Mondial de l’Automobile Paris

Surprises & Gourmandises

Die Mondial de l’Automobile ist alle zwei Jahre eines der Top-Highlights des europäischen Auto-Herbstes.  Von 1. bis 16. 10. schaute sich mehr als eine Million Besucher das automobile Defilée in der Seine-Metropole an.

Text: Beatrix Keckeis-Hiller
Fotos: Mondial de l’Automobile, Hersteller

Man weiß spätestens dann, dass man auf der Mondial de l’Automobile in Paris ist, wenn das, was einen zwischen den automobilen Gerüchen in der Nase kitzelt der Duft nach Austern und anderen Meeresfrüchten ist. Nachdem’s aber auf dem Pariser Autosalon weniger um ess- und trinkbare Gourmandises – das sind Köstlichkeiten – geht, gilt die Konzentration doch eher den vierrädrigen Surprises, den angekündigten und den nicht annoncierten Überraschungen motorischer Natur. Wie bereits berichtet waren diese angerichtet unter anderem von Renault, mit dem Concept Car Trézor und dem stärker gemachten Zoë, weiters von Land Rover mit dem neuen Discovery sowie den Elektro-Konzepten von VW – mit dem I. D. – und Mercedes – mit der neuen Sub-Marke EQ. Weiters hat BMW den neuen X2 der Öffentlichkeit vorgestellt und Audi die nächste Evolutionsstufe des Q5.

Darum herum gruppierte sich die Schar der großen und kleinen Hersteller, teils mit, wie Mercedes und VW, ebenfalls stark Antriebs-elektrisch geprägter Ausrichtung. Alle hatten ihre aktuellsten und allerneuesten, zum Teil noch nicht vor großem Publikum präsentierten Modelle mitgebracht. Wer allerdings Ford, Mazda und Volvo suchte wurde nicht fündig. Auch nicht mit von der Partie waren Luxus-Marken wie Aston Martin, Bentley, Bugatti, Lamborghini und Rolls Royce, Ferrari zeigte immerhin den GTC4 Lusso T (mit 3,9-l-V8 Biturbo, 610 PS) her. Dafür haben vor allem die Hausherren – die Groupe PSA (Peugeot, Citroën, DS Automobiles) ebenso wie Renault – gezeigt, dass sie nach wie vor sehr viel automobile Phantasie haben. Es ist zu hoffen, dass davon auf dem Weg zu den Serienmodellen nicht allzu viel verloren geht.

Alles andere als bescheiden-unauffällig ist der Ausblick Citroëns auf den nächsten C5. Der „CXPerience“ getaufte Prototyp erinnert nicht zufällig an den CX der 1970er- und 1980er-Jahre. Er ist zudem die Basis dessen, was sich die Doppelwinkel-Leute für die nahe Hybridantriebszukunft ausgedacht haben. Demnächst auf dem Markt starten wird der neue C3, quasi als Klein-Cactus. Ausgetobt hat sich die Design-Abteilung am WRC-Concept, denn man steigt 2017 wieder ins Rallyegeschehen ein.

Bei Honda steht der Civic mitten in seinem aktuellen Modellwechsel. Die Umstellung ist optischer, technischer und motorischer Natur. Zum Größenwachstum und zum erweiterten Assistenz-Angebot kommen neu entwickelte Benzin-Motorisierungen: ein Einliter-Dreizylinder mit 129 Turbo-PS und ein 1,5-Liter-Vierzylinder mit 182 Turbo-PS. In die nächste Entwicklungsphase geht auch gleich der Type R. Im Scheinwerferlicht stand der Prototyp in grau-schimmerndem Outfit à la gebürstetem Aluminium und mit gleich drei Auspuff-Endrohren unter dem mächtigen Heckflügel. Über Leistungsdetails schweigt man sich noch aus.

Sichtlich den deutschen Mitbewerb im Visier hat Hyundai mit dem neu interpretierten i30. Das Design wird Schritt für Schritt reduzierter und noch europäischer. Er ist optisch der Vorbote der kommenden Modell-Erneuerungen. Der Kompakte liefert mit Beginn des kommenden Jahres seinen Markteinstand, unter anderem mit einem neuen 140-PS-Turbobenziner mit 1,4 Liter Hubraum. Abgeschworen haben die Euro-Koreaner dem Diesel nicht, der 1,6-Liter ist frisch bearbeitet. In einer Zweiliter-Benziner-Variante soll’s auch einen 250-PS-i30 geben. Ein Hybrid-Modell ist nicht ausgeschlossen.

Den Modellnamen Ampera hat Opel nicht ad acta gelegt. Im Gegenteil: Er gehört jetzt einem reinen Elektro-Modell. Zur Unterscheidung vom hybriden Vorgänger bekam der Rüsselsheimer ein kleines „e“ an die Typenbezeichnung gehängt. Der frontgetriebene Fünfsitzer soll es mit 204 PS und einer 60 kW/h-Batterie auf 500 Kilometer Reichweite bringen. Als Marktstart-Datum ist das kommende Frühjahr angekündigt. Preise nennt Opel noch keine. Das könnte sich bis zur Vienna Auto Show – 12. bis 15. Jänner 2017 – ändern.

Angekündigt hat es Jaguar ja schon im Sommer: Die englischen Katzen steigen wieder ins Renngeschehen ein. Als Start-Revier hat man sich die Formel E erkoren, die jetzt das dritte Jahr in einer eigenen elektrischen Weltmeisterschaftsliga spielt. Die Saison hat am zweiten Oktober-Wochenende bereits begonnen, in Hongkong, und damit hat der brandneue i-Type seinen ersten Auftritt absolviert. Der 270-PS-Bolide hat sich bei seiner Premiere überzeugend geschlagen. Das nächste von insgesamt vierzehn Rennen steht am 12. November in Marrakesh (Marokko) auf dem Programm.

