Limitiertes Vergnügen

Seat Leon Cupra R und ST Carbon Edition im Test

Der aktuelle Seat Leon Cupra ist der letzte seiner Art, denn da Cupra seit neuestem eine eigene Marke ist, wird es genau genommen keinen Nachfolger mit diesem Namen geben. Diese Gelegenheit nützen die Spanier, um ihren Kompaktsportler ordentlich abzufeiern und spendieren ihm mit dem Leon Cupra R und dem Leon ST Cupra Carbon Edition zwei streng limitierte Sondermodelle. Wir durften die beiden feurigen Iberer über den Wachauring jagen.

Text: Jakob Stantejsky

Lediglich 20 Exemplare des R erweisen den österreichischen Straßen die Ehre und immerhin 25 Stück der auf der Langversion basierenden Carbon Edition dürfen hierzulande toben. Die Preise halten sich in beiden Fällen eng an der 50.000 Euro-Marke und bieten so großen Sport fürs vergleichsweise kleine Börserl. In der Hierarchie steht der kürzere Cupra R über dem carbonveredelten ST Cupra, ist er doch nicht nur optisch deutlich fetziger hergerichtet, sondern schickt auch 10 Pferde mehr auf die Weide, nämlich 310. Außerdem sind Fahrwerk und Co. nochmals aggressiver und hungriger abgestimmt, was den mattgrauen Boliden mit Kupferelementen zur echten Pistensau macht. Auch im Innenraum geht es ein Wenig besonderer zu, wie die Farbakzente und etwa das alcantarabezogene Lenkraddeutlich erkennen lassen. Geschalten wird der Leon Cupra R klassisch und knackig per Hand, der Leon ST Cupra Carbon Edition erledigt die Rührerei alleine, sofern man nicht die Schaltwippen bemüht. Insgesamt bleibt Letzterer eher noch der Alltagstauglichkeit verschrieben und könnte jederzeit als zackiges Familienauto duchgehen. Der R hingegen will da doch schon mehr, nämlich ordentlich Action.

Die kriegt er im Test natürlich auch geboten, beziehungsweise zieht er selbst eine ganz große Show ab. Der Sound eines ausgehungerten Raubtiers schallt durch die Wachau, sobald ich die Boxengasse verlasse und die erste langgezogene Rechtskurve in Angriff nehme. Auch als der Radius zum Ausgang hin zumacht und die Fliehkraft spürbar am Leon Cupra R zerrt, bewegt sich der kein Stückchen, außer in die Richtung, in die das Lenkrad zeigt. In den folgenden Linksrechtsraufrunterkombinationen bleibt der Kompaktsportler stets cool, wütet aber gleichzeitig höchst eindrucksvoll über die Strecke. So verfliegt Runde um Runde um Runde und der Spaßfaktor steigt unaufhaltsam weiter, denn jedes Mal traue ich mich das berühmte Eitzerl weiter ans oder übers Limit – der Cupra R quittiert das mit Souveränität und Nervenkitzel vom Allerfeinsten. Das Ding pickt wie eine Eins und macht mit erstklassigem Feedback ein Verschätzen fast schon unmöglich, sofern man denn zumindest ein Bisschen automobiles Gespür mitbringt.

Sein langer Bruder kommt da nicht ganz mit, so ehrlich muss man sein. Zwar macht die Automatik munter alles mit und schaltet genau dann genau so, wie ich es will. Aber das zusätzliche Gewicht und die größere Angriffsfläche sowie die etwas friedlichere Gesamtabstimmung kann der Leon ST Cupra Carbon Edition halt einfach nicht verschwinden lassen – was auch völlig in Ordnung ist. Denn die Fetzen fliegen auch im Sportstourer, wenn man das denn will. Fehl am Platz ist der gestreckte Kompakte auf der Rennstrecke definitiv nicht – er hat sich ihr nur nicht mit Haut und Haaren verschrieben. Dennoch schneide ich mit ihm durch die Kurven wie mit einem heißen Messer durch die Butter und was er in Punkto Rowdytum seinem Bruder nachsteht, holt er mit gesteigerter Überlegenheit wieder auf. Unterm Strich muss man eine Geschmacksfrage beantworten, wenn man sich zwischen den Beiden entscheidet.

Rohe Gewalt oder doch alltagstaugliche Sportlichkeit – so könnte man Seat Leon Cupra R und Seat Leon ST Cupra Carbon Edition beschreiben. Raffinierte Autos sind beide und beide erledigen ihren Job mit beeindruckender Selbstverständlichkeit. Spaß kann man mit beiden haben, nur mit dem einen eben ganz besonders gut. Und wer gerne viel Platz im Auto hat und dennoch eifersüchtig auf den Cupra R schielt, kann sich derweil mit der Hoffnung auf einen Leon ST Cupra R trösten. Denn nichts ist unmöglich und so reißend wie sich der kurze R verkauft hat, müssten die Spanier eine Langversion ja fast schon fix und fertig in der Schublade haben – aus reiner Vernunft. Zumindest behaupte ich das. Hoffentlich liest man diese Zeilen in Barcelona…