Ein Roadtrip der Sonderklasse

Von London nach New York via Highway: Riesenbrücke in Planung?

Geht es nach dem russischen Bahnchef, ist ein Riesenhighway, der London mit New York verbindet, denkbar. Ob heiße Luft oder nicht: Es wäre allemal ziemlich geil! Oder?

Text: Maximilian Barcelli

Ein Globus ist eine feine Sache, viel feiner als eine Landkarte. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Welt kann viel realitätsgetreuer abgebildet werden. Immerhin sind Russland und die U.S.A. nicht besonders weit voneinander entfernt. Ein Eindruck, der beim Betrachten einer Landkarte nicht unbedingt entsteht und sich so ein bisserl ins Unbewusstsein einschleicht. Und Afrika beispielsweise, wird meist viel zu klein abgebildet. Der Kontinent ist größer als Südamerika und Europa zusammen!

Achso, und für die Digital Natives unter euch: Landkarte = Google Maps, Globus = Google Earth. Aber zurück zu Russland und den Vereinigten Staaten von Amerika. Nur etwa 85 Kilometer Wasser und Land (die Diomedes-Inseln liegen etwa auf halber Strecke) trennen die beiden Staaten voneinander. Die momentan längste, existierende Meeresbrücke verbindet Hong Kong und Macao. Sie ist etwa 55 Kilometer lang. Realisierbar wäre eine Brücke, die die Amis mit Mütterchen Russland über die Diomedes-Inseln verbindet also auf jeden Fall.

Doch der russische Bahnchef geht einen Schritt weiter: Zwar würden auf den Weg von London nach New York Großteils bereits vorhandene Straßen genützt werden, das Verkehrsnetz in Sibirien müsste dennoch ordentlich ausgebaut werden. Wie viel Sinn das alles machen würde, sei dahingestellt, doch die Vorstellung, beinahe die gesamte Erde mit dem Automobil bereisen zu können – ohne auf Fähren und Schiffe zurückgreifen zu müssen – ist schon sehr beeindruckend.

Aus Jux und Tollerei haben wir euch die Route zusammengestellt, um die Dimension eines solchen Roadtrips zu veranschaulichen. Los geht’s im Zentrum Londons, wo wir an die britische Küste und weiter durch den Eurotunnel, Belgien, die Niederlande nach Berlin reisen. In der deutschen Hauptstadt würde sich nach mehr als zwölf Stunden Fahrt und 1000 absolvierte Kilometer ein Päuschen anbieten. Aber wie heißt’s so schön? Wer rastet rostet. Also führen wir unseren virtuellen Roadtrip gleich fort: Wir durchqueren Polen und Weißrussland, bis wir dann in das Land gelangen, in dem wir mit Abstand die meisten Kilometer runterspulen werden: Russland.

Von Berlin nach Moskau sind es rund 20 Stunden Fahrt – ohne Pause versteht sich – und beinahe 2.000 Kilometer. An diesem Punkt der Reise waren wir gut 30 Stunden unterwegs und haben mehr als 3.000 Kilometer hinter uns gebracht. Ein wirklich winziger Bruchteil unseres Roadtrips also. Es geht weiter: Wir schlagen uns zur russisch-kasachischen Grenze vor, der wir dann nördlich davon folgen. In einem wunderbaren Ort namens Tscheljabinsk ist dann mal wieder Zeit für eine Pause. Immerhin beträgt die Strecke von Moskau bis dorthin weitere 1.800 Kilometer.

Die nächste Staatsgrenze, die wir tangieren, ist die mongolische. Dann, beim Dorf Never, das nur ein paar Minuten von Skoworodino entfernt ist, verlassen wir die P-297 und schlagen uns auf der A-360 den Weg Richtung Norden vor. Wir kommen an malerische Dörfer mit klingenden Namen wie Ytyk-Kjujol oder Tschuraptscha, in denen lauschige Temperaturen von -40 Grad herrschen, vorbei. Unser Weg führt uns sogar nach Jakutsk, eine Großstadt, die als die kältesten überhaupt angesehen wird. Von dort bis nach Ust-Nera sind es dann nicht einmal mehr 1.000 Kilometer, allerdings stehen wir dort schlussendlich an. Grundsätzlich halb so dramatisch, dort ist das Klima mit teilweise bis über -30 Grad Celsius schon richtig freundlich. Man könnte fast Badewetter sagen …

Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir 152 pausenlose Stunden unterwegs und spulten 12.179,52 Kilometer runter. Für ein Vorankommen unserer hypothetischen Reise müssen wir an diesem Punkt in die Trickkiste greifen. Eine befestigte Straße hat sich von Ust-Nera bis ins Inuitdorf Naukan, in dem die Brücke sein würde, nicht finden lassen (falls ihr etwas findet, wir sind offen für Routenänderungen). Also schnallen wir die Offroad-Patscherln an und fahren querfeldein.  Die Luftlinie von Ust-Nera nach Naukan beträgt etwa 2.100 Kilometer und wir gehen von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h aus.

Heißt: Nach weiteren 42 Stunden haben wir endlich die Brücke erreicht. Die überqueren wir in gut einer Stunde und befinden uns dann endlich in den Vereinigten Staaten von Amerika. Genauer gesagt in der Stadt Wales, von der es, wie sollte es anders auch sein, keine direkte Route nach New York City oder sonst wo hin gibt. Wir greifen also wieder auf Trick 17 zurück. Die Luftlinie von Wales nach Manley Hot Springs beträgt 815 Kilometer, unsere Durchschnittsgeschwindigkeit belassen wir bei 50 km/h, also benötigen wir nach Adam Riese etwa 16 Stunden, um dorthin zu gelangen. Mittlerweile ein Klacks für uns. Von dort an kommen wir nun endlich wieder in den Genuss befestigter Straßen. Straßen, die uns mehr oder weniger direkt zu unserem Ziel bringen. Durch Kanada und den U.S.A. reisen wir also weitere 74 Stunden lang und 7.099 Kilometer weit nach New York fucking City. Geschafft!

Unser Fazit: 22.278,52 zurückgelegte Kilometer. Gedauert hat der Spaß 285 Stunden. Wenn wir nun zwölf Stunden pro Tag rasten würden, wären wir in 570 Stunden in New York. Was beinahe 24 Tage sind. Einen guten Monat ist man also schon unterwegs. Die Flugverbindung von London nach NY sind übrigens auch nicht so schlecht.

Wer nach der langen Fahrt noch immer nicht genug hat, könnte dann noch runter nach Puerto Williams, das sich in Chile befindet und die südlichste Stadt der Welt ist. Somit würde man durch die Brücke alle Kontinente außer Australien und Antarktika mit dem Automobil erreichen.

Bilder: Screenshot / © Google 2018