In seine vierte Generation fährt der Kia Rio. Jetzt auch er mit der prominent-selbstbewussten Tigernase. Die Hyundai-Tochter will sich mit verfeinerter Optik und Technik vom Sparfahrer-Image lösen. Mit kleinen, dafür effektiven Kniffen wie etwa steiler stehendem Aufbau wirken die Koreaner der Kleinwagen-typischen Interieur-Enge entgegen. Auch sollte der auf 2580 Millimeter verlängerte Radstand für verfeinerten Fahrkomfort sorgen. Ab Frühjahr wird er zu den Händlern rollen.

Mitsubishi konzentriert sich nach dem i-MiEV und dem Outlander PHEV erneut auf das Thema E-Antrieb. Die Konzept-Studien eX – ein elektrisch betriebener Kompakt-SUV – und GT PHEV – ein Allradler mit gleich drei Elektromotoren – liefern einen Vorgeschmack auf die nahe Zukunft der Modellpalette, die derzeit mit Space Star/Attrage, Lancer, ASX, Outlander und dem Dauerbrenner Pajero sowie dem L200 überschaubar aufgestellt ist.

Gar nicht mausig ist Nissans Neuinterpretation des Micra. Der Zwerg hat etliche optisch kecke Kanten dazubekommen. Dabei ist er auf um nur eine Idee weniger als vier Meter gewachsen. Sportlicher im Umgang soll er geworden sein. Antriebsseitig ist ihm ein 0,9-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 90 PS zugedacht, nebst einem ebenfalls 90 PS-igen 1,5-Liter-Diesel. Das Motorisierungs-Offert wird erweitert, um eine 75-PS-Version des Otto-Kandidaten.

Peugeot stürzt sich voll auf das Thema SUV. Bereits in den Marktstart-Löchern scharrt der 3008, der sich vom Kompakt-MPV zum Robust-Typ gewandelt hat. Er kommt, wie der 2008, ohne echtes Allradantriebssystem aus. Dafür kann man eine Traktionshilfe ordern. Auf der gleichen Crossover-Schiene komplett erneuert wurde ebenso der 5008, er ist vom Familien-Van zum Sports Utility Vehicle mutiert. Auch er muss ohne 4×4-System auskommen, auch er kann dafür mit elektronischer Anfahr-Unterstützung ausgerüstet werden. Marktstart ist anfang 2017.

In ein schlanker wirkendes Outfit gesteckt und auf eine neue technische Basis gestellt wurde vor kurzem der Porsche Panamera. In Paris haben die Zuffenhausener, ergänzend, die 4 E-Hybrid-Version präsentiert. Die Technologie basiert auf dem 918 Spyder. Für die Kooperation zwischen 2,9-l-V6-Biturbo-Benziner und einem Elektromotor, gekoppelt an eine Achtgang-Automatik, gibt Porsche 462 PS und 700 Nm Systemleistung an. Der Plug-In-Hybride soll rein elektrisch bis zu fünfzig Kilometer weit kommen können.

Skoda ist eine Marke, die in Frankreich noch kaum präsent ist. Das könnte sich nicht nur in Paris, wo Kompakt-SUVs hoch in Mode sind, nun entscheidend ändern. Die Tschechen räumten ihrem Kodiaq auf der Mondial de l’Automobiles mächtig Raum ein, der Neo-SUV aus Mlada Boleslav war auch heftig belagert. Der große 4,70-Meter-Bärige wird demnächst sein Fahr-Debut liefern. In den Handel kommt er in Österreich im März. Da könnte es noch winterlich sein, wie in der Heimat des gleichnamigen Braunbären.

Unter Strom stellt Smart die komplette Palette der zweiten Generation, als „electric drive“ firmieren elektrisiert der Zwei- sowie Viersitzer und auch das Cabrio. An Leistung gibt die E-Maschine jeweils 81 PS her. Mit der 17,6 kW/h-Batterie wird eine Reichweite von bis zu 160 Kilometern angegeben. Die Top-Speed ist mit 130 km/h begrenzt, was für die City und die Tangente reichen dürfte. In den USA startet der Miniatur-Stromer noch heuer, die Europäer werden bis zum Frühjahr warten müssen. Vorerst auf den Fortwo und den Forfour.

Trotz des feurigen Namens fiel der Suzuki Ignis bislang nicht durch optische Auffälligkeit auf. Das könnte sich jetzt ändern. In seiner neuen Generation hat er sich zu Karosserie-Kanten längere Federwege zugelegt und sich damit zum City-Crossover gemausert. Motorisiert ist er mit einem 1,2-Liter-Vierzylinder Benziner. Der leistet 90 PS. Ein elektronisch gesteuertes Allradsystem ist Option. In Österreich zu haben wird der knapp 3,8 Meter Kurze ab anfang 2017 sein.

In Sachen Coupé macht jetzt auch Toyota im Crossover-Segment. Der C-HR steht auf der Plattform des Prius, orientiert sich jedoch optisch ein wenig an einem ebenfalls japanische Fun-SUV. Antriebsseitig reicht das Start-Portfolio von einem 1,2-Liter-Turbobenziner mit 115 PS bis zum aus dem Prius bereits gut bekannten Hybriden mit 122 PS. In Aussicht gestellt ist auch noch ein Zweiliter aus der Otto-Fraktion. Von Diesel ist nicht einmal ansatzweise die Rede. Ein 4×4-System ist optional zu haben, jedoch nur in Kombination mit Automatik, vielmehr CVT-Getriebe.