• P.S.Hunter live from the Desert

P.S.Hunter mit den Dune Buggies am Competition Hill

Are you ready?

Glamis, Kalifornien – Was gibt es Schöneres, als einen gigantisch großen Spielplatz, wo man tun und lassen kann, was man möchte, es kaum Regeln gibt und man so richtig die Sau raus lassen kann? Genau, gar nichts! Ein regelrechter Jailbreak aus dem Alltäglichen, denn wendig wie Karnickel und dabei kaum minder komfortabel als ein Standard-PKW – Sand oder auch Dune Buggies geben dort, wo sich herkömmliche Autos im Nu festfahren würden, erst richtig Gas.

Eine riesige Sandkiste

Die Imperial Sand Dunes im Süden Kaliforniens liegen direkt an der Grenze zu Arizona und Mexico und sind mit ihren beinahe 65 Kilometern Länge sowie durchschnittlich um die 10 Kilometern Breite das größte Sanddünenareal in den Vereinigten Staaten. Ein absoluter Traum also für einen jeden Outdoor-Fan und ein regelrechtes Mekka für jeden Motoren-Freak und daher ist dieses Sandparadies auch einer der beliebtesten Treffpunkte für die unterschiedlichsten Offroad-Flitzer, die dort ihre Big Guns auspacken.

Besser bekannt ist die Sanddünenlandschaft unter dem Namen Glamis Dunes, da sich das Offroad-Spektakel direkt neben der gleichnamigen Stadt befindet. Hier reiht sich, vor allem an Wochenenden und Feiertagen, ein Anhänger an dem Nächsten und Wohnwägen stehen nebeneinander soweit das Auge reicht. Ein Freizeitvergnügen für die ganze Familie, wobei Daddy meist den größten Spaß dabei hat den Sand in alle Richtungen fliegen zu lassen. Sonnenschein wird sowieso das ganze Jahr über serviert und im Hochsommer lassen Spitzentemperaturen von 50°+, wohlgemerkt Celsius nicht Fahrenheit, Gemüter und Maschinen ordentlich heiß laufen.

“ Ein absoluter Traum für einen jeden Outdoor-Fan!“

Das Free Riding macht hier seinem Namen alle Ehre, denn im Unterschied zur alpinen Heimat, wo es sowieso keine Sanddünen gibt und selbst wenn es welche gäbe, man sie unter keinen Umständen frei befahren dürfte, fährt man hier einfach seinen ganz eigenen Weg. Natürlich birgt das auch einiges an Gefahren und Unfälle sind sowieso vorprogrammiert, aber das macht ja auch ein wenig den Nervenkitzel aus.

If you want blood…

Die Sandwalzen

In den letzten Jahren haben sich in den Staaten einige Anbieter, oft kleine Familienunternehmen, die eine Faszination fürs Schrauben und Basteln haben, am Dune Buggie Markt platziert. Eines haben die Buggies alle gemeinsam: fette Motoren und ordentlich Schub, der die Sand Tires mit Paddles vorantreibt und sich somit seinen Weg in die Dünenlandschaft hineinschaufelt.
Die beiden irren Gefährte, mit denen ich die Landschaft unsicher machen durfte, liefern weit über 600 PS und sind zum größten Teil sogar Einzelanfertigungen. Man sollte denken, eines dieser Spielzeuge wäre genug des Guten, denn unter 100.000 Dollar kommt man in diesem Fall pro Stück nicht davon, aber wenn Geld keine große Rolle spielt, dann ist es meiner Meinung nach in Motoren immer gut investiert. Tja, Money talks.

…unter 100.000 Dollar
kommt man in diesem Fall
pro Stück nicht davon…

Der 6.3 Liter 383 GM Stroker Nitrous Oxide Motor des grünen 2011er Extreme Superfly Buggies hat zwar mit 630 PS ein paar Pferde weniger als sein grauer, großer Bruder, aber er ist im Gegensatz zu ihm auf der geraden Strecke nicht zu bremsen. Unfreiwillige Wheelies sind bei dem Leichtgewicht auch keine Seltenheit und die knackige 4-Gangschaltung ist so eng angeordnet, dass die Gänge nur so in der Gegend herumfliegen. Ein Anschluss für den MP3-Player und AC/DC machen das Offroad-Wüstenabenteuer zu einer absoluten explosiven T.N.T.-Mischung.

(Highway to) Hell yeah, beim ersten Ritt im grauen Custom Buggy hätte ich das Sandmonster fast rollenderweise auf’s Dach gelegt, denn Richtungswechsel in letzter Sekunde verträgt er nicht so besonders. Diese Aktion wäre aber ordentlich teuer geworden, denn jedes Teil in diesem Gefährt ist speziell dafür angefertigt, das meiste sogar per Hand und selbst der Body ist so, wie man ihn hier sieht, einzigartig und somit nicht ersetzbar. Der LS2 GM Motor bringt mit seinen 6.4 Liter Hubraum beachtliche 750 Pferdchen auf die Sandstraße, dafür muss man die Gänge des sequentiellen 6-Ganggetriebes aber beinahe hineinprügeln. Kein besonders schönes Geräusch, wenn man mich fragt, aber leider nicht zu vermeiden.

Sobald die Nacht in der Sin City Glamis hereinbricht, wird es für kurze Zeit still in der Wüste und es liegt Lagerfeuer-Atmosphäre in der Luft, die mit herrlichen BBQ Düften gewürzt wird. Have a drink on me, denn selten schmeckte mir ein eiskaltes Bier besser als nach diesem Tag. Aber nur ein Einziges, denn auch in der Wüste gilt die allgemeine Promillegrenze.

Die Ruhe hält nicht lange an, schon starten Adrenalin-Junkees ringsherum wieder ihre Motoren und wie könnte es anders sein, ich kann mir dieses nächtliche Spektakel natürlich nicht entgehen lassen. Obwohl die Buggies mit besonders starken Scheinwerfern und ganzen Lichtbändern ausgestattet sind, der graue Buggy hat sogar ein Garmin GPS an Board, kann man sich in der Dunkelheit schnell am schmalen Grat eines Dünengipfels wiederfinden. Dort oben geht es dann meist ordentlich steil bergab und der feine Sand verwandelt sich bei einem Sturz aus dieser Höhe in eine steinharte Landefläche – wie AC/DC sagen würde, Hard as a Rock.

Challenge: Accepted!

Die Sanddünen rund um Glamis stehen der Sahara um nicht viel nach. Riesige, weiße, feinkörnige, unendliche Dünen und so weit man sehen konnte nichts als Sand und noch mehr Sand. In Mitten all der Sandmassen wächst eine noch höhere Sandmasse dem Himmel entgegen – der Competition Hill. Hier geht es nicht wirklich um einen Wettkampf mit anderen Fahrern oder Fahrzeugen, der Kampf gilt allein dem Sandberg und der stellt das Material ordentlich in Frage. Am Fuße finden sich die einzelnen Fahrer mit ihren Dune Buggies, Sand Rails, Quads, Off-Road Fahrzeugen und Motorrädern ein und blicken zunächst ehrfürchtig nach Oben. Das ist aber auch verdammt hoch.

Zum Competition Hill kommt man aber nicht alleine. Familie, Freunde und meist sogar richtig organisierte Clubs betrachten das Schauspiel gespannt und brechen in Jubelschreie aus, wenn einer ihrer Liebsten den Berg bezwungen hat. Noch größer ist die Freude so mancher Frau oder Mutter zu erkennen, wenn sie wieder heil unten angekommen sind. Die amerikanische Autoverrücktheit findet hier definitiv seinen Gipfel.

It’s a long way to the top und bevor ich selbst mit lautem Karacho dem vor mir liegenden Gipfel entgegensteuere, muss ich nochmals tief Luft holen und mir zwei Dinge in Erinnerung rufen: Warum ich das jetzt genau nochmal mache und noch viel wichtiger, dass ich auf keinen Fall meinen Fuß vom Gas nehmen darf, schon gar nicht bei der Kehre, ansonsten rumple ich den ganzen steilen Weg wieder ungebremst nach unten. Dann jedoch eher unsanft und im Waschmaschinen-Schleudergang und das würde ich gerne verhindern. Daher zählt am Competetion Hill nur Eines: Put the pedal to the metal!

Apropos Schleudergang – Vor einer Sache sollte bei all der Euphorie jedoch gewarnt sein, vor dem vielen Sand. Und damit meine ich den Sand, den man unfreiwillig mit nach Hause nimmt. Überall findet man das lästige Zeug, vor allem an Plätzen, wo man nun wirklich keinen Sand haben möchte. Jedes einzelne Teil wandert in die Waschmaschine, selbst wenn es nicht einmal die Reisetasche verlassen hat. Nach der ersten langen Dusche fühlt man sich jedoch wie neu geboren und weiß genau, dass das nicht das letzte Abenteuer war.

Ride on.

Get social guys… ich bin da ja flexibel

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Greetings from Glamis,
Pacey