Jeep Grand Wagoneer: Premium für die Pampa

Auf dem Rubicon-Trail macht ihnen keiner etwas vor. Doch auf dem Rodeo-Drive konnte Jeep bislang nur wenig Punkte sammeln. Denn so unbenommen die Offroad-Fähigkeiten der Autos der hartgesottenen Fiat-Schwester auch sein mögen, so wenig Prestige haben Modelle wie der Grand Cherokee oder gar der Compass – zumindest nicht in der Luxusliga. Weil dort aber das meiste Geld verdient wird, will nun auch Jeep in dieser Klasse mitspielen und schickt gegen Cadillac & Co unter einem alten Namen ein neues Flaggschiff ins Rennen: Den Grand Wagoneer. Gerade in Detroit als nur noch wenig überzeichnete Studie enthüllt, soll er im nächsten Jahr flankiert von einem nicht ganz so vornehmen Wagoneer in den Handel kommen und die Marke zu neuen Höhen führen.

Von Thomas Geiger

Und damit das auch ja keiner missversteht, nimmt sich Jeep selbst dabei deutlich zurück und positioniert den Grand Wagoneer so ähnlich wie Land Rover seinen Range Rover als eigene Produktfamilie. So trägt zwar auch die Studie den typischen Grill mit den sieben Schlitzen, doch einen allzu prominenten Jeep-Schriftzug wird man vergeblich suchen.


Stattdessen strahlt über dem von LED-Leisten inszenierten Grill ein ebenfalls illuminierter Grand Wagoneer-Schriftzug, der sich auf den Türen prominent wiederholt. Und als wollten sich die Italiener bei Mr. Trump einschmeicheln, haben sie auch noch eine US-Flagge dazu gepappt- schließlich will der Grand Wagoneer das „American“ in „Premium“ betonen und so zur patriotischen Alternative zum Range Rover, BMW X7 oder Mercedes GLS werden.

Wo das Original aus den 1960ern vor allem mit seiner Holzbeplankung in Erinnerung geblieben ist, haben die Designer diesmal außen eine cleane Oberfläche gelassen und dafür innen reichlich so genanntes Perlholz verlegt. Dazu gibt es erstmals bei Jeep drei angeblich vollwertige Sitzreihen mit bis zu sieben Plätzen und ein Cockpit nach dem Geschmack der Generation Smartphone. Denn nicht nur hinter dem Lenkrad bauen sie einen und in der Mittelkonsole gleich zwei große Bildschirme ein. Sondern auch der Beifahrer bekommt sein eigenes Display.  Und in der zweiten Reihe flimmern nochmal drei Touchscreens.

Weder zu den Abmessungen noch zum Antrieb gibt es aktuell detaillierte Daten. Doch so viel ist sicher: Nachdem Jeep spät aber dafür konsequent auf die Elektrifizierung eingeschwenkt hat, wird es die neuen Modelle nicht nur mit konventionellen Sechs- und Achtzylindern geben, sondern auch als Plug-In-Hybrid. Schließlich achten sie mittlerweile auch auf dem Rodeo-Drive auf ihren CO2-Fußabdruck und Auspufflärm ist in vielen Stadtteilen von Los Angeles längst verpönt.

Aber andererseits, wen interessiert bei Jeep Los Angeles? Zwar hat der Grand Wagoneer mehr Bildschirme als jeder andere Jeep und bekommt zudem ein neues Infotainment-System mit mehr Connectivity, Sprach- und Gestensteuerung, schnellen Prozessoren und schlaueren Antworten. Doch zumindest rund ums Werk in Warren könnten sich die Entwickler die Navigation sparen: Denn aus lauter Lokalpatriotismus haben die Designer die Landkarte von Detroit und Umgebung kurzerhand ins Panoramadach geätzt.