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Hyundai Tucson: Die neue Sicht der Dinge

SUV gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, und vor allem in der Kompaktklasse hat man sich daran so langsam satt gesehen. Doch Hyundai will das Segment jetzt mit einem frischen Look aufmischen und der müden Kundschaft die Augen öffnen: Wenn in diesen Tagen zu Preisen ab 26.124 Euro (D) die vierte Generation des Tucson an den Start geht, gibt es deshalb nicht nur viel schlaue Elektronik auf der Ausstattungsliste und sparsame Elektrik für die Antriebe, sondern auch die Designer präsentieren eine neue Sicht der Dinge.

Die Revolution findet vor allem an der Front statt. Denn Hyundai hat den üblichen Zweiklang von Grill und Scheinwerfern aufgelöst und das Tagfahrlicht so in der Bugmaske integriert, dass es zum integralen Bestandteil wird und der Tucson so über das gesamte Gesicht strahlt und damit tatsächlich unverwechselbar wird – selbst wenn er ansonsten zwar gefällig, aber eher gewöhnlich aussieht.

Einen ähnlichen Effekt der Einzigartigkeit erreichen die Designer im Innenraum: Wo die Konkurrenz immer größere Bildschirmlandschaften installiert, stecken die Koreaner ein vergleichsweise kleines Tablet hinters Lenkrad und verzichten auf die übliche Hutze darüber. Das lässt das Cockpit nicht nur leer und damit luxuriös aussehen, sondern verbessert zudem auch noch den Überblick. Und wer gerne Mäusekino schaut, kann dafür ja in der Pixelflut auf der nahezu vollständig digitalisierten Mittelkonsole baden.


Während die Form also radikal weiterentwickelt wurde, hat Hyundai das Format nur marginal verändert. Zwar steht der Tucson auf einer neuen Plattform, legt aber in der Länge und Breite nur um zwei und im Radstand um einen Zentimeter zu. Trotzdem bietet er bei nun 4,50 Metern Länge und 2,68 Metern zwischen den Achsen innen spürbar mehr Platz – mit drei Zentimetern mehr Beinfreiheit für die Hinterbänkler und je nach Konfiguration bis zu 107 Litern mehr Kofferraum. Nicht umsonst passen hinter die große Klappe jetzt im besten Fall zwischen 620 und 1.799 Liter.

Dass der neue Tucson den Bestseller Tiguan buchstäblich alt aussehen lässt, liegt aber nicht allein an der Form. Sondern die Koreaner punkten auch mit reichlich neuer Technik und haben vor allem elektronisch aufgerüstet. Das Infotainment-System geht nicht nur online und entspannt die Insassen mit Kaminfeuer oder akustischen Winterlandschaften, sondern übernimmt im Zusammenspiel mit dem Smartphone auch die Fußgängernavigation für die letzte Meile. Der Autobahn-Assistent ermöglicht nahezu freihändiges Fahren und die Liveübertragung der Rückfahrkameras direkt im Cockpit bringt beim Blinken Leben in den toten Winkel. Und wer für den Unfallschutz lieber auf Hard- als Software setzt, der kann auf den ersten Mittenairbag in diesem Segment vertrauen und sich beim Unfall in ein Luftkissen zwischen den Passagieren in der ersten Reihe fallen lassen. 

Während Hyundai bei der Ausstattung vor allem auf Elektronik setzt, geht es beim Antrieb um die schrittweise Elektrifizierung. Von den Einstiegsvarianten abgesehen, kombinieren die Koreaner ihren 1,6-Liter-Motor deshalb immer mit einem 48 Volt-Mild-Hybrid-System und bieten ihn als Diesel mit 115 oder 136 PS und für die Otto-Fraktion mit 150 oder 180 PS an – immer mit Schalt- oder Doppelkupplungsgetriebe, Front- oder Allradantrieb. Und weil er vor allem in Asien und Amerika so gefragt ist, gibt es den Tucson auch als Hybriden. Dann kommen zum Vierzylinder noch eine E-Maschine von 60 PS sowie ein 1,5 kWh großer Akku. Der erlaubt zwar nur ein paar wenige Kilometer rein elektrischen Fahrens, sorgt aber für Ruhe und Entspannung im Stadtverkehr und lässt den Tucson in freier Wildbahn umso sportlicher ausschreiten. Nicht umsonst kommt das Doppel auf eine Systemleistung von 230 PS und beschleunigt mit maximal 265 Nm in 8,3 Sekunden auf Tempo 100, kommt aber schon bei weniger als 200 km/h aus der Puste. Immerhin liegt der Normverbrauch bei politisch beinahe korrekten 5,6 Litern.

So reizvoll die Kombination aus Stille in der Stadt und Spurtvermögen auf dem Land auch sein mag, verliert der Hybrid allerdings bald seinen Charme. Denn im Frühjahr kommt der Tucson auch als Plug-In, hat dann sogar 265 PS Systemleistung, fährt mit einem 13,4 kWh großen Akku bis zu 60 Kilometer rein elektrisch und wird vom Staat auch noch kräftig bezuschusst. Selbst wenn er deutlich mehr kosten dürfte als der Hybrid, der die Preisliste in der gehobenen Ausstattungsvariante aktuell mit 44.255 Euro anführt, könnte er nicht nur zur besseren, sondern dann sogar zur billigeren Wahl werden.

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