinderbenziner ist zwar derselbe geblieben, verlor im Zuge der Operation aber die angesprochenen 11 Pferde und beim Sprint auf 100 Sachen sogar eine ganze Sekunde, er fällt von 8,1 auf 9,1 Sekunden. Dafür gewinnt er 5 Nm Drehmoment dazu und die jetzt 235 Nm schlagen schon bei 2.000 statt 2.500 Touren an. Untenheraus geht also beim neuen Hybridsystem mehr weiter, doch der Punch verliert sich im Vergleich zum bisherigen Swift Sport früher. Gut, immerhin bleibt die Höchstgeschwindigkeit mit 210 km/h gleich. Ob man die im Swift Sport aber wirklich komplett ausreizen will, ist fraglich.

Denn auch wenn gerade der kurze Radstand und die kleinen Dimensionen den frechen Suzuki zum Spaßgaranten machen, für stundenlange Highspeed-Hatz auf der Autobahn ist er nicht unbedingt ideal. Denn kleinwagentypisch wird es dann recht laut und die flinke Wendigkeit kommt nicht gerade als Laufruhe zur Geltung. Aber auf der Landstraße hingegen, da grinst der Fahrer. Denn Mild-Hybrid hin oder her – der Suzuki Swift Sport macht in der Kurve immer noch verdammt viel Spaß. Klar, er schießt nicht wie ein Besessener vom Scheitelpunkt, denn er hat immer noch 129 und nicht 300 PS. Aber für 23.990 Euro, und da ist abgesehen von Speziallackierungen schon alles mit drin, gibt es keine vergleichbare Dynamik im Hosentaschenformat auf dem Markt.

Denn auch wenn er nicht röhrt wie ein Wilder und auch nicht geht wie eine Rakete, er hat schon sportlichen Anspruch und ein dementsprechend dynamisches Fahrwerk. Nicht steinhart, aber spaßig. Die Schaltung ist zweifellos auf der knackigen Seite beheimatet und ein deutlicher Unterschied zum eher unbestimmten Gerühre im normalen Swift. Außerdem ist der Suzuki Swift Sport einfach grundsympathisch. Er verzichtet auf große Spompanadeln und besinnt sich darauf, Dynamik in den Alltag zu bringen. Und zwar wirklich in den Alltag. Es soll weder der Preis so ansteigen, dass ohnehin niemand diesseits von elitären Besserverdienern ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sich einen Swift Sport zu gönnen. Und die Tugenden des Swift sollen erhalten bleiben.

Sprich: Es gibt jede Menge Platz im Innenraum. Mehr als man von außen vermuten würde. Und dennoch artet der Swift Sport nicht zu einem unförmigen Kasten aus, sondern weiß optisch zu gefallen. Auch hier bringt er eine eigene Note mit. Besonders das breite Heck mit den frechen großen Endrohren zaubert ein wohlwollendes Lächeln auf die Lippen. Es muss nicht alles bitterer Ernst sein. Hier ist Spaß noch erlaubt und für jeden zu haben. Allein das sichert dem Swift Sport ein nettes Plätzchen im Herzen aller Autofans.

Das Cockpit spielt zwar nicht allerhand digitale Stückeln wie schon so manch anderer Kleinwagen es kann, das stört aber nicht weiter. Das Infotainment ist simpel und funktional, kann von der Handyverbindung bis zum Navi alles, was man wirklich braucht. Sonst verzichtet der Swift Sport auf großartige Digitalakrobatik, er ist eben ein Auto fürs Fahren. Sowohl von A nach B, als auch um des Spaßes an der Freude willen. Funktioniert beides bestens und unkomplizierter als bei anderen ach so modernen Fahrzeugen. Weniger ist halt doch immer wieder mal mehr.

Wer sich selbst als Liebhaber der dynamischen, motorisierten Fortbewegung auf vier Rädern bezeichnet, aber nicht mit einem spektakulären Budget gesegnet ist und deshalb in Richtung Kleinwagen schielt, sollte dem Suzuki Swift Sport definitiv eine Chance geben. Ja, er steckt nicht voller Hightech-Spielereien und nein, er fetzt nicht wie eine angestochene Wildsau durch die Gegend. Aber er ist sportlicher als die meisten Kleinwagen und fairer gepreist als – nun ja – auch die meisten. Unsere zweiwöchige Beziehung war jedenfalls völlig krisenfrei und von gegenseitiger Zuneigung geprägt. Der Suzuki Swift Sport bringt die gute Stimmung jedenfalls immer mit. Auch wenn er irgendwo im Grunde seines Herzens ein kleiner Giftzwerg ist, bleibt er stets charmant.

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Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